Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 16 (19.4.1929)
- Date
- 1929-04-19
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Das Jüdische Echo 245 General Motors Automobile LOREN/ER & CO Nymphenburger Straße128 / Telephon 61836 Chevrolet 6 Zylinder Schulbeispiel für jenen, von uns immer vertretenen Charakter des Judenhasses, den keine Aufklärung, mag man sie noch einige Jahrhunderte fortsetzen, aus der Welt schaffen wird, solange Juden in der Diaspora leben. Nun, uns scheint es an der Zeit, energischer aufzutreten. Die wenigstens formal erkämpfte volle Gleichberechtigung gibt uns mehr als nur Argumente, sie gibt uns Rechte, und der Rechtsstaat, in dem wir leben, erlaubt uns zu fordern, nicht nur aufzuklären, Keine juristischen Erläuterungen, nur eine Gegenüberstellung: Den Zeichner Grosz, einen anerkannten Künstler, schleppt man wegen einer doch höchst fragwürdigen Beschimpfung der Kirche in Preußen durch drei Instanzen — was wäre ihm erst in Bayern passiert? Herrn Streicher aber läßt man in Bayern Woche für Woche eine „mit Korporationsrechten ausgestattete Religionsgemeinschaft öffentlich beschimpfen“ und „verschiedene Klassen der Bevölkerung gegeneinander hetzen“ und trotz des auch bei uns geltenden Legalitätsgesetzes fühlt sich kein Staatsanwalt, kein Justizminister zum Einschreiten bewogen. Der Kampf um unser Recht, unsere Gleichberechtigung um den strafrechtlichen Schutz, auf den wir Anspruch haben, muß energisch und öffentlich, nicht nur durch Petitionen und Konferenzen, geführt werden. Hier liegt das Wesentliche, das über den Einzelfall dieser neuen Hetze hinausgehende Grundsätzliche, das wir zu sagen und zu fordern haben. Wir warten auf die Achtung und Erfüllung unserer staatsbürgerlichen Rechte. Wie lange noch? H. W.-V. Zionisten und Nichtzionisten Von Prof. S. Brodetsky (London), Mitglied der zionistischen Exekutive. Der Autor gehört wohl zu den Berufensten, um namens der Zionisten anläßlich der Durchführung der erweiterten Jewish Agency zu dieser wichtigen Frage das Wort zu ergreifen. Für alle Juden ist die Meinungsäußerung dieses zionistischen Führers von großem Interesse, weswegen ihr hier Raum gewährt wird. (Red.) Ist ein Grund dafür vorhanden, daß die Erweiterung der Jewish Agency das Gefüge der Zionistischen Organisation unterminieren und erschüttern wird, wie bestimmte zionistische Gruppen behaupten? Meiner Meinung nach ist die Erweiterung der Jewish Agency die Auswirkung der großen Veränderung, die im jüdischen Leben in den letzten dreißig Jahren stattgefunden hat. Als Theodor Herzl seine politischen Pläne vorbrachte, die späterhin im Basler Programm eine feste Form erhielten, wurde von allen Seiten behauptet, daß die Durchführung derselben weder wünschenswert noch möglich sei. Als die Balfour-Deklaration veröffentlicht wurde, lehnten bedeutende Teile des Judentums jede aktive Teilnahme am Palästinawerk ab, wegen ihrer Gegnerschaft gegen die Nationale Heimstätte. Sie konnten die fundamentale Bedeutung Palästinas für das jüdische Leben nicht verstehen. Jetzt aber sind wir bei einer Etappe der Entwicklung angelangt, in der fast allgemein als Grundsatz jüdischer Aktivität anerkannt wird, daß die Entwicklung Palästinas der bedeutendste Faktor des jüdischen Lebens in der Zukunft ist. Man mag Zionist oder Nichtzionist sein, aber man kann die Bedeutung Palästinas für das jüdische Leben nicht unbeachtet lassen. Die Frage Palästina und Nationale Heimstätte sind die alles beherrschenden Fragen des jüdischen Lebens geworden. Die Anerkennung dieser Tatsache durch hervorragende Führer der sogenannten Nicht-Zionisten in Amerika, England, Deutschland und einigen anderen Ländern bedeutet einen Triumph der zionistischen Ideen. Die Bedeutung Palästinas im jüdischen Leben und die Errichtung einer Nationalen Heimstätte werden freudig, ja enthusiastisch anerkannt und bejaht. Die Zionisten, die diese Tatsachen ungetrübt erkennen, müssen mit der heutigen Situation zufrieden sein. Sie müssen darüber erfreut sein, daß der Aufbau der Nationalen Heimstätte, d. i. das zionistische Ideal, das anerkannte Ziel fast aller Juden ist. Mit Genugtuung sollten Zionisten den Wortlaut der von dem „Board of Deputies of British Jews“ an die Zionisten ergangenen Einladung zur Kenntnis nehmen, aus welchem die vorbehaltlose Annahme der Balfour- Deklaration und des Mandates klar hervorgeht. In einigen Gruppen von Nicht-Zionisten herrscht der Eindruck vor, daß die Zionisten dadurch, daß sie die Mitarbeit von Nichtzionisten gesucht haben, ihre Hauptprinzipien, den politischen Zionismus und den jüdischen Nationalismus fallen gelassen hätten. Es ist aber durchaus unrichtig, zu behaupten, daß die Erweiterung der Jewish Agency ein Selbstbekenntnis der Zionisten bedeute, daß der Aufbau Palästinas auf Grund der nationalen Ideen des Zionismus unmöglich sei. Es ist nicht wahr, daß die Zionistische Organisation glaubt, die Prinzipien des jüdischen Nationalismus und des politischen Zionismus über Bord werfen zu müssen, um den Aufbau Palästinas erfolgreich durchführen zu können. Ich will ganz deutlich sagen: „Es ist nötig, Kompromisse mit den Nichtzionisten zu schließen, wenn ein gemeinsamer Plan der Aufbauarbeit aufgestellt werden soll —■ allein niemals kann ein solches Kompromiß die fundamentalen Prinzipien der Nationalen Heimstätte, wie sie in der Balfour-Deklaration niedergelegt sind, mit einbeziehen. Wir halten am Mandat mit seiner Anerkennung der historischen Verbundenheit Palästinas mit dem jüdischen Volke fest, an dessen Definition der Nationalen Heimstätte und der Aufgaben der Jewish Agency. Das haben wir unseren nicht-zionistischen Partnern ganz deutlich gesagt. Weiterhin durch unsere Zusammenarbeit mit Nichtzionisten erkennen wir eine Tatsache an, die auf der Hand liegt. Während die Erziehung des jüdischen Volkes zu einem vollständigen Verständnis der Prinzipien des Zionismus immer eine Aufgabe der Zionistischen Organisation als solcher bleibt, ist der Aufbau der Nationalen Heimstätte in Palästina die Aufgabe der ganzen jüdischen Nation. Wir