Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 16 (19.4.1929)
- Date
- 1929-04-19
- Page
- Seite 251 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103083-9164470--09373-9082281- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 16 Das Jüdische Echo 251 der Zionistischen Exekutive über eine Million Pfund für Erziehungszwecke in Palästina verausgabt. Hiervon kamen auf orthodoxe Erziehungsinstitutionen 332 000 Pfund. Der Anteil, den die Zionistische Exekutive aus Keren-Hajessod-Mitteln für das Erziehungsbudget verausgabte, beläuft sich auf über 800 000 Pfund, von denen 240 000 Pfund für orthodoxe Institutionen verwandt wurden. (Ziko.) Die März-Einnahmen des Keren Hajessod Das Hauptbüro des Keren Hajessod hat im März eine Einnahme von 44 700 Pfund zu verzeichnen. Dies ist die größte Monatseinnahme, die seit Mai 1928 erreicht worden ist. Dadurch erfährt die günstige Entwicklung der Keren-Hajessod-Einnahmen in den letzten Monaten eine weitere Verstärkung. Die Vereinigten Staaten haben zu dem Resultat 15 280 Pfund beigetragen, England 5 497 Pfund, Kanada 5 370 Pfund, Südafrika 4100 Pfund, Deutschland 3 608 Pfund, Holland 3 023 Pfund, die übrigen Länder 7 822 Pfund. An größeren Einzelbeträgen sind in diesen Summen der Beitrag von 5 000 Pfund, den Lord Melchett gegeben hat, und der Beitrag von 25 000 Dollar von Mr. Archibald Freeman in Ottawa enthalten. Das Hauptbüro des Keren Hajessod hat gleichzeitig von allen Keren-Hajessod-Komitees die größte Anstrengung verlangt, damit auch im April im speziellen Hinblick auf Pessach die Einnahmen nicht zurückgehen. (Ziko.) Jerusalem, 3. April. (JTA.) Mr. Grigori Benenson in Neuyork, der bekannte Zionist, hat seiner Bank Auftrag erteilt, dem Keren Hajessod bis auf Widerruf einen jährlichen Betrag von Dollar 24 000 regelmäßig zuzuführen. — Mr. A. Freeman, der Präsident der Zionistischen Organisation in Kanada, hat anläßlich seiner Silbernen Hochzeit 25 000 Dollar für den Keren Hajessod gespendet. 1 11 III lllll 11 I 11 Feuilleton HIN 1 lllllll 1 III il Hls die Portugiesen den Juden Hngola anboten Von Staatsrat Josef T e i t e 1, Berlin Aus dem soeben im Verlag J. Kauffmann, Frankfurt a. M., erschienenen Buch: „Aus meiner Lebensarbeit. Erinnerungen eines jüdischen Richters im alten Rußland.“ Preis RM. 4.50. Einen heiteren Gerechten, so nennt Maxim Gorki in seinem Geleitwort den Verfasser des Buches, der uns in seinen Lebenserinnerungen einen Einblick gibt in die soziale Lage der Juden im zaristischen Rußland. Teitel hat als dessen einziger jüdischer Richter seinen Einfluß und seine Stellung dazu benutzt, um im kleinen wie im großen seinen jüdischen Brüdern zu helfen. Von seinen Mühen und Erfolgen in dieser Arbeit, die ihn in ganz Europa herumführte, gibt uns das Buch einen Begriff; darüber hinaus von dem geistigen Leben der Juden in der ganzen Welt, das sich in den vielen Unterhaltungen Teitels mit den hervorragendsten Kulturträgern Rußlands und der jüdischen Welt spiegelt. Weizmann, Gorki, Lenin, Zangwill, Hermann Cohen, Achad Haam, Perez, Jabotinski, Rothschild sind die bekanntesten unter ihnen. Teitel, der jetzt als Emigrant in Berlin lebt, ist der Gründer und Vorsitzende des Verbandes der russischen Juden, dessen Wirken Tausende von russischen Emigranten vor dem Schlimmsten bewahrte. Wahre Menschenfreundlichkeit ist der Grundzug dieses Mannes, eine Menschenfreundlichkeit, die nach immer neuer Betätigung verlangt und aus jeder Zeile des ausgezeichneten Buches spürbar ist. J. C. * * * Unter anderem schildert Teitel seine Reise nach Lissabon, welche er im Jahre 1912 unternahm, um mit der portugiesischen Regierung wegen Übergabe der in Portugiesisch-Afrika gelegenen Provinz Angola an die Juden zu unterhandeln. Der aus der Zionistischen Organisation ausgetretenen und unter der Führung des englisch-jüdischen Dichters und Politikers Zangwill stehenden Gesellschaft der jüdischen Territorialisten (ITO) war seitens der portugiesischen Regierung durch Vermittlung eines in Lissabon lebenden russischen Juden Terlo das Anerbieten gemacht worden, Angola mit Juden zu besiedeln. Zangwills Aufmerksamkeit wurde auf Teitel gelenkt, und er bat ihn, namens der Gesellschaft nach Lissabon zu fahren und die Verhandlungen aufzunehmen. Teitel schildert nun den Verlauf seiner Reise, auf welcher ihn seine Frau begleitete: „Für die Reise nach Lissabon und einen zwei- bis dreitägigen Aufenthalt dort stellte mir das Komitee vierhundert Rubel zur Verfügung. Seiner Meinung nach bestand meine Aufgabe nur darin, mich zu überzeugen, ob Terlo wirklich im Besitze des Angebotes der portugiesischen Regierung sei, und wie es um diesen Terlo selbst stehe. Ende April 1912 verließen wir Kiew. Die Mitglieder der ITO gaben uns das Geleit und den Segen zu unserer Reise. Nach einer ermüdenden Reise mit der spanischen, ziemlich langweiligen und schmutzigen Eisenbahn kamen wir endlich in Lissabon an. Terlo, dem unsere Ankunft angekündigt worden war, erwartete uns am Bahnhof mit Zylinder und Handschuhen und auch sonst in full dreß. Terlo erwies sich als ein äußerst beweglicher, energischer Mensch; die Rolle eines Vermittlers zwischen dem jüdischen Volk und der portugiesischen Regierung schmeichelte nicht nur seinem Ehrgeiz, sondern begeisterte ihn, und er wünschte nichts sehnlicher herbei, als die Übersiedlung aller Juden nach Portugal. Wie wir später erfuhren, war er in ganz Portugal der einzige Jude aus Rußland, und darum hatte sich auch die portugiesische Regierung mit ihrem Vorschlag zuersj an ihn gewandt. Er betrieb ein Weinexportgeschäft. An einer Wand seines Arbeitszimmers hing eine große Karte von Angola. Terlo hatte einen alten Militärarzt, der fast zwanzig Jahre in Angola zugebracht hatte, gleichfalls eingeladen, und dieser führte uns nun eingehend in die ethnographische und geographische Beschaffenheit von Angola ein, das fast den ganzen südwestlichen Teil von Afrika einnimmt. Dieser Arzt war ein großer Liebhaber von Angola und glühender portugiesischer Patriot, und so trat er eifrig für die Übersiedlung