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Das jüdische Echo · 1929-04-19 · 16 (19.4.1929) · p. Seite 244

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
16 (19.4.1929)
Date
1929-04-19
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
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244 Das Jüdische Echo Nr. 16 Auch in Saloniki Saloniki, 8. April. (JTA.) Saloniki war an einem der letzten Tage Schauplatz eines Ritualmord-Tumults, der gefährliche Dimensionen anzunehmen drohte. Eine christliche Frau, die mit ihrem Kinde in einem jüdischen Stadtviertel spazieren ging, bemerkte plötzlich, daß ihr Kind nicht mehr an ihrer Seite war. Sie begann zu schreien, daß die Juden ihr das Kind gestohlen haben, um es zu töten und sein Blut für das kommende Pessachfest zu gebrauchen. Bald hatte sich eine unübersehbare Menge Christen angesammelt, die sich anschickten, über die jüdischen Wohnungen herzufallen. Ein griechischer Soldat versuchte die Menge zu beruhigen, indem er erklärte, er selbst habe ein herumirrendes Kind gefunden und es zum Polizeikommissariat gebracht. Das Kind konnte bald von der Polizei der Mutter wieder zugeführt werden. Trotzdem beruhigte sich die Menge nicht, und es mußte viel Polizei aufgcboten werden, um den lärmenden Pöbel zu zerstreuen. Zur Rifualmordhetze in Bayern Die Wochen vor Ostern waren von jeher für die Juden der Diaspora Zeiten ernsten Charakters. Von den Verfolgungen des Mittelalters bis zu den zaristischen Pogromen, immer lohte gerade vor dem Pessachfest die verhaltene Glut des Judenhasses zur vernichtenden Flamme empor, jahrhundertelang verzehrte das Feuer, in schauriger Gleichmäßigkeit der Wiederkehr Männer, Frauen, Kinder unseres Volkes. Die Geschichte des Rabbi von Bacharach, tausendfach hat sie sich abgespielt in der, Feidensgeschichte der Juden, zeitlos wie sie ist, spielt sie vor 500 Jahren wie vor 20. Immer auch der gleiche nur zu gut erprobte Ruf, der in die Masse geworfen, die Glut schürt und steigert und ausbrechen läßt: Ritualmord! Mittelalterliche Wunder- und Leichtgläubigkeit, religiöser Fanatismus und irregeführter Glaube, behördliche Duldung und bewußte Hetze, gewiß hat all dies mit dazu beigetragen zu solcher Wirkung, erklärlich und verständlich wird uns jenes Phänomen wild ausbrechender Leidenschaft letzten Endes dadurch nicht — die Glut nie verlöschenden Judenhasses ist in den Jahrhunderten gleich stark geblieben und nur so ist es zu begreifen, daß immer wieder der geringste Hauch jenes Mordrufes genügt um helles Feuer hoch lodern zu lassen. Woher dieser stets in den Völkern schlummernde Antisemitismus? Nun, die zionistische Literatur von Pinskers Autoemanzipation bis zu Zweigs Caliban hat die Unausrottbarkeit dieser Affekte im Leben der Völker zur Genüge dargetan. Noch kaum 10 Jahre liegen die großen Judenschlächtcreien in der Ukraine zurück, wo wird die nächste Wiederholung eines solchen Schauspiels statthaben, in Sowjet-Rußland, in Polen, Rumänien oder Ungarn? Jedes kleinste politische Erdbeben kann genügen, um den scheinbar so festen Boden staatsbürgerlicher Gleichberechtigung bersten und die darunter schwelenden Flammen hervorzüngeln zu lassen; der Dreyfuß-Prozeß in Frankreich hat es den französischen Juden gelehrt wie den deutschen der Hitlerputsch. Freilich, die Welt ist etwas zivilisierter geworden, Intensität und Ausmaß judenfeindlicher Betätigung ist geringer geworden. Man begnügt sich damit, Zionisten in Rußland nach Sibirien zu schicken, jüdischen Händlern in Polen durch Konzessionsentziehung das Brot zu nehmen, nur ab und zu passiert in Rußland und Ungarn ein kleiner Judenmord, nur manchmal hatten wir deutschen Juden seit Kahr und Hitler ernsthaft mit äußeren Angriffen zu rechnen. Bei uns haben sich seit jener glorreichen Bürgerbräu-Mitternacht die Formen des Antisemitismus bemerkenswert gewandelt und es wäre verfehlt, von der geringeren Stimmenzahl extrem antisemitischer Parteien auf einen ebenso versackenden Antisemitismus in Deutschland zu schließen. Seine heutige Form .— erst jüngst wurde hier auf studentischen Antisemitismus hingewiesen ■— sich dokumentierend mehr in gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht, ist im Grunde nicht weniger stark, verletzend und schädigend als der Radau- Antisemitismus. Sich mit letzterem heute noch zu beschäftigen, erscheint demjenigen, der nicht den Kampf dagegen als einen der Hauptinhalte seines Judeseins ansieht, wenig interessant. Wenn trotzdem heute zu der in diesen Tagen das Frankenland aufwühlenden Ritualmord-Hetze ein Wort gesagt wird, so aus der Erwägung, daß grundsätzlich einmal Stellung zu nehmen sei nicht so sehr zu dieser neuen Unverschämtheit eines hetzenden Volksschullehrers als zu der, man muß schon sagen beinahe wohlwollenden Duldung, die Herrn Streicher und seinem „Stürmer“ von oben zuteil wird. So dankenswert und notwendig die jüngst veröffentlichte Erklärung der bayerischen Rabbiner in dieser Affaire auch ist, glaubt wirklich auch nur einer der Unterzeichneten Herren, hiermit wirksame Abwehr erreichen zu können? Wer an den Ritualmord der Juden heute noch glaubt, der will daran glauben, bewußt oder unbewußt, und kein Argument., der Vernunft wird ihn überzeugen, vordem nicht und heute nicht. Ist doch die Hetze dieser Art und ihr Erfolg ein S'isW fß AUSTRO-DAIMLER 6 Cylinder,r12/70 PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirsch bold K o m m. - G e s. Fernruf 51355 MÜNCHEN Sonnenstr 19

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