Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 18 (3.5.1929)
- Date
- 1929-05-03
- Page
- Seite 278 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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278 Das Jüdische Echo Nr. 18 begnügte, in welchem er dem Parlament versicherte, daß, wenn es das Abkommen mit Großbritannien ratifizierte, Transjordanien dann bald zum Range eines wirklich unabhängigen Staates aufsteigen würde. Die Thronrede des Emir, die von der Liebe der Bevölkerung zum angestammten Herrscherhaus redet, wirkt grotesk, wenn man weiß, welcher Unbeliebtheit sich der Emir erfreut und mit welchem Mißerfolg alle seine Versuche bisher geendet haben, mit guten Worten, mit Versprechungen oder Drohungen die Opposition seiner Untertanen, vor allem der großen Beduinenscheichs, zu besänftigen. Die Situation ist ähnlich wie in allen arabischen Staaten: Das Volk steht in Gegensatz zur Mandatsmacht und den von dieser protegierten Fürsten. Bisher führte das fast überall zum selben Ergebnis: Das Parlament, das die Wünsche des Landes zu vertreten suchte, wurde nach Hause geschickt und statt dessen ein mehr oder weniger verhüllt diktatorisches Regime geführt. Die Zeit wird lehren, ob auch in Transjordanien die Entwicklung in diesen Bahnen einlenken wird, oder ob vielleicht das Parlament durch seine eigenartige Zusammensetzung gefügig genug sein wird, zu beschließen, was England und der Emir verlangen. Vielleicht werden aus diesen Versuchen auch die palästinensischen Araber lernen, wie wenig ihren wirklichen Interessen mit einem Parlament gedient ist und daß die mechanische Übernahme demokratischer Formen aus Europa jedenfalls in Mandatsländern ihre bedenklichen Seiten hat. Die Tatsache, daß es im jüdischen Palästina Parteien gibt, daß die Ansichten häufig genug aufeinanderplatzen und die palästinensischen Delegierten des Kongresses den verschiedensten Kongreßfraktionen anzugehören pflegen, täuscht häufig über ein Faktum von großem Interesse und nicht geringer praktischer Bedeutung hinweg. Es zeigt sich nämlich, daß es bezüglich einer Reihe wichtiger Probleme des Zionismus und des Palästinaaufbaues eine geschlossene palästinensische Front gibt oder jedenfalls die abweichenden Meinungen ziemlich bedeutungslos sind. In allen diesen Fällen wirkt der Einfluß Palästinas: die Probleme sind näher, werden unmittelbarer empfunden, Schreibtischkonstruktionen lassen sich nicht aufrechterhalten, auf der anderen Seite beengt die zu große Nähe vielfach den Gesichtskreis und die Probleme, die außerhalb Palästinas ihren Schwerpunkt haben, werden in ihrer Bedeutung leicht unterschätzt. Diese Einheitlichkeit der Meinung läßt sich zunächst auf dem Gebiete der zionistischen Außenpolitik beobachten. Man empfindet in Palästina täglich und stündlich auf allen Zweigen unseres weiten Arbeitsgebietes, daß die Palästinaregierung eine Politik treibt, die schlechterdings mit dem Mandat und der Balfour-Erklärung nicht zu vereinigen ist. Was in Europa vielfach als die Ansicht der extremen Oppositionsgruppen erscheint, ist in Palästina selbstverständliche gemeinsame Überzeugung aller Gruppen. Man verfolge etwa im „Hator“, dem in Jerusalem ersheinenden Zentralorgan des Weltverbandes Misrachi, die Aufsätze und Bemerkungen zur Außenpolitik; man ziehe den „Kuntres“ heran, das Organ der Acbduth Haawodah, der palästinensischen sozialdemokratischen Poale Zion, und wird dort dieselbe scharfe Ablehnung der Haltung der Palästinaregierung in allen wesentlichen Fragen finden. Von den Tageszeitungen gilt vom „Dawar“, was wir vom „Kuntres“ sagten und über den „Doar Hajom“, das revisionistische Organ, braucht in diesem Zusammenhänge gewiß nicht gesprochen zu werden. Aber auch diejenigen Blätter, die wie der „Haaretz“ und der „HapoelHazair“zurVorsicht und zu zurückhaltender Formulierung neigen, die es versuchen, auch die Schuld der Juden, wo sie vorhanden ist, nicht zu verschweigen, wird man im Grunde dieselbe Einstellung finden. Und man wird nicht leugnen dürfen, daß schließlich über die Politik der Palästinaregierung der Jischuw am besten urteilen kann und daß deshalb die Tatsache der Übereinstimmung aller Parteien in der Verurteilung -der Politik der Palästinaregierung ein entscheidendes Moment für die Beurteilung dieser Politik ist. Ist in dieser Frage der Standpunkt des Jischuw oppositionell — im Sinne des Kongreßzionismus gesprochen — so ist das Gegenteil in der Frage der Jewish Agency zu bemerken. Fast die ganze öffentliche Meinung Palästinas, fast alle Parteien und Gruppen und ihre Organe sind für die Erweiterung der Agency und waren es in den ganzen Jahren. Freilich gab es in Palästina wohl niemals bedingungslose Anhänger der Erweiterung: niemand wollte die nationalen Grundlagen des Aufbaues gefährden. Nachdem aber die Entwicklung des letzten halben Jahres dahin geführt hat, daß eine Gefährdung dieser Prinzipien nicht mehr in Frage steht, ist die positive Stellung zur Agency vorherrschend. Dazu führen zwei Momente. Der Jischuw empfindet, daß Stagnation und Stillstand den Tod unseres Werkes bedeuten, daß jedes Jahr, das ungenützt verstreicht, uns die Erreichung des Zieles erschwert, daß eine jährliche Einwanderung von 20 000 das Minimum ist, um dem Ziel der Majorität näher zu kommen und daß das leidige Finanzproblem nur durch Heranziehung neuer Kräfte gelöst werden kann. Dazu kommt das zweite Moment: Der Jischuw vertraut heute mit gutem Rechte seiner eigenen inneren Stärke und weiß, daß eine Administrationim Sinne der des Barons Rothschild, daß ein Sprachenkampf wie der mit dem Hilfsverein heute nicht mehr in Betracht kommen könne. Schwierigkeiten und Kämpfe mögen nicht ausbleiben, aber der Jischuw ist von ihrem günstigen Ausgange für unsere Sache überzeugt. Gemeinsam ist auch dem ganzen Jischuw eine nicht zu leugnende Entfremdung gegenüber der Zionistischen Organisation, ihren Bedürfnissen und Notwendigkeiten, ihrer Entwicklung und Neubele- Nur noch wenige Tage stehen uns zur Schekelaktion zur Verfügung. Diese Zeit nutze und wirb für den Schekel! Zionisten, kauft und verbreitet den Schekel!