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Das jüdische Echo · 1929-04-12 · 15 (12.4.1929) · p. Seite 236

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
15 (12.4.1929)
Date
1929-04-12
Page
Seite 236 (sequence 21)
Language
German
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236 Das Jüdische Echo Nr. 15 II.. ii 11! III INI Feuilleton III 1 Die Ausstellung in Tel-Äwiw Von Wladimir Jabotinsky I. Wer sich das Vergnügen leisten kann, heuer die Wochen zwischen Purim und Pessach in Erez Israel zuzubringen, wird es nicht bedauern. Man wird ihm Dinge zeigen, die er noch nie gesehen hat. Er mag wohl in seiner Heimat größere, vielleicht auch schönere Dinge gesehen haben, aber nicht „solche“. Der Unterschied besteht nicht allein darin, daß die Dinge jüdisch sind, wenn auch schon dies ein wichtiger Unterschied ist. Wenn euer Junge zu euch kommt und euch ein Porträt zeigt, daß er verfertigt hat, und das Porträt wirklich gelungen ist, so wird man gewiß feststellen können, daß Lenbach oder Gainsborough bessere Bilder gemalt haben; aber es ist euer Junge und mit ihm beginnt die Welt von aller Anfang an. Hier in Erez Israel hat jeder jüdische Besucher das Gefühl, daß die „Kinder“ seine eigenen sind, es ist nicht immer angenehm, denn jener mischt sich ein in die hiesige Ordnung und gibt 24 Stunden nach dem Paktieren des Zollamtes Ratschläge, aber für ihn selbst ist es ein Vergnügen, und ich spreche hier nur von ihm; von jenem, der hier für die Zeit der Tel-Awiwer Ausstellung erwartet wird. Und doch besteht nicht der einzige Unterschied darin, daß die Dinge hier eigen jüdisch sind. Sie sind überhaupt anders, es ist schwer zu erklären wie, aber anders. Es wäre sehr leicht, die Firmen aufzuzählen, die an der Ausstellung teilnehmen werden, wieviel Kapital jede von ihnen besitzt und wie sie sich entwickelt hat. Ich will keine Zahlen anführen. Sitzt man hier, bekommt die trockenste Erscheinung ihr eigenes lebendiges Gesicht, mit Händen und Füßen und1 Haaren. Die Textilindustrie; es ist eine nüchterne Angelegenheit. Wenn es nötig sein wird, werde ich. einen Traktat schreiben, eine Parallele ziehen zwischen den Tel-Awiwer und den Pariser Strümpfen. Da ich aber hier zu Hause bin, hat das Wort Textil für mich einen gar sonderbaren Klang. Es seufzt und summt und stöhnt, genau wie das alte Automobil, in dem ich jeden Freitag nach Tel-Awiw fahre. Warum? Weil, will man an einem staubigen Tag nach Tel-Awiw fahren, ein leinener Staubmantel notwendig ist — und diesen Mantel habe ich von einem Textilfabrikanten in einer chassidischen Kolonie bei Tel-Awiw bezogen. Den Ort, wo sie steht, habe ich gut im Gedächtnis. Vor zehn Jahren lief hier die Grenze zwischen türkischem und englischem Militär und kein Schakal erlaubte es sich, das kahle Feld zu durchstreifen. Heute, Ende Februar, blüht es dort grün von allen Seiten und später wird es gelb blühen auf den guten Feldern und goldenen Orangengärten. Männer mit Pejes jäten und graben, Jungens mit herabhängenden Schaufäden laufen in der Gasse herum und ernste Hausfrauen kochen Nachtmahl. Hoch oben auf dem Berg steht der Wasserturm und zu ihm führt eine vielleicht 50 Meter lange Steintreppe hinauf. Blickt man hinunter, sieht man zwei Epochen zionistischer Geschichte; Petach Tikwah, Ekron und die neuen Orangengärten bei Tel-Awiw. Auf dem Berg haben die Chassidim in ihren freien Stunden einen Park angelegt, junge Bäumchen, die vorläufig noch klein sind, aber sie "werden noch in die Höhe wachsen. Und zwischen den Bäumchen findet man eine Menorah, eine wirkliche Menorah mit acht Armen, wie es sich gehört. Aber anstatt aufrecht zu stehen, liegt sie am Boden, und statt aus Silber ist sie aus grünem Wachs gemacht; Nun geh’ und sag’, daß Juden keinen Sinn haben für „nutzlose“ Schönheit! Und noch eine praktische Sache; auf demselben Berg haben die Chassidim einen flachen Bau errichtet, eine Art Plattform oder Belvedere. Und der Chassid, der mich herumführt, erklärt mir den Sinn der Einrichtung; „Damit , man sich nach der Arbeit hinsetzen und dort so ein bißchen sich versenken kann in Gottes Wunder.“ Unten im Dorf haben sie natürlich eine Schul, wo euch der Schammes einen alten Thoramantel zeigt, das Geschenk eines polnischen Städtchens, das im Krieg zerstört wurde, und eine Menorah in Bronze aus demselben Städtchen, die Jahrhunderte alt ist und vielleicht mehr kostet als ein Ford-Automobil — aber ein Automobil haben sie nicht und treiben Kurzweil mit nutzloser Schönheit. Sie haben aber auch eine eigene Bank und ein paar Fabriken. Eine von ihnen ist jene Textilfabrik, von der ich meinen Staubmantel habe, eine richtige Fabrik mit zwei Abteilungen, für Handweberei und maschinelle Erzeugung, wo alte Leute, Jünglinge und Mädchen sich mitten in einem Netz von weißen, roten, grünen, gelben, schwarzen Fäden methodisch bewegen; alles selbst erbaut, ohne Hilfe und ohne Subvention, nicht eingerechnet natürlich die investierten eigenen Mühen, die man dafür aufwendete. Das ist die Textilatmosphäre, die man uns auf der Ausstellung bieten wird, das heißt zeigen wird man uns nur die Textilware, nicht aber die Atmosphäre, die man selbst erfühlen muß. II. Oder die Welt des Zements. Wenn jenes alte Automobil über die Straßen Erez Israels gleitet, die vor einigen Jahren noch voller Löcher waren und heute glatt sind wie Samt (natürlich übertreibe ich ein bißchen, aber nur ein bißchen), hat man das Gefühl, daß sie alle aus Haifaer Zement gemacht sind, und nicht aus ausländischem, und man will nicht nachforschen, ob dem wirklich so ist. Hauptsache, daß unser Haifaer Zement tatsächlich erstklassig ist. Aber auf der Fahrt denk ich nicht darüber nach, sondern über den großen russischen Wolgalandstrich, schließe die Augen und sehe mich auf einem breiten niederen Flußschiff, das von Nischni Nowgorod nach Astrachan schwimmt, und wieder wie ein Fürst am Schiffsverdeck sitze und guten Kaviar esse auf Schwarzbrot mit gehacktem Zwiebelgrün. Zum Geruch von Fisch und gehackten Zwiebeln gesellen sich noch andere Gerüche —■ der Geruch des Flußwassers, des Waldes, der irgendwo in der Ferne am Ufer eines Teiches brennt, das süße frische Aroma zersägten Holzes, während wir vorüberfahren, auf dem Floß, das mich stromabwärts zur Kaspischen See trägt. Was das mit Zement zu tun hat? Dort Deutsche Neuwäscherei H.m.h. H. FELIX BRANDNEU » MÜNCHEN Thierschstraße 21 Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäschenur Kranen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tage

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