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Das jüdische Echo · 1929-05-10 · 19 (10.5.1929) · p. Seite 292

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
19 (10.5.1929)
Date
1929-05-10
Page
Seite 292 (sequence 4)
Language
German
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292 Das Jüdische Echo i\r. 19 Welthilfskonferenz, des Joint Foreign Committee des Hilfs- und politischen Board of Deputies, des American Jewish Committee, des speziell für diesen Zweck geschaffenen Arbeiterfiirsorgeamtes einen Einfluß auf die Stellung gegenüber den Repatrianten nehmen können. Das Problem der Repatrianten hängt eng zusammen mit der Frage der Staatsbürgerschaft. Vor dem Kriege hatte in Rumänien z. B. ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung keine staatsbürgerlichen Rechte. Von diesem Zustand aus gesehen, erscheint es sehr begreiflich, daß diese Regierung, die den primitivsten Emanzipationsprozeß der Juden noch nicht mitgemacht hatte, etwas ängstlich demProblem der Flüchtlinge gegenüberstand. Auch heute noch ist die Staatsbürgerfrage von vielen zehntausenden Juden in Bessarabien ungeklärt, die entgegen den Friedensverträgen nicht festgestellt wurde. Immerhin konnten sich speziell in Polen doch viele Tausende von jüdischen Flüchtlingen einbiirgern, zum Teil weil sie nachweisen konnten, daß ihre Eltern oder sie selbst aus jetzt polnischen Gebieten stammten. Diese relativ wohlwollende Haltung änderte sich mit der Konsolidierung der Randstaaten und der Erstarkung der antisemitischen Bewegung. Wir haben diesen Einfluß in Deutschland sehen können, wo in den Jahren 20 bis 21 ein Konzentrationslager geschaffen wurde. Auch in den Randstaaten wurden ähnliche Maßnahmen verwandt. Überall erstarkte die antisemitische Bewegung, und in den Randstaaten, wo die Regierungen mit vielen wirtschaftlichen und innerpolitischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, bediente man sich nur zu gern des deutlich sichtbaren und weit übertriebenen Flüchtlingsproblems, um Maßnahmen zu rechtfertigen, die sich nur vom politischen Standpunkt aus als Ablenkungsmanöver rechtfertigen ließen. Die Haltung der Regierungen verschlechterte sich and führte zu Erlassen, die die völlige Evakuation der Flüchtlinge zu bestimmten Terminen forderte. Alle nach einem bestimmten, frühzeitig angesetzten Termin nach Polen Eingewanderten mußten Polen verlassen, wurden nach Danzig gebracht, und dort setzte sich die Tragödie der jüdischen Flüchtlinge fort. Die politische Stellung der Regierungen der Länder, die als Immigrationsländer in Betracht kamen, war ganz ähnlich. An erster Stelle hatte die amerikanische Gesetzgebung furchtbare Folgen. Während noch kurz nach dem Kriege bedeutende Einwanderungsmöglichkeiten für Juden nach Amerika bestanden, etwa im Jahre 1921 noch 125 000 Juden nach Amerika einwanderten von insgesamt 300 000, die in den Jahren nach dem Kriege überhaupt nach Amerika gelangten, wurde dann durch das Einwanderungsgesetz die Möglichkeit der Einwanderung von Session zu Session verschärft. Heute ist Amerika der jüdischen Immigration fast völlig verschlossen. Diese Entwicklung hat sich in den Jahren katastrophal ausgewirkt, in denen das Flüchtlingsproblem besonders akut war. Die Praxis der amerikanischen Einwanderungsbehörden war in vielen Fallen von unbegreiflicher Härte. Ich habe hier die Tragödie der Familientrennung im Sinn. Noch einiges über die Flüchtlinge selbst. Ihre soziale Schichtung war eine ganz verschiedenartige. Die etwa 600 000 Evakuierten repräsentierten die jüdischen Massen der westlichen Gouvernements Rußlands und Polens, man kann sagen, in ihrer Totalität. Diese Massen kamen dann später zurück teilweise zu ihren gänzlich zerstörten Städten. Es gab einige Städte, die vollkommen vom Erdboden verschwunden waren. Aber mit diesem Repatriantenstrom zusammen ging die Flucht aus Rußland, und zwar namentlich die Flucht der jüdisch-russischen Intelligenz. Der Einfluß dieser Intelligenz auf das westeuropäische Judentum ist ein großer geworden. Es flüchteten auch die Massen der Groß-Bourgeosie, zum Teil über Schweden und Konstantinopel. Sie finden heute diese Groß-Bourgeosie Rußlands zum kleinen Teil in Berlin, zum anderen in Paris. Heute, nachdem sich die Verhältnisse konsolidiert haben, fällt es schwer, sich vorzustellen, unter welchen Leiden und Schwierigkeiten sich die Repatrierung wie auch die Emigration und die Flucht aus Rußland vollzogen hat. Es gab damals so gut wie keinen Eisenbahnverkehr in Rußland, und verhältnismäßig kleine Strecken mußten in Fahrten von vier bis sechs Wochen bewältigt werden. Zudem fand die Flucht größtenteils im Winter während furchtbarer Kälte und Epidemien statt. Die Wohnungsverhältnisse waren derart, daß im Vergleich mit ihnen alles uns bekannte Wohnungselend gar nicht genannt werden kann. Dieser Weg, der einen Teil nach Palästina und einen Teil nach Westeuropa geführt hat, ist besät mit Toten. Viele aber von denen, die durchkamen, sind für ihr ganzes Leben körperlich und seelisch zerbrochen. Es hat auch Zeiten gegeben, wo solche Flüchtlinge wochenlang auf Schiffen gehalten werden mußten, weil die türkische Regierung die Landung in ihren Häfen nicht erlaubte. Dieses Massenproblem löste sich dann ganz allmählich dadurch, daß doch mehr als 300 000 Juden ihren Weg nach Überseee fanden, und daß ganz allmählich eine Einordnung der Repatrianten in die halbzerstörten Gebiete Polens, Litauens usw. erfolgte. Aber auch heute ist die Lösung des Problems noch nicht abgeschlossen. Im weiteren Sinne wird dieses Problem das Problem des jüdischen Wirtschaftsaufbaus für ein oder zwei Generationen darstellen. Noch gibt es einige hundert Emigranten, die seinerzeit durch die plötzliche Verkleinerung der Quoten für die Einwanderung nach Amerika gezwungen waren, in den Häfen zu warten, bis endlich an sie die Reihe kommen würde. Auf Grund des alten Visums, das sie 1923 erhalten haben, sind tatsächlich in den Jahren 1926 bis 1928 von einigen Tausend der größte Teil nach Amerika oder nach anderen Ländern ausgewandert. Für den Rest aber ist mit der Erleichterung der Einwanderung für Verwandte der in Amerika bereits Ansässigen das Schicksal wiederum völlig ungewiß geworden. Auf Wanderer MOTORWAGEN sind in Qualität und Leistung unerreicht. Verkauf durch: Job. Winklboler & Söbne München 50 Forstenrieder Straße 53 / Telephon 73844

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