Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 15 (12.4.1929)
- Date
- 1929-04-12
- Page
- Seite 231 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Das Jüdische Echo 231 Die jüdische Volksschule im Urteil der Eltern Die jüdische Volksschule ist in den 6. Jahrgang eingetreten; sie hat ihre Existenzberechtigung, die anfangs lebhaft bezweifelt wurde, durch ihre fortschreitende Entwicklung bewiesen; 137 Schüler und Schülerinnen gehören ihr in diesem Jahre an, ein Drittel aller jüdischen Kinder, die die ersten vier Volksschulklassen besuchen. Eltern aller Richtungen schenken ihr ihr Vertrauen; Orthodoxe wie Liberale und Zionisten; und es zeugt von dem pädagogischen Geschick der Lehrer, daß sie den selbstverständlich in streng traditionellem Sinne geleiteten Unterricht den Kindern so darzubieten verstehen, daß sich tiefergehende Konflikte zwischen Schülern aus nichtorthodoxem Hause und ihren Eltern bisher haben vermeiden lassen. Dabei wird den Kindern eine Fülle jüdischer Kenntnisse übermittelt, außerdem natürlich auch der gesamte vom Staat für die Volksschulen vorgeschriebene Lehrstoff; trotzdem kann bei der modernen Unterrichtsweise von einer Überlastung der Kinder nicht gesprochen werden. Daß die Schüler bei ihrem Übergang zur Mittelschule die Aufnahmeprüfung erfolgreich ablegen, ist ein Beweis der Güte des Unterrichts. Was ich als Vater eines Kindes, das nun das dritte Jahr die Schule besucht, stets besonders begrüße, ist das Verständnis der Lehrer, sich die Liebe ihrer Schüler zu erwerben. Die Kinder hängen an ihrer Schule; der Schulbesuch ist ihnen täglich eine neue Freude; dabei ist die Disziplin gut, die Autorität des Lehrers bleibt voll gewahrt. Unter diesen Umständen darf man der Schule eine stete, glückliche Fortentwicklung wünschen. Dem Verein Ohel Jakob aber gebührt der Dank dafür, daß er die Gründung der Schule wagte und die schweren Lasten, die dies mit sich brachte, auf sich nahm. Möge er bei der Fortführung der Schule das Verständnis der Gesamtgemeinde und ihre volle Unterstützung finden! Dr. Schäler. Ritualmordmärchen in Bayern Berlin, 4. April. (JTA.) Am 24. März wurd^ in Manau bei Hofheim in Bayern ein fünfjähriges Kind vermißt, das man spät abends in einem Wald mit durchschnittener Kehle auffand. Die Polizei nahm sich sofort der Sache an und leitete eine energische Untersuchung ein. Die Nürnberger Wochenschrift der „Stürmer“ bemächtigte sich der Angelegenheit und suchte das Verbrechen in einen Ritualmord umzubiegen. Sie brachte folgende Notiz; „Die Kehle war durchschnitten und die Leiche völlig blutleer. Die Aufregung in der Bevölkerung ist ungeheuer. Allgemein herrscht die Überzeugung, daß es sich hier um einen jüdischen Blutmord handle.“ Die nächste Nummer des „Stürmers“ brachte in schreiender Aufmachung einen Leitartikel: „Der Blutmord in Manau. Der blonde Knabe. Der Stich in die Halsschlagader. Der blutleere Körper. Die Wunde am Rückenwirbel. Das geheimnisvolle Auto.“ In dem Aufsatz selbst heißt es; „Die Sektion der Leiche ergab, daß der Körper völlig ausgeblutet war..., damit ist der Beweis einwandfrei geliefert, daß es sich hier nur um einen jüdischen Blutmord handeln kann. ... Das Opfer trägt auch noch am Rückenwirbel eine Wunde, die an den jüdischen Brauch erinnert, am Vorabend des ,Schabbes‘ schwerkranke Juden zu ,knicken4, damit sie nicht durch den Tod den ,Schabbes‘ entheiligen.“ Der Schreiber behauptet, überall nur eine Stimme vernommen zu haben: „Es geht auf Ostern zu, es kann nur ein Blutmord sein!“ Diese Nummer des „Stürmers“ wurde in einer großen Anzahl von Exemplaren in der Manauer Gegend verteilt, nationalsozialistische Agitatoren erregen die Bevölkerung. Drei Versammlungen, die die Nationalsozialisten am 3. April in Hofheim veranstalteten, in denen Landtagsabgeordneter Dr. Hellmuth (Marktbreit) zu „Schächtfrage“, Landtagsabgeordneter Holtz zur „Sache“, sowie die Krann und Poisel sprachen, waren lange vor Beginn überfüllt. Der Centralverein1 deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wirkt auf jede mögliche Weise dieser maßlosen Hetze entgegen, der auch die Geistlichkeit aller Konfessionen und die Behörden aufs, lebhafteste entgegenzutreten gewillt sind. Man hofft, daß die polizeiliche Aufklärung des Verbrechens den Verleumdern den Boden entziehen wird. Die Vorstandschaft der Bayerischen Rabbinerkonferenz, gezeichnet Dr. Freudenthal (Nürnberg), Dr. Hanover (Würzburg), Dr. Stein (Schweinfurt), Dr. Salomon (Bayreuth), Dr. Baerwald (München), Dr. Wohlgemut (Kitzingen), Dr. Ephraim (Burgpreppach), veröffentlicht im „Boten vom Haßgau“ eine Erklärung, in der es heißt: „Das verabscheuungswürdige Verbrechen des Kindermordes bei Manau gibt gewissenlosen Hetzern willkommenen Anlaß, wiederum die schon unzählige Male als Lüge gebrandmarkte Mär eines Ritualmordes in die Bevölkerung zu werfen. ... Wir empfinden es als Schmach, daß sich das Judentum auch heute noch gegen einen so schimpf- Ein musikalisch Ganzes nannte Meister Rubinstein das Klavier. Er, der grobe Klavierkünstler, dachte dabei allerdings an Instrustrumente, die wie Manihey Flügel*Pianos mit einem wunderbar leichten Anschlag einen tragfähigen gesangreichen Ton und vollendete Ausgeglichenheit der einzelnen Lagen verbinden. 60jährige hingebungsvolle Arbeit und Erfahrung sind in dem Manthey von heute verkörpert. Unsere sehr vorteilhaften, zeitgemäßen Zahlungsbedingungen erleichtern die Anschaffung wesentlich. Alleinige Niederlage Pianohaus Hirsch am Sendlingeriorplaiz MÜNCHEN / Lindwurmstrabe 1