Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 16 (19.4.1929)
- Date
- 1929-04-19
- Page
- Seite 246 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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246 Das Jüdische Echo Nr. 16 glauben, daß die Zeit für eine solche Entwicklung gekommen ist. Während es vor 10 Jahren gefährlich und auf jeden Fall unerwünscht gewesen wäre, den Aufbau Palästinas einer gemischten Agency anzuvertrauen, ist es heute nicht nur eine sichere, sondern auch eine wünschenswerte Politik. Es sollte für Zionisten wie für Nichtzionisten vollkommen klar sein, daß ein Kompromiß in den Prinzipien des Zionismus in keiner Weise beabsichtigt ist. Wir halten unseren jüdischen Nationalismus, unseren politischen Zionismus, uneingeschränkt aufrecht. Wir halten es für unsere Pflicht und unser Recht, unsere Ideale zu propagieren und werden alles tun, was in unserer Macht steht, damit das ganze jüdische Volk unsere Prinzipien, den jüdischen Nationalismus und den politischen Zionismus, zu den seinen macht. Mussolini über den Zionismus Eine Unterredung mit dem italienischen Ministerpräsidenten Mussolini gewährte vor kurzem dem R. L.- Mitarbeiter amerikanisch-jüdischer Zeitungen eine Unterredung, die insbesondere die Juden in Italien und den Zionismus zum Gegenstand hatte. Wir geben den wesentlichen Inhalt, der uns vor allem deshalb bemerkenswert erscheint, weil er die häufig gehörte Meinung, als lehne das faschistische Regime den Zionismus als staatsfeindlich ab, klar widerlegt, nachstehend wieder. Die Redaktion. Steht man einmal Mussolini Auge in Auge gegenüber, so schwindet angesichts seiner gewinnenden Persönlichkeit jede Befangenheit und die herkömmliche Scheidung in Interviewer und Interviewten fällt ganz von selbst dahin. Italiens Diktator hört ebenso gerne zu1 wie er spricht. Unsere Unterhaltung nahm etwa folgenden Verlauf: Mussolini: „Ich habe Sie dahin verstanden, daß Sie mich für amerikanisch-jüdische Zeitungen interviewen wollen. Wollen Sie mir Fragen stellen oder wollen wir die Dinge nur so oberflächlich berühren?“ R.-L.: „Wenn man mit einem Diktator spricht, kann man nicht oberflächlich bleiben. Wenn Sie gestatten, so will ich Ihnen eine prinzipielle Frage stellen: Verlangt der Faschismus die absolute Assimilation der italienischen Juden?“ Mussolini: „Das kommt darauf an, was man unter dem Begriff Assimilation versteht. Wenn Sie ein Preisgeben der jüdischen Tradition meinen, eine Unterdrückung der religiösen oder rassenmäßigen Lebensphilosophie, so muß ich Ihnen ganz entschieden sagen: Nein! Der Faschismus fordert diese Art von Assimilation nicht und wird sie nie verlangen. Wenn Sie aber unter Assimilation ein vollständige Einfühlung in das bürgerliche Leben von Italien verstehen, eine absolute Hingebung an das nationale Ideal unseres Landes, dann muß ich Ihnen ebenso bestimmt sagen: Ja! Jedenfalls ist Ihre Frage, während sie für andere Länder zutreffen mag, auf Italien nicht anwendbar. In diesem Lande gibt es praktisch keinen beachtenswerten Unterschied zwischen Juden und Christen. Seit vielen, vielen Jahren nehmen die Juden vollkommen und unterschiedlos auf politischem, künstlerischem und wissenschaftlichem Gebiet am nationalen Leben teil. Trotz der Möglichkeit, Ihr Interview gleich zu Beginn zu zerstören, muß ich Ihnen aufrichtig sagen: In Italien gibt es kein jüdisches Problem. Ich kenne keines.“ R.-L.: Wollen Sie damit sagen: daß Italien ein Land ohne Antisemitismus ist? Daß das Gift des Judenhasses nicht über seine Grenzen gekommen ist?“ Mussolini: „Wenn Versuche gemacht worden sind, um die Italiener mit einem gefährlichen Geist gegen unsere Rassenminderheiten zu durchtränken, so sind sie fehlgeschlagen. Der Faschismus verhält sich, unbekümmert um das, was seine Verleumder sagen, gegen jedermann tolerant. Tolerant in jeder Beziehung, außer wenn das Wohlergehen des Landes bedroht ist. Meine Regierung und ich persönlich haben jedes Symptom eines Vorurteils gegen Rassenminderheiten im Keime erstickt. Wir passen gut auf. Das geben sogar unsere Feinde zu. Ich glaube, daß die Juden hier keinen Grund haben, sich zu beklagen. Vor einiger Zeit sprach ich mit dem Oberrabbiner von Rom; er erklärte die vollkommene Übereinstimmung des jüdischen und italienischen Ideals.“ R.-L.: „Kennen Sie die zionistische Bewegung?“ Mussolini: „Recht gut. Der palästinensische Herausgeber Ben Awi (der frühere Leiter des Doar Hajom. Die Red.) lebte eine Zeitlang bei mir. Ein wirklich reizender und begabter Mensch. Ich war wahrhaftig über die Fortschritte, die der jüdische Kolonisationsplan macht, erstaunt. Ich nehme an, Sie wissen, daß die italienische Regierung eine der ersten war, die ihre Sympathie zum Erfolg Ihres Palästinawerkes ausdrückte. Erst kürzlich wurde mir erzählt, wie der Zionistemführer Dr. Herzl gerade bei Beginn der zionistischen Bewegung von unserem König, der seinem Anliegen aufmerksames Gehör schenkte, empfangen wurde. Ich lernte Ihren ausgezeichneten Präsidenten, Dr. Weizmann, einen sehr interessanten Mann, kennen, der großes Vertrauen bei der jüdischen Bevölkerung unseres Landes genießt. Hier in Italien herrscht echte Bewunderung über das vorwärtsschreitende Pionierwerk in Palästina. Doch sagen Sie mir, haben sich viele amerikanische Juden in Palästina angesiedelt?“ R.-L.: „Sehr wenig. Aber nicht, weil in Amerika Mangel an Menschenmaterial für Palästina herrscht. Tausende von Juden möchten gern in das jüdische Heimatland wandern. Aber das Land Nur noch wenige Tage stehen uns zur Schekelaktion zur Verfügung. Diese Zeit nutze und wirb für den Schekel! Zionisten, kauft und verbreitet den Schekel!