Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- Romanbeilage des Jüdischen Echo
- Issue
- 5 (3.5.1929) Der letzte Waldjude
- Date
- 1929-05-03
- Page
- Seite 17 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Romanbeilage des „Jüdischen Echos' 17 Reb Itsche ohne Rock, den „Talliskoten“ verschoben, mit offenem Hemd und rieb mit einer Hand den behaarten Körper, schloß im Lernen oft die Augen und las mit feuriger Stimme, fast schreiend: „ ... to chasi... erhebe dich und sieh, in dem unteren Himmelsparadiese gibt es einen Ort, den kein Auge noch gesehen. Er ist ausgemalt mit den schönsten Farben. Tausend Paläste sind dort verborgen und keiner betritt sie, außer Moschiach, der stets im Himmelsparadiese weilt. Um das ganze Paradies stehen Streitwagen für die Frommen, und Moschiach herrscht über sie und über viele Armeen von Seelen der Frommen. Am Neumond, am Sabbat und am Feiertag betritt er alle Paläste und weilet in ihnen. In großer Weite gibt es dort einen noch verborgenen Ort, der ganz unbekannt ist; er heißt Eden, und niemand weiß, wie es dort aussieht. Moschiach durchwandelt den Ort Eden, bis sich vor ihm ein anderer auftut, der da heißt »Vogelnest4. An diesem Ort sind die Bilder aller fremden Völker gemalt, die gegen die Juden Böses sannen. Moschiach geht hin, hebt die Augen und ersiehet die Väter, so dort weilen seit der Zerstörung, er ersiehet Rachel, Tränen sind in ihren Augen und Gott selbst tröstet sie, aber sie läßt sich nicht trösten. Dann erhebt Moschiach seine Stimme und weint, und das ganze Himmelsparadies erzittert und alle Frommen weinen mit ihm. Er jammert und schreit, schlägt an die Himmelstüren, und der Himmel über dem Paradiesgarten mit den hundertfünfzigtausend Armeen erzittert, bis des Moschiach Ruf den Thron der Herrlichkeit erreicht. Dann winkt Gott dem Vogel, der auf der dritten Stufe des Thrones der Herrlichkeit steht, und der geht zu seinem Nest und setzt sich neben Moschiach. Vom Throne der Herrlichkeit ruft es dreimal, und Moschiach steigt empor und Gott schwört ihm zu, durch ihn auszurotten alle bösen Könige der Welt und für der Juden Leiden Rechenschaft zu fordern. Er spricht von all dem Guten, das er seinem Volke tun wird. Dann geht alles an seinen Ort zurück und Moschiach birgt sich wieder in seiner Behausung wie vorher ...“ Mordechai sah, wie Reb Itsches wächsernes Gesicht mit der großen, durchfurchten Stirn aufleuchtete, wenn er Moschiachs Namen nannte. Mit einem Male fühlte Sich Mordechai klein und nichtig, eine sündige Seele; er zitterte an allen Gliedern, als hätte man ihm Hände und Füße abgehackt, vergaß, warum er gekommen war, und hörte weiter zu mit Leib und Seele. „-Nach zwölf Monaten wird sich Moschiach im Himmelsparadiese zu erkennen geben, alle Frommen werden ihn krönen und mit Gewaffen umgürten, darauf heilige Gottesnamen eingeritzt sind. Ein furchtbarer Stern wird am Himmel erscheinen, purpurfarben. Er wird auch bei Tag leuchten und strahlen vor den Augen der ganzen Welt. Und eine Feuersäule wird sich erheben von Norden her bis in den Himmel und wird dem Stern gegenüberstehen durch vierzig Tage, und die ganze Welt wird in Furcht erbeben. Dann wird der Stern mit der Flamme Krieg führen vor aller Augen. Eine Stimme wird sich erheben unter Donner und Blitz, daß die Erde davon erbebet und viele Armeen und Heere daran sterben. Und am gleichen Tage wird in Rom eine Flamme auflodern, die wird viele Burgen, Paläste und Türme verzehren. Dann wird eine Stimme anprallen an die Zweige der Bäume des Gartens und laut rufen: ,Stehet auf, ihr Heiligen, stehet auf vor dem Moschiach! Gekommen ist die Zeit, da der Mann seine Frau zurücknimmt. Er will mit der Welt abrechnen für das Leid, das der Frau geschah, er will sie erheben und den Staub von ihr schütteln ...‘ Dann werden alle aufstehen und ihn wieder mit Gewaffen umgürten.. Abraham zur Rechten, Jizchak zur Linken Jakob vorne; und Moses, der treue Hirte, wird mit allen Frommen um ihn tanzen. Wenn er gerüstet ist, wird Moschiach wieder in das »Vogelnest4 gehen und dort sehen das Bild der Tempelzerstörung und aller Frommen, die damals umgekommen. Da wird er die zehn Kleider der Rache hervorholen und sie vierzig Tage lang verborgen halten. Dann wird es vom Throne der Herrlichkeit nach dem »Vogelnest4 und dem Moschiach rufen. Sie steigen empor, und Gott ersiehet den König Moschiach, in die Kleider der Rache gehüllt, in Gewaffen gerüstet, und er küßt ihn aufs Haupt. Da werden die dreihundertneunzig Himmel erbeben. Gott winket dann einem Himmel, der seit den sechs Tagen der Schöpfung verborgen gewesen. Und er nimmt aus dem Palast eine Krone, auf der heilige Gottesnamen eingegraben sind. Mit dieser Krone ist Gott gekrönt worden, als die Juden das Meer durchschritten, in ihr nahm er Rache an Pharao; die Krone setzt er dem Moschiach auf und küßte ihn wieder; da umringen ihn die heiligen Streitwagen und die Armeen des Paradieses. Von ihnen allen wird er gekrönt werden. Und er tritt in einen Palast und sieht