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Das jüdische Echo · 1929-04-05 · 14 (5.4.1929) · p. Seite 217

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
14 (5.4.1929)
Date
1929-04-05
Page
Seite 217 (sequence 18)
Language
German
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Nr. 14 Das Jüdische Echo 217 lästina“, Dr. Nadja Stein, ist dieser Erfolg zu buchen. Martin Buber — kein Volksredner und kein Politiker im üblichen Sinne: ein Mensch! aus höheren, reineren Regionen kommend, aus dem heraus „es“ spricht! und zu den Herzen dringt, auch die noch befangen sind von Staub und und Dunst ihres Berufs und Kontors. Verwundert blickten sie zu ihm auf, die ihn zum ersten Male hörten ■— ein Seher, ein Prophet! Gemeinschaft: Verbundenheit einer Vielheit von Menschen zu gemeinsamem Wirken mit der Ganzheit ihres Wesens durch gelebtes Leben. Eine Gemeinde von Familien bewußter Eigenpersönlichkeiten, in denen doch der gleiche Wille zur Verwirklichung eines erkannten Zieles lebendig ist. Kein Umstürzen und kein Niederreißen: sondern einbauen und umbauen sich und das Gegebene. Die Staaten, in denen wir leben, sind keine Gemeinschaften; auch nicht einmal innerhalb der einzelnen Parteien, deren Programme meist nur äußere Richtlinien, deren gewählte Vertreter als Menschenpersönlichkeiten der Menge der Wähler fremd und unbekannt bleiben. Zwei Mittel, auf andere einzuwirken: das ungläubige Mittel, durch körperliche Gewalt den anderen zu zwingen, das bisher den Verkehr der Völker untereinander beherrscht hat — und das andere, das gläubige Mittel! Das religiöse und erzieherische, den anderen aufzuschließen, daß sein Herz sich auftue den gleichen Idealen, dem gleichen Ziele zuzustreben. Und' dies Ziel nicht fern und unerreichbar am Horizont, sondern als Mittelpunkt des Lebens, der alle Kräfte an sich zieht. Aber keine Verwirklichung ohne Sehnsucht. Unsere heutige Zivilisation nur eine Anhäufung von Fluchtapparaten, aus diesem eigentlichen Leben und der Besinnung über seine Vergeudung zu entfliehen. Buber will den Menschen nicht als Objekt oder Subjekt äußerer Bereicherung sehen, und in der Arbeit nicht Rationalisierung, sondern Humanisierung, die innerlich reicher macht jeden, der sie leistet. Und das vor allem ist es, was man in Palästina erstrebt: Freiheit innerhalb wirklicher Gemeinschaft! Priestertum als Stamm und als Volk! Das ist Israels Mission; sein ganzes Gesetz: der Rhythmus des Ausgleichs zwischen den eigenen Wünschen und den Rechten der anderen. Vergegenwärtigung des Mitmenschen, d1. h. d<en Hieb mitfühlen, der jenen trifft. Die alte Sendung Israels: verwirklichen durch neuen Zusammenschluß im Lande der Überlieferung. Auf diese Beziehungen zum Zionismus aber kam er erst in seinem wundervoll bis zum letzten Augenblick sich steigernden Schlußwort, nachdem in der Diskussion die Vertreter und Vertreterinnen der verschiedenen Parteien aufeinander geprallt waren: für den Jüdischen Frauenbund Frau Siddy Wronsky; für den Centralverein Frl. Dr. Klausner, und für die Zionisten Hans Friedenthal. Vielleicht aber werden doch einmal die Frauen vorangehen, eine große jüdische Einheitsfront zu schaffen. Es wäre an der Zeit — denn Feinde und Gegner haben wir genug draußen, außerhalb des Judentums. Thekla Skorra. I. MÜNCHENER PLISSE-BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten, KostUmstlckareien Burgstraße 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 75 Der Zeppelin über Palästina Jerusalem, 26. März. (JTA.) Am Vorabend des 26. März (14. Adar), während die Judenheit Palästinas das Purimfest beging und die Stimmung aufs höchste gestiegen war, überflog das deutsche Luftschiff „Graf Zeppelin“ die palästinensische Küste und die Städte. Um 4 Uhr 25 Minuten überflog „Graf Zeppelin“ den Hafen und die Stadt Haifa, schwebte in hundert Metern Höhe über dem Carmel und der jüdischen Kolonie Bath Galim. Die Einwohnerschaft von Haifa und die jüdischen und deutschen Kolonisten der Umgebung jubelten dem Zeppelin begeistert zu. Von Haifa wandte sich das Luftschiff die Meeresküste entlang nach dem Süden und erreichte bei Einbruch der Dunkelheit, 6 Uhr 5 Minuten abends, die jüdische Stadt Tel Awiw, wo gerade die Purim-Stimmung ihren Höhepunkt erreicht hatte. Das hellerleuchtete Luftschiff umkreiste in der Dämmerung und niedrig die Stadt. 40 000 Einwohner von Tel Awiw umsäumten die Straßen, alle Dächer waren besetzt. Die Bevölkerung brachte dem deutschen Luftschiff begeisterte Ovationen dar, die sich zu Jubel stegerten, als sich vom Luftschiff aus eine Wolke von Konfetti und buntfarbigen Papierschleifen — eine Aufmerksamkeit des Luftschiffs für die das Purimfest feiernde jüdische Stadt (wie der JTA. aus Friedrichshafen unmittelbar vor dem Start mitgeteilt wurde, hatte Dr. Eckener 15 Kilo Konfetti zum Abwurf über Tel Awiw mitgenommen) — herabsenkte. Leider war der Abwurf nicht ganz gelungen, da er nicht das Zentrum traf. Auch die Bevölkerung von Jaffa war einige Minuten außer Rand und Band. Um 6 Uhr 30 Minuten abends war „Graf Zeppelin“ über Jerusalem. Der Abend war hereingebrochen, man sah nur die dunklen Umrisse des hellerleuchteten Luftschiffs. Die Straßen waren von einer gewaltigen Menschenmenge gefüllt. Touristen aus vielen Ländern der Welt von Südafrika bis Kanada brachen in Jubelrufe aus. Von Jerusalem fuhr das Luftschiff nach dem Flugplatz Ramleh weiter, wo die Post abgeworfen wurde. Von dort wandte es ^.ich in nördlicher Richtung nach Syrien. Vom Bord des Luftschiffes „Graf Zeppelin“ wird gemeldet, daß die Stimmung unter den Fahrgästen während des Fluges über dem Heiligen Lande eine sehr freudige war. Von der See aus bot sich den Blicken das gewaltige Bild der hohen Gebirge an der Küste. Während das Luftschiff über dem Lande kreiste, staunten die Fahrgäste über den schnellen Wechsel herrlicher Naturbilder. Funkspruch - Austausch zwischen Dr. Eckener und Bürgermeister Dizengoff Dr. Eckener wünscht: „Gut Purim“; Dizengoff sendet: „Schalom“ Tel Awiw, 27. März. (JTA.) Als das deutsche Luftschiff „Graf Zeppelin“ über der jüdischen Stadt Tel Awiw kreiste, sandte der Bürgermeister von Tel Awiw, Herr Dizengoff, einen Funkspruch an Dr. Eckener und lud ihn ein, in Tel Awiw zu landen, er, seine Besatzung und die Fahrgäste können des herzlichsten Empfanges gewiß sein. Dr. Eckener erwiderte durch Radiospruch, es sei ihm zu seinem lebhaften Bedauern unmöglich, in Tel Awiw zu landen und er wünsche, auch im Namen der Besatzung und der Passagiere, der Einwohnerschaft von Tel Awiw: „Gut Purim“. Bürgermeister Dizengoff funkte ein zweitesmal an Dr. Eckener und erklärte, die 80 000 Seelen zählende Einwohnerschaft von Tel Awiw, die in

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