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Das jüdische Echo · 1929-04-26 · 17 (26.4.1929) · p. Seite 268

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
17 (26.4.1929)
Date
1929-04-26
Page
Seite 268 (sequence 21)
Language
German
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268 Das Jüdische Echo Nr. 17 kommt eine Frau! Weil die Samaritaner auf die Erhaltung der Reinheit ihrer Rasse sehr achten und anderseits die Ehe mit mehreren Gatten verboten ist, wird es nicht verwundern, daß die meisten Männer schon über 30 Jahre alt sind, bevor sie — nach dem Tode eines ihrer Stammesgenossen — eine Witwe heiraten können. Am Brunnen Jakobs vorbei setzten wir unseren Marsch zum Berg Gerisim fort. Tausende Fremde sind dort schon versammelt. Steinblöcke hat man zu Sitzgelegenheiten zusammengetragen. Hier liegen sieben Lämmer gebunden, zum Opfer vorbereitet; dort stellt man Brote (Mazzot) her, indem man den Teig in platten Körben, die auf dem Kopfe getragen werden, der Sonne zum Backen aussetzt — genau so wie es nach der Schilderung der Hagadah die Juden beim Auszuge nach Ägypten taten. Noch kann man. bei den Samaritanern, die nur arabisch sprechen, einige Andenken einkaufen oder ein Nachtlager mieten, denn noch ist’s Werktag. Sobald aber die Sonne unter den Horizont taucht, beginnt auch schon das Pessachfest. Der Hohepriester und ein Kantor begeben sich zum steinernen Altar. Die Männer tragen weiße Kittel, mit Goldstickereien verbrämt.' Stehend, kniend und auf der Erde sitzend beginnt man zu beten, zuerst leise, dann immer lauter und lauter. Manchmal erhebt sich das Gebet wie ein Freudenschrei, manchmal wieder erschrecken uns schrille, tierisch hervorgestoßene Töne der inbrünstig Betenden. Lärm und monotones Gemurmel wechseln ab. Dann schächtet man die Tiere, während samaritanische Texte zu arabischen Melodien gesungen werden. Jetzt wird siedendes Wasser gebracht, man übergießt die Lämmer damit, schabt mit Messern die Wolle ab, steckt das Fleisch an die Bratspieße und bringt sie in die Glutbecken, welche in holzgefüllten Erdlöchern vorbereitet worden waren. Betend dreht man den Swieß und läßt so das Fleisch bis Mitternacht rösten. Nun versammeln sich alle, sich in Gruppen auf die Matten niederlassend, und beginnen die Lämmer zu verzehren, nachdem sie von den Ältesten auf Kupferpfannen gelegt worden waren und sich jeder mit seinen Händen davon Stücke losgerissen hat. Weder Gabeln noch Messer werden verwendet. Nachdem Haut, Knochen und Eingeweide dem gerechten Gotte geopfert worden sind, erlöschen die Feuer und man sucht die Ruhestätten auf. Erst nach acht Tagen kehren die Samaritaner nach Sichern zurück. Die Fremden aber brechen wieder auf, sobald die Sonne am Firmament aufsteigt. Sie ziehen in unzähligen Gruppen in das Tal, welches in frischem Grün prangt, von Millionen Blu- Ueberkinger Sprudel Süddeutschlands führendes Tafelwasser Generaldepot Eduard Kühles, München RASPSTRASSE 6 TELEPHON 92200 men bunt durchwirkt, frische Düfte ausatmend. Der Himmel ist, wie von einem ungeheuren Opferfeuer, blutrot gefärbt, und die große Sonnenscheibe ergießt Strahlen von reinstem Gold ins All. * * * Wir befinden uns auf geheiligter Erde und werfen noch einen letzten Blick um uns. Überall, wohin wir auch schauen, ziehen in unserem Geiste Erinnerungen an eine glorreiche Vergangenheit des Judenvolkes vorüber: hier, auf dem Berge Gerisim, dem „Berg des Segens“, machte Vespasian 11 000 Samaritaner nieder, weil sie ihrem Glauben nicht abschwören wollten. Später zerstörten die Römer ihren Tempel, von dem nichts als ein Trümmerhaufen übrig blieb. Der große Fels dort drüben scheint der Sockel des Opferaltars jenes Tempels gewesen zu sein; den Samaritanern ist er heilig, und sie nähern sich ihm nicht, ohne vorher die Schuhe abgelegt zu haben. Jene Festungsruine mit den vier Türmen ist einer der letzten Zeugen römischer Macht in diesem Lande. In der Ferne sehen wir einen anderen Felsblock, auf welchem Abraham seinen‘Sohn I s a k opfern wollte. Ein dritter Stein soll nach der Ansicht der Samaritaner Noahs Altar gewesen sein. Zu unseren Füßen ein mächtiger Fels in Form eines Predigerstuhles: es ist wahrscheinlich, daß von ihm aus J o s u a, zum letzten Male vor seinem Tode, zu seiner Gemeinde sprach. Tief unten liegt Nablus, eingebettet in herrliche Gärten. Abraham lebte mit seinen Kindern dort; dann ward diese Stadt Abimelechs Residenz, die er aber, als er sie verlassen mußte, zerstörte. Später wurde sie wieder aufgebaut. Das ist auch der Ort, wo das Volk Rehobeam zujubelte, dem Sohne Salomons, und wo ihn1 später die zehn Stämme verleugneten. Schließlich wurde die Herrschaft Jerobeams, ihres nächsten Königs, zum Verhängnis für diese so schicksalsreiche Stadt... In weiter Ferne, östlich vom Brunnen Jakobs, erhebt sich ein neues Gebäude: es schließt Josephs Grab in sich. Auf der anderen Seite von Nablus erhebt sich der „Berg der Verwünschung“, Berg Eival, \ "L Der neue AUSTRO-DAIMLER 6Cylinder,'12/70PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold K o m m. - G e s. Fernruf 51355 MÜNCHEN Sonnenstr 19

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