Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 17 (26.4.1929)
- Date
- 1929-04-26
- Page
- Seite 261 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 261 Das Jüdische Echo kapituliert worden. Moritz Scharf hat, als er, vom Druck befreit, wieder offen und frei sprechen durfte, nicht nur sein angebliches Geständnis widerrufen, sondern auch genau erzählt, auf welche Weise ihm die Aussagen eingetrichtert wurden. Die dem fünfjährigen Samuel Scharf angedichtete Erzählung hat niemals stattgefunden. Auch die Leiche des verschwundenen Christenmädchens wurde aus einem Teich gezogen und lieferte den untrüglichen Beweis der Lügenhaftigkeit der ganzen Anklage. Aber es war keine leichte Aufgabe, dieses immer mehr bewußt komplizierte Lügengewebe allen sichtbar und jedem verständlich zu zerreißen und die Intriguen einer großen antisemitischen Interessengemeinschaft hineinzuleuchten. Das konnte nur zwei so großen juristischen Meistern wie Karl Eötvös und Dr. N. Friedmann gelingen, die in zäher Arbeit und unter buchstäblicher Lebensgefahr ihre Aufgabe erfüllten. Besonders Karl Eötvös, der Protestant, hatte sehr viel wegen der Übernahme der Verteidigung moralisch und wirtschaftlich zu leiden. Lange noch, nachdem der Prozeß beendet, alle an der Verdunklung der Tatsachen Beteiligten entlarvt waren, war Karl Eötvös, der auch als Politiker und Publizist einen angesehenen Namen hatte, Gegenstand der Verleumdungen und Verfolgungen seiner Gegner. Es wurden ihm Bestechungen durch . das Judentum, Verschwörung gegen die christliche Lehre und alle möglichen und unmöglichen Dinge angedichtet. In Wahrheit ist Karl Eötvös' unbegütert gestorben und selbst seinem mehrbändigen Werk, das er viele Jahre nach dem Prozeß unter dem Titel „Der große Prozeß“ herausgegeben hat, war kein nennenswerter Erfolg beschieden. Moritz Scharf ist nach völliger Liquidierung der Affäre Tisza-Eszlar nach Amsterdam ausgewandert, wo er sich als Diamantenschleifer fortzubringen versuchte. Ein ganz unbedeutender, untalentierter Mensch, auch körperlich nicht ganz gesund, lebte er unbeachtet, vergessen und zumeist in Not 'und Kümmernis das Leben eines jüdischen Arbeiters. Er sprach nicht gerne über diese traurige Episode seines Lebens. Er schämte sich ihrer und litt viele, viele Jahre darunter. Das war wohl auch der Grund, weshalb er selbst in der größten Not nirgends anklopfte, um unter Berufung auf seine als unerfahrenes Kind erlittene moralische Vergewaltigung Hilfe zu erlangen. Er war froh, daß nicht andere ihn an jene furchtbare Zeit erinnerten, die infolge seines Mangels an Widerstandskraft und weil er sich an seinem Vater versündigte, fast das gesamte Judentum ins Verderben getrieben hätte. So kam es, daß es nur sehr wenige Menschen gab, die überhaupt wußten, daß Moritz Scharf noch am Leben sei. Vor etwa einem Jahr hat ein Budapester jüdisches Blatt aus Anlaß der 45. Jahreswende der unglückseligen Affäre sogenannte Memoiren des Moritz Scharf veröffentlicht. Inhaltlich waren die Erinnerungen ganz unwesentlich. Sie brachten nichts, was nicht schon im Verlaufe des Prozesses bereits zutage gefördert worden wäre. Nur ein tiefes Gefühl der unstillbaren Reue und der Scham über sein eigenes seelisches Unglück zieht sich durch jene Erinnerungen und machen den nunmehr Verstorbenen sympathischer. Fast auf den Tag 46 Jahre, nachdem Esther Solymossy verschwunden war, und wenige Wochen vor dem Tag, an welchem Moritz Scharf das verhängnisvolle „Geständnis“ förmlich in den Mund gepreßt wurde, ist Moritz Scharf, der letzte der Hauptakteure der Tragödie von Tisza-Eszlar, arm, an Leib und Seele gebrochen, gestorben. J. K. „Die neue Welt“, Wien. Große Einstein-Feier in Neuyork Neuyork, 17. April. (JTA.) Der Jüdische Nationalfonds in Amerika hielt am Dienstag, dem 16. April, abends, im Metropolitan-Opernhause zu Neuyork eine Albert-Einstein-Feier aus Anlaß des 50. Geburtstages des großen Gelehrten ab, die sich zu einem Ereignis von internationaler Bedeutung gestaltete. Von Führern der Wissenschaft in der ganzen Welt liefen Botschaften mit Huldigungen für Professor Einstein ein. Großen Eindruck m ganz Amerika machte die Doppel-Ehrung, die der Präsident der Vereinigten Staaten, Herbert Hoover, Professor Einstein zugedacht hat. Präsident Hoover sandte dem Jüdischen Nationalfonds das folgende Telegramm, das bei der Feier im Metropolitan-Opernhause zur Verlesung gelangte: „Einstein nimmt einen hohen Rang unter den bedeutendsten Wissenschaftlern aller Zeiten ein, die die Menschheit durch ihre überaus wertvollen Beiträge zu Wissen und Fortschritt bereichert haben.“ Auch in der Botschaft, die Präsident Hoover dem zu einer außerordentlichen Session zusammengetretenen Kongreß übersandte, kam er auf die Professor Einstein in Amerika zugedachte Ehrung zu sprechen und führte aus: „Jede wichtige wissenschaftliche Errungenschaft ist ein Schritt vorwärts zu besserem Verstehen und gutem Willen. Es ist sehr angebracht, daß hervorragende Erzieher und andere gemeinnützige Amerikaner Prof. Einstein diesen Tribut zahlen.“ (Es ist ein bisher noch nicht vorgekommener Fall, daß ein Präsident der Vereinigten Staaten in einer hochoffiziellen, für den Kongreß bestimmten Kundgebung einen ausländischen Gelehrten ehrt.) Unter den Huldigungstelegrammen berühmter Gelehrter aus verschiedenen Ländern fand das folgende Telegramm des greisen britischen Gelehrten und Staatsmanns Balfour, Urhebers der Nationalheim-Deklaration, große Beachtung. „Ich beglückwünsche die Organisatoren der Einstein-Feier zu dieser Ehrung des großen Denkers, der die wissenschaftlichen Begriffe über das Universum so tief und einschneidend umgestaltet hat, daß sein Name durch die Zeitalter hindurch in Erinnerung bleiben wird als der Name eines der größten, die die reine Erkenntnis um ihrer selbst willen gesucht und gefunden haben. Gez. Balfour.“ Gesundheit u.Lebensfreude durch Adelholzener Primusquelle Stärkste Rubidiumquelle in Europa. Heilwasser von auffallender Wirkung bei Stoffwechsel-Störungen, bei Nieren-, Leber- und Blasenleiden, Grieb- und Steinbildung, bei den verschiedenen Frauenkrankheiten, bei Gicht und Arterienverkalkung. Lieferung durch alle Drogerien und Apotheken. 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