Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 18 (3.5.1929)
- Date
- 1929-05-03
- Page
- Seite 285 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 Das Jüdische Echo 285 iimumit i in i | IHM Feuilleton | 1 III lll' ii I II II' Mose-Legenden aus dem Midrasch Der gute Hirte Als Mose die Schafe seines Schwiegervaters Jitro in Midian weidete, da geschah es eines Tages, daß ein junges Lamm sich von der Herde entfernte und in die Wüste lief. Mose eilte dem Tier nach, um es zur Herde zurückzuführen, da er fürchtete, es könnte sich in der Wüste verlaufen und dort vor Hunger und Durst umkommen oder von einem wilden Tiere zerrissen werden. Lange mußte Mose dem Lämmchen nachlaufen. Er erreichte es endlich, als es an einer Quelle stehen blieb und gierig trank. Als er das ermattete Tier trinken sah, da erfaßte ihn tiefes Mitleid mit dem armen Geschöpf. Er wartete zunächst ab, bis das Lämmchen seinen Durst stillte, dann nahm er es auf seine Arme und trug es in seinen Armen zur Herde zurück. Diese Tat fand großen Gefallen vor Gott, und er rief ihm zu: „Da du mit dem Tiere Mitleid hattest und ein guter Hirte bist, wirst du auch meinem Volke Israel ein treuer Hüter und Führer sein!“ Mose vor Pharao Pharaos Palast war von einer großen Mauer umgeben, die von vierhundert Pforten durchbrochen war. Vor einer jeden Pforte lagen Löwen, Tiger und Bären an der Kette und1 wehrten einem jeden Eindringling den Einlaß. Wenn angemeldete Besucher in den Palast kamen, so mußten die Zauberer des Königs die Tiere beruhigen. Wenn aber jemand, ohne die Erlaubnis dazu zu haben, in den Palast einzudringen versuchte, so wurde von den Tieren angefallen und zerrissen. Als Mose und Aaron zu Pharao kamen, um ihm den Befehl Gottes zu überbringen, die Kinder Is- Pessach Von einem nach Chile ausgewanderten Freunde unseres Blattes erhielten wir im vorigen Jahre eine Schilderung eines Pessachabends, die wohl auch jetzt noch unsere Leser interessieren dürfte. T e n u c c o (Chile), P e s s a c h 1928 Liebe Freunde! Ein halbes Jahr schon lebe ich hier am Ende der Welt, allein, umgeben rings von Urwäldern, Indianern und außerdem einem Gemisch sämtlicher Nationen der Welt — nur die Vertreter eines Volkes fehlten mir immer und immer wieder: die Juden! Und da ich in der Nähe einer „Großstadt“ lebe, beschloß ich am Nachmittag vorm Seder dorthin zu reiten und mich nach jüdisch klingenden Namen umzusehen! Und siehe da, ich fand nicht nur einen Namen, sondern auch den dazu gehörigen Juden, der mich sofort einlud, den Sederabend mit seiner Familie zu verbringen! Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich auch, daß in der Stadt etwa 60 Juden leben, allerdings ohne Gemeinde, daß bis vor zwei Monaten ein zionistischer Club der „Israelitas Sefaradim“ (sephardischer Juden) bestand, der mit der Ankunft eines hebräischen Lehrers aus Palästina in weiteren zwei Monaten wieder seine Arbeit aufnimmt! Nun der Sederabend selbst: Absolut anders ist das Bild hier als drüben, allein wenn man sich vorstellt, die Hagadah einen ganzen Abend lang, raels aus Ägypten ziehen zu lassen, da traten sie ohne Furcht an die Pforten. Die wilden Tiere fielen die beiden Männer jedoch nicht an; sie drängten sich zu ihnen und leckten ihnen die Füße. Vor den Gemächern des Pharao wurden zwei junge Löwen auf Mose und Aaron losgelassen. Da schwang Mose seinen Stab über ihnen und die Löwen wurden zahm wie junge Hunde. Als Pharao Mose und Aaron in seine Gemächer kommen sah, meinte er, die Diener hätten sie ohne Erlaubnis in den Palast gelassen und geriet in großen Zorn. Er fragte die Türhüter: Wie habt ihr es wagen können, diese Männer hierher zu lassen? Die Diener antworteten erschreckt: So wahr der König unser Herr lebt, wir sahen keine Leute eintreten und wissen nicht, wie sie herkamen. Doch Pharao glaubte ihren Worten nicht und ließ sie alle töten. Dann fragte er die beiden Männer: Was wollt ihr von mir haben? Sie antworteten: Der Gott der Hebräer schickt uns zu dir und läßt dir sagen: Laß mein Volk ziehen, daß es mir diene. Da antwortete Pharao: Ich kenne euren Gott nicht und habe noch nie von ihm gehört. Lasset mich in meinen Chronikbüchern nachsehen, ob sich sein Name dort findet. Der König ließ sich also das Buch geben, fand die Namen aller Götter der Ägypter und anderer Völker, aber den Namen des Ewigen fand er nicht darin. Und sein Herz verhärtet sich und er ließ Mose und Aaron gehen und befahl, den Kindern Israels noch härtre Arbeit aufzuerlegen als bisher. (Aus der im Verlag B. Heller, München, Plinganserstraße 64, erscheinenden Zeitschrift für die jüdische Jugend „Das Zelt“.) in Chile ohne Hut auf dem Kopf — spanisch zu lesen! Für mich hatte es allerdings den Vorteil, daß es mir leichter fiel, den Inhalt der Hagadah zu verstehen! Die Sederordnung im Gegensatz aber wird peinlichst genau eingehalten mit Bitterkraut, gebratenem Ei, Knochen, Grünzeug usw.! Auch wird das Lesen pünktlichst fortgesetzt, bis es heißt: „Hay tiempo para comer“, jetzt wird nach Belieben gespeist, steht in der deutschen Hagadah dafür! — und dies ausgiebig, auch Mazzenknödel gibt’s mit Fisch usw. — Interessant ist übrigens die Mazzah selbst, die nicht bei uns dünn ist und delikat aussieht, sondern die Mazzah hier ist ein Brot, das ohne Sauerteig gemacht, zusammenfällt. Ums Essen zu erleichtern, wird sie etwas in Wasser eingeweicht! Dieses ungesäuerte Brot wird von den Eingeborenen und Indianern das ganze Jahr gegessen, und ich glaube sicher, daß dies auch die Mazzah beim Auszug aus Ägypten war! Des zweiten Teiles der Hagadah nach dem Essen wurde nicht mehr gedacht und da es sowie so 1 Uhr geworden war, verabschiedete ich mich von diesen Menschen, die mich Fremden aufgenommen hatten, nur weil ich Jude bin! Und während mein Pferd durch die Nacht eilte ins einsame Land, dachte ich daran, wie Ihr wohl den Sederabend begangen habt, Ihr, Freunde in der Heimat!