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Das jüdische Echo · 1929-04-12 · 15 (12.4.1929) · p. Seite 229

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
15 (12.4.1929)
Date
1929-04-12
Page
Seite 229 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 15 Das Jüdische Echo 229 düng, die jeder Jude von groß bis klein liebt, aber nur wenige von uns entgehen dem Übel, das ein allzu üppiges Leben zeitigt. Anderseits wollen Juden ebensowenig wie Christen Juden anstellen, denn wer zieht gern seine eigenen Konkurrenten von morgen groß? Stellen Sie einen nichtjüdiischen Verkäufer oder Direktor an, dann können Sie mehr oder weniger ohne Sorge sein. Alle fünf Jahre erhöhen sie sein Gehalt um 5 Dollar die Woche, und der Angestellte ist zufrieden. Ein jüdischer Angestellter spart in demselben Geschäftshaus nach einigen Jahren 1500 Dollar, er leiht sich Geld bei seinen Eltern, erhält genug Bankkredit, um selbst ein Geschäft in Gang zu bringen, das seinem früheren Chef ernstliche Konkurrenz macht. Nun wird der jüdische Arbeitgeber wütend, denn seinem Verkäufer von gestern gelingt es, ein Geschäft aufzuziehen, das oft größer wird als das seinige. Das Unglück ist, daß die jüdischen Angestellten wirklich sehr selbständig sind, daß sie sehr bald dasselbe tun, was ihre Arbeitgeber vor zehn oder zwanzig Jahren getan haben, trotzdem sie keine geborenen Kaufleute sind. Wenige von Ihnen, liebe jüdische Brüder, werden Angestellte haben, die bei ihrem Lebensstandard bleiben wollen, die nicht von diesem unruhigen Geist und dieser Leidenschaft, vorwärts zu kommen, besessen werden. Und Sie lehnen sie wegen derselben Eigenschaften ab, die es Ihnen ermöglicht haben, emporzukommen, wegen ihres Wunsches, nicht nur ein Rad im Industriegetriebe zu sein. Es gibt noch einen Punkt, über den ich mit größtem Ernst sprechen muß, denn er ist von größter Wichtigkeit. Manche unter Ihnen, jüdische Unternehmer, lieben die jüdischen Angestellten deshalb nicht, weil sie zu rührig und ehrgeizig sind und weil sie sich organisieren. Nun erlauben Sie mi-r, Ihnen zu sagen, daß nicht Sie mit Ihrem Reichtum das amerikanische Leben entscheidend und auf die Dauer bestimmen, sondern eben diese lächerlichen, unzufriedenen, ehrgeizigen, nervösen jüdischen Angestellten. Sie haben nicht immer recht; oft irren sie. Aber Sie, jüdische Unternehmer, können nicht immer einen Druck ausüben, ohne eine Reaktion bei den Unterdrückten zu provozieren. Werden Fehler begangen, so tragen Sie selbst die Schuld d'aran. Aber bei alledem ist der kleine, laute, ehrgeizige Jude, der immer hoch hinaus will und sein Leben nicht in Monotonie und ökonomischer Abhängigkeit verbringen kann, der wichtigste Faktor in der Entwicklung des amerikanischen Lebens. Sie mögen ihn hassen in dem Augenblick, wo er eine Gehaltserhöhung oder Herabsetzung der Arbeitszeit von Ihnen verlangt, aber man muß sich vergegenwärtigen, auch wenn es im Augenblick wenig angenehm ist, daß die Zukunft Amerikas in der Entwicklung der Wirtschafts-Demokratie liegt, und man muß vor allem die Gleichberechtigung und Freiheit der Menschen achten, wobei die anderen Faktoren wie Besitz und Geschäft nur als Mittel zur Bereicherung des Lebens zu gelten haben. Ich beschwöre Sie, die Sie Chefs aller Industriezweige sind, mich in dieser wichtigen Frage zu hören und nicht die Kontrolle in Ihren Bureaus einigen Subalternen zu überlassen. Viel Unheil ist durch die Angestellten zweiten und dritten Grades angerichtet worden, die Sie dem Personal gegenüber vertreten. Diese Subalternen haben nur ihr eigenes Interesse im Auge und entlassen, wo es nur geht, die jüdischen Angestellten, Sekretäre und Buchhalter. Die Unfähigen können Sie aus Ihren Bureaus und Betrieben entlassen, aber entfernen Sie nicht die Fähigen und Qualifizierten, seien es Juden oder Christen. Es wäre falsch und unsinnig, Ihnen zu empfehlen, keine Nichtjuden anzustellen, so wie viele Nichtjuden Juden boykottieren. Ich habe das Recht, mich an Sie, meine jüdischen Brüder, zu wenden und zu sagen: Prüfen Sie Ihr eigenes Herz, und wenn Sie entdecken, daß dieses Vorurteil von Ihrem Geist Besitz ergreift, so befreien Sie sich davon. Merken Sie nicht, daß der jüdische Antisemitismus eine vollkommene Rechtfertigung des nichtjüdischen Antisemitismus ist? Wenn wir unseren Brüdern gegenüber keine Toleranz aufbringen können, ‘ weil wir an verschiedenen Ufern des Rheines oder der Donau geboren wurden, was sollen erst die Nichtjuden sagen und tun? Seien Sie ehrlich und achtungsvoll gegen Ihre Glaubensgenossen. Denken Sie an sie, wenn Sie diesem extremen ,Goismus‘ bei sich Einlaß gewähren, dieser feigen Angst vor der Unsicherheit, vor dem Aufstieg Ihrer jüdischen Brüder. Sie begehen da Dinge, die des Judentums nicht würdig sind, wenn Sie Judenaus Ihrer Nähe entfernen, weil Sie sie für geringer halten und indem Sie sich von Menschen absondern, die wertvoll und jüdisch sind.“ Eine jüdische Ausstellung in Breslau Der im März 1929 gegründete Verein „Jüdisches Museum E. V.“ in Breslau ist nach kurzer, aber rühriger Tätigkeit mit einer Ausstellung vor die Öffentlichkeit getreten, die den Titel führte; „Das Judentum in der Geschichte Schlesien s“. Die Zusammenstellung sowie den vorzüglichen Katalog besorgte Herr Prof. Dr. Erwin Hintze, Direktor des Breslauer Schloßmuseums, unter Mitwirkung jüdischer Sachverständiger. Im Lichthof des Breslauer . Kunstgewerbemuseums und in drei weiteren Räumen sind im ganzen 576 Gegenstände zur Schau gestellt worden, die für die älteren Zeiten vorzugsweise durch urkundliches Material und einige in Abguß und Abbildung wiedergegebene Grabsteine die Geschichte der schlesischen Judenheit seit 1050 illustrieren. Daneben bildeten einen anregenden Schmuck dieser historischen Abteilung Bildnisse von Persönlichkeiten, die innerhalb des Judentums oder für dasselbe von Bedeutung waren. Seine O berpollinger Das Münchener Kaufhaus Neuhauser Straße am Karlstor Bekleidung / Mode / Sport Wohnungsausstattung

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