Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 17 (26.4.1929)
- Date
- 1929-04-26
- Page
- Seite 266 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9103083-9164477--09393-9082301- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
266 Das Jüdische Echo / Literarische Beilage Nr. 17 Kraft aus den Büchern schöpfen, in welchen die russischen Juden den Mut gehabt haben, die Schande ihrer Zeit genau und unverhüllt darzustellen. Muß man nicht mit einem tiefen Abscheu kämpfen, wenn man sich all der Ereignisse der jüdischen Geschichte in Rußland eriimert? Wie groß muß erst der Widerstand dieser Schriftsteller sein, welche der Rasse und dem Herzen nach Juden sind, welche als Menschen des 20. Jahrhunderts fühlen und gezwungen wurden, unter solchen mittelalterlichen Bedingungen zu leben! Wenn er Babel liest, kann sowohl der christliche als auch der jüdische Leser sich sagen: „Schande über ein Land, in welchem es Pogrome gab, mehr noch, wo sie gedultet wurden wie Schnee und Regen. Schande nicht nur über die Mörder und ihre Anstifter, sondern auch über die, welche im Verborgenen von nichts anderem als von der Vernichtung der Juden träumen.“ Die fremdartigen Gemälde von Marc Chagall dringen immer siegreicher vor. Die Novellen von Babel, deren Helden einige Verwandtschaft mit denen des Malers haben, sollten sich einen Weg in die Herzen der Juden aller Länder bahnen. (Aus dem Lranzösischen übersetzt von K. B.) Bücher und Zeitschriften Manfred Sturmann: Der Gaukler und das Liebespaar. Zwei Geschichten, Hören- Verlag, Berlin. Der Spruch Laotses: „Nach gewirktem Werke leise von dannen gehen: Das ist der Wunsch des Weisen“, den Sturmann der einen seiner beiden Geschichten vorausgeschickt hat, der Geschichte eines alten einsamen Mannes, der noch einmal seine Seele in einem Liebeserleben verströmen möchte und in den Tod geht, weil ihm der Widerhall fehlt, der Geschichte vom „Selbstmord in Dur“ — dieser Spruch Laotses bezeichnet auch das Wesen dieser Dichtungen, die feinfühlig sind und warmherzig, etwas skeptisch und abgeklärt, zu abgeklärt vielleicht für den jungen Autor, aber im Grunde doch optimistisch und lebensbejahend. Optimistisch und lebensbejahend auch die Erzählung von der erbarmungslosen Zerstörung eines jungen Liebesglückes durch einen Hypnotiseur — lebensbejahend, weil das Starke sich von dem Schwachen, das selbständige Mädchen von dem haltlosen Mann, dem „Waschlappen“ sich löst und so doch die Kraft des Lebens, die Vitalität triumphiert, wenn auch das Geschick des romantischen Jungen, der sein Leben nicht meistern kann, erschüttert und ergreift. Sturmann hat mit diesem schmalen Bande ein Versprechen gegeben und wenn er erst seinen Stil ganz gefunden und sich von einer manchmal etwas manirierten Ausdrucksweise frei gemacht haben wird, darf man auch von seinem epischen Schaffen noch Gutes und Schönes, vielleicht sogar Großes erwarten — wie von seiner Lyrik, deren letzte Lrucht, die Gedichtsammlung „Die Erben“, ja nun hoffentlich auch bald in Druckform (im gleichen Verlag) vorliegen wird. I. E. Arnold Zweig: Herkunft und Zukunft. Phaidon Verlag, Wien. In dem so betitelten kürzlich erschienenen Buch sind zwei bereits früher veröffentlichte Essays: „Das ostjüdische Antlitz“ (erschienen 1919) und „Das neue Kanaan“ (erschienen 1924) vereinigt. Der Autor hält auch unsere Zeit für geeignet, um mit ihnen erneut vor die Öffentlichkeit zu treten. trotz ganz unwesentlicher Änderungen, die im Inhalt der Essays vorgenommen wurden. Aus dem Zusammentreffen des deutschen Juden mit dem östlichen während des Weltkrieges entstand als Niederschlag der an das Wesen des Ostjuden und des Ostjudentums geknüpften Betrachtungen das „Ostjüdische Antlitz“. Begeisterung, brüderliches Fühlen, Hochachtung für die tragische Größe, Verständnis für die Schwächen und Kleinheiten, die aus der tiefen Not heraus entstanden sind, kennzeichnen diese Studie. Im „Neuen Kanaan“ gibt der Autor eine Art zionistisches Bekenntnis ab. Die Ideen, die er an das Problem der Wiedererweckung des Judentums auf seiner eigenen Scholle anknüpft — „II ■faut mediterraniser le judaisme“ — wie er in einer Variation eines Nietzsche’schen Wortes sagt — machen den Inhalt des zweiten Essays aus. -e. Die „Jüdische Welt“, Zentralorgan des Verbandes ostjüdischer Organisationen in Deutschland, ist das einzige ostjüdische Blatt, welches in Deutschland erscheint. Die Zeitschrift und mit ihr der Verband erstreben ihre Mitglieder bzw. Leser auf sozialem, rechtlichem und kulturellem Gebiet zu unterstützen. Sie berichtet über alle jüdischen Angelegenheiten, über wichtige Ereignisse und nimmt Stellung zu allen Geschehnissen, die die Ostjudenheit angehen. Eine literarische Beilage (mit der Mainummer erscheint auch regelmäßig eine Beilage in jiddischer Sprache) berichtet den Lesern über jüdische Literatur und wichtige Neuerscheinungen. Ferner vermittelt der Verlag bzw. der Verband allen Mitgliedern Vergünstigungen auf Bücher. Für alle dem Verbände angeschlossenen Vereine ist es von besonderer Wichtigkeit, daß regelmäßig über deren Tätigkeit im Verbandsorgan berichtet wird. Dadurch ist jedes Mitglied und jeder Ostjude in der Lage, die Arbeitspläne zu verfolgen und an den Arbeiten teilzunehmen. Die „Jüdische Welt“ erscheint vorläufig monatlich. Probenummern versendet der Verlag „Jüdische Welt“, Hamburg, gratis. Jeder Ostjude sollte dieses Blatt lesen. DIE BAYERISCHE LANDESFILMBÜHNE zeigt am Sonntag, dem 28. April 1929 vormittags 11 Uhr FRUEHIING IN PALAESTINA Ein Film vom Aufbau der jüdischen Heimstätte RATHAUS-LICHTSPIELE