Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 19 (10.5.1929)
- Date
- 1929-05-10
- Page
- Seite 293 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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T" Nr. 19 Das Jüdische Echo 293 die kleine Quote werden erst die Verwandten bevorzugt, so daß die anderen, die jahrelang gewartet haben, wieder vor dem Nichts stehen und jetzt nach anderen Ländern geschafft werden müssen. Auch jetzt noch gibt es in Konstantinopel etwa 2500 „Russen“, unter ihnen etwa 800 Juden, denen zur Wahl gestellt wird: entweder türkische Staatsbürgerschaft oder Emigration. Bei der Einreichung der Einbürgerungsanträge wird dann aber durch Schikanen aller Art die Einbürgerung unmöglich gemacht, die Vertreibung der Emigranten angedroht, und es herrscht jetzt wieder ein völlig ungewisser Zustand. Die Reste des Flüchtlingsproblems sind damit also auch heute noch nicht völlig gelöst, in den Häfen und in Rumänien, in Konstantinopel gibt es noch Menschen, die vor der Möglichkeit stehen, vertrieben zu werden, und vor der Notwendigkeit, ein Land, in dem sie sechs bis zehn Jahre gelebt haben, wieder zu verlassen und wieder von vorn anzufangen. Ich habe mich bemüht, Ihnen ganz kurz ein Bild zu geben von dem politischen und seelischen Druck, unter dem sich diese ganze Wanderung vollzogen hat. Ich möchte hier an das Wanderungsproblem in Deutschland anknüpfen. W i r sind zu oft geneigt, in dem Wanderer den schnorrenden, demoralisierten Menschen zu sehen. Ich habe sicherlich oft demoralisierte Menschen in meiner Arbeit getroffen. Aber was ich an menschlicher Stärke, moralischem Mut und jüdischen Werten gesehen habe unter den Wanderern, das hat mich immer mit großem Stolz für das jüdische Volk erfüllt, und es wäre ganz falsch, aus den Einzelfällen, die die jeder in seiner Arbeit erfährt, die Stärke und den Wert dieser Menschen, die unter so schwierigen Verhältnissen einen Ausweg für ihr Leben gesucht haben, zu verkleinern. Wenn wir eine Wertung dieser Völkerwanderung der Nachkriegszeit versuchen wollen, so ist besonders der Einfluß eines großen Teils der Ostjudenheit auf das Westjudentum und das deutsche Judentum im besonderen festzustellen. Ich glaube, daß diese Flüchtlinge mit sich die Intensität des jüdischen Lebens und jüdischen Wassens gebracht haben. Wir müssen zwar trauern über die ungeheure Katastrophe, die über die Weltjudenheit hereingebrochen ist, aber trotzdem ist etwas Schönes darin zu sehen, wenn das Westjudentum, das in Gefahr war, den Zusammenhang mit dem Weltjudentum zu verlieren, wieder in Kontakt mit diesem gebracht worden ist. Das Gesamtgefühl der Verantwortung ist wieder lebendig geworden. Wenn das amerikanische Judentum den Ostjuden mit großen Mitteln zu Hilfe gekommen ist, wenn anderseits das deutsche Judentum die Verpflichtung zur Hilfe sehr wohl fühlt und dem jüdischen Flüchtlingsproblem und Wiederaufbau seine Kräfte zur Verfügung stellt, so ist das sicherlich auch auf den Einfluß der Nöte dieses Problems der. ostjüdischen Flüchtlinge zurückzuführen, und vieles von dem, was wir an Erneuerung und Intensivierung des jüdischen Lebens erlebt haben, ist durch sie gestärkt worden. (Aus: „Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge“, Berlin.) Jüdische Studentenfragen Man schreibt uns aus studentischen Kreisen: München, 7. Mai. Die Verbindung jüdischer Studenten „Jordania“ im K. J. V. hatte für Montag, 6. Mai, zu einem Ausspracheabend über das Thema „Der jüdische Student und die deutsche Studentenschaft“ in den Steinickesaal eingeladen. Das allgemein wichtige und das Dasein aller jüdischen Studierenden berührende Thema sollte, so denkt der Naive, Vertreter aller Richtungen innerhalb der jüdischen Studenten auf den Plan locken. Aber der Naive irrt. Es ist gewiß kein Mangel und dürfte noch nicht einmal nach außen ein fühlbarer Nachteil sein, daß innerhalb der jüdischen Studentenschaft verschiedene Parteien mit mehr oder weniger Erfolg sich bemühen, auf ihre Art und nach ihrer Auffassung die Situation zu meistern. Aber an Abenden wie dem gestrigen sollte es sich zeigen, daß das Verständnis für die Gleichheit der Lage aller jüdischen Studierenden lebt und daß es tatsächlich eine jüdische Studentenschaft gibt, nicht nur jüdische Studenten dieser und jüdische Studenten jener und jüdische Studenten einer dritten und vierten Richtung. Die einen fehlten ganz, die anderen waren kaum vertreten, die dritten hatten den Abend einberufen und die vierten waren Herren der jüdischen Gemeinde München, zum Teil Alt-Akademiker: das Ganze, ich wiederhole es, ein Ausspracheabend der jüdischen Studenten. Die den Abend, sei es aus Interesselosigkeit, sei es aus anderen Gründen boykottiert haben, sollen sich aber nur nicht einbilden, daß sie ihn dadurch zum Scheitern bringen konnten. Es ist tief bedauerlich, daß die inneren Gegensätze anscheinend weiter gehen wollen als die innere Gemeinschaft, aber von einem Teil der jüdischen Studenten ist die Notwendigkeit neben allem Trennenden immer das Verbindende zu bedenken doch erkannt und zum Ausdruck gebracht worden — ich meine nicht die, die der Gelegenheit einer Aussprache ausgewichen sind! Wenn die Einheitsfront der jüdischen Studierenden, von der an diesem Abend viel die Rede war, bisher nicht zustande gekommen ist, spricht die Wahrscheinlichkeit die Schuld daran freilich denjenigen zu, die Ausspracheabende meiden, nicht denjenigen, die sie einberufen. Der Abend wurde — übrigens trotz des Fehlens der vielen, die sich durch ihre Abwesenheit selbst kennzeichnen —■ vor einem recht zahlreich erschienenen Publikum durch ein Referat des Herrn Referendars Hans Wolf-Veith eingeleitet, der in eindringlicher und temperamentvoller Weise die Nur noch wenige Tage stehen uns zur Schekelaktion zur Verfügung. Diese Zeit nutze und wirb für den Schekel! Zionisten,kauft und verbreitet den Schekel!