Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 16 (19.4.1929)
- Date
- 1929-04-19
- Page
- Seite 247 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Das Jüdische Echo 247 ist noch nicht so weit, daß es alle, die Siedler werden möchten, aufnehmen könnte.“ Hier schien Mussolini von seinen eigenen Gedanken über das Thema entführt worden zu sein. Sein gespannter Ausdruck löste sich. Der Mann der Tat träumte vielleicht von einem Palästina, das auf seine Erbauer wartete und nur noch nicht so weit war, sie aufzunehmen. Möglich ist auch, daß der Schöpfer des neuen Italien über die jüdische Armut an Menschen und Finanzen, wenn es um ihre eigenen jüdischen Dinge ging, nachdachte. Für einen Augenblick schien es, als ob er meine Gegenwart vergessen hätte. Bald aber gewann der Diplomat, der höfliche, selbstbeherrschte Staatsmann, die Herrschaft über den Träumer zurück. „Ja, es ist eine große Aufgabe, amerikanischer Energie wert. Die mächtige amerikanische Judenheit kann vielleicht mehr tun als jede andere, um dem Palästinaprojekt vorwärts zu helfen. Finden Sie zwischen den amerikanischen und italienischen Juden irgendwelche Ähnlichkeit? Allerdings sind die amerikanischen Juden sehr junge Amerikaner und sehr alte Juden. Was ich aber sagen wollte, ist, finden Sie, daß die italienischen Juden sich von den Juden in anderen Ländern unterscheiden? Merken Sie nicht, wie ich Sie interviewe? Ich war nämlich selbst einmal ein Zeitungsmann.“ R.-L.: „Wenn ich nicht wüßte, daß es nur 15 000 Juden in Rom gibt, so hätte ich fast gesagt, daß es mehrere hunderttausend sind. Der lateinische Typ in Italien ist dem semitischen außerordentlich ähnlich. Äußerlich sehen sie einander gleich und auch im Temperament ähneln sie einander. Ich weiß nicht, ob die Juden sich hier so sehr assimiliert haben, oder ob wir sie assimiliert haben.“ Und durch Mussolinis deutliche Freude an diesem Gedanken ermutigt, fuhr ich fort: „Es gibt eine Geschichte von amerikanisch-jüdischen Einwanderern aus Rußland, die sehr traurig darüber waren, daß ihr Sohn, obwohl er in Amerika geboren war, sich nicht von der jüdischen Aussprache befreien konnte. Man beschloß, ihn in den fernen Westen zu schicken, irgendwo auf das Land, damit er sich von seinem jüdischen Milieu befreie. Nach einem Jahr wagte man nachzuforschen. Der Vater stattete seinem Sohn einen Besuch ab. Bei seiner Rückkehr berichtete er der erwartungsvollen Mutter: Nun, bei Isaac ist alles in Ordnung. Er hat sich nicht viel verändert. Er spricht genau so wie früher, aber alle Cowboys sprechen jetzt mit einem ausgesprochenen jüdischen Akzent. — Und so oft ich in Rom bin, denke ich an diese Geschichte. Es herrscht zwar dort nicht der jüdische Akzent, aber ich fühle mich bei den Italienern vollkommen zu Hause.“ Mussolini lachte laut und ungezwungen. Er stand auf und gestikulierte in einer sehr semitischen, oder richtiger lateinischen Art und Weise. In seinem Benehmen war etwas so gänzlich Unkonventionelles, eine so freie Art, daß ich völlig für ihn eingenommen war und die Überzeugung gewann, daß die italienische Judenheit vom Faschismus und seinem Führer nichts zu fürchten hat. I. MÜNCHENER PLISSE-BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten.KostUmstlckereien Burgstraße 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 75 Führerlager des Kadimah Vom 29. März 1929 bis 1. April 1929 fand in Brieselang ein Führerlager des Kadimah statt. An der Tagung nahmen 125 Führer und Ältere des Bundes aus allen Teilen Deutschlands teil. Das Führerlager in Brieselang stellt den Beginn eines neuen Abschnittes in der Entwicklung des Kadimah dar. Die erste Brieselanger Tagung im Jahre 1927 hatte die Einheit und das gemeinsame Ziel des Bundes geschaffen. Das jüdische Ziel, wie es zuletzt auf dem Bundestag von Königsee formuliert worden ist, ist heute im Kadimah überall anerkannt. Die geistige Auseinandersetzung auf diesem Führerlager fand die jüdische Forderung bereits als gesicherten Besitz vor und konnte sich hier mit Ausführungsbestimmungen begnügen, die dem einheitlichen Willen nach Verwirklichung Rechnung tragen! Ein Minimalprogramm der jüdischen Bildung der Führer in hebräisch, jüdischer Geschichte, Gegenwarts- und Palästinakunde wurde festgelegt, und Institutionen für die Durchführung geschaffen. Das entscheidende Problem der Tagung war die Frage nach dem Weg, nach der Methode der Erziehung. Man war sich darüber einig, im Bunde ein einheitliches Erziehungssystem zu schaffen. In ernstem Meinungskampf standen sich hier zwei Richtungen gegenüber. Die eine verlangt den jüdischen Scoutbund. Sie glaubt das Ziel des Kadimah mit den Mitteln der Pfadfinderei durch Gesetz und Verpflichtung erreichen zu können, die von dem englischen Vorbild Anregung empfangen haben. Die andere Meinung forderte ein freieres Erziehungssystem und Methoden, die stärker dem eigenen und dem jüdischen Geist entwachsen seien. Auf Grund der zweitägigen Debatte im Plenum beschloß der Bundesrat, der Pfadfinderschaft die Möglichkeit einer Organisation innerhalb des Bundes zu geben mit Autonomie in der Frage des Gesetzes und der Verpflichtung. Der Name des Bundes Kadimah wurde geändert in: Kadimah, Bund jüdischer Jugend. Der Bundesrat wählte Hans Kaufmann zum Bundesleiter, der gemeinsam mit einem kleinen Kreis jüngerer Berliner Führer die Arbeit durchführen wird. In Arbeitsgemeinschaften beschäftigte sich das Führerlager mit folgenden Themen: Weltanschauungsfragen, Bibel, ideologische Grundlagen des Weltpfadfindertums, Berufsfragen, Körpererziehung und Biologie. Die Eröffnung der Palästina»*Russtellung in Tel-Äwiw Am Montag, dem 9. April, wurde in Tel-Awiw die Palestine und Near East-Ausstellung feierlich durch den High Commissioner eröffnet. An der Eröffnung nahmen neben dem High Commissioner und Lady Chancellor der Gouverneur des Distrikts, Mr. Campbell, der erste Sekretär des High Commissioners von Syrien, sowie die Leiter der verschiedenen Regierungs-Departements und eine Reihe von Konsuln teil. Als Vertreter jüdischer Institutionen waren die Herren Sacher, Leib Jaffe, S. Hoofien, Krause u. a. anwesend. Der Vorsitzende des Stadtrates von Tel-Awiw, Herr Dizengoff, begrüßte die Gäste im Namen der Stadt Tel-Awiw und der Ausstellungs-Kommission in einer längeren Aussprache, in welcher er über die Geschichte der Ausstellung berichtete, die mit dem zwanzigjährigen Jubiläum der Stadt