Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 14 (5.4.1929)
- Date
- 1929-04-05
- Page
- Seite 216 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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216 Das Jüdische Echo Nr. 14 Zionistische Ortsgruppe München Die diesjährige ordentl. Generalversammlung wird am Montag, 8. April 1929, abds. 8.15 Uhr, im Lessingsaal, Herzog- Rudolf-Straße 1, abgehalten. Tagesordnung: 1. Referat Dr.Ignaz Emrich„Zionistische Politik u. zionistische Arbeit“ 2. Bericht des Vorstandes und der Ressortleiter 3. Kassenbericht 4. Entlastung und Neuwahl 5. Verschiedenes Anträge zur Generalversammlung sind bis spätestens 31. März 1929 schriftlich einzureichen. endgültigen Formulierung ihres politischen Endziels gelangen, um so günstiger wird es für sie sein, denn diese Formulierung wird stets beeinflußt werden von dem wirklichen Kräfteverhältnis in Palästina, so daß die Juden durch Zeitablauf nur gewinnen können. Die Aufnahme, die Wedgwoods Buch in einem Teil der britischen Presse gefunden hat, bestätigt leider das Urteil, daß dieses Buch zu früh gekommen ist, denn man hat das Buch vielfach nicht als ernstes politisches Buch, sondern als einen Traum behandelt. Aber diese Ausstellungen beziehen sich nur auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung, nicht auf ihren Inhalt. Auf die Frage, ob Wedgwoods Vorschlag, das jüdische Palästina solle dauernd ein Teil der britischen Völkergemeinschaft bleiben, im Einklang mit dem zionistischen Programm steht, muß geantwortet werden, daß keinerlei Gegensatz zwischen dem zionistischen Programm und Wedgwoods Vorschlag zu ersehen ist. Das Ziel des Zionismus, das nationale Selbstbestimmungsrecht des jüdischen VolksinPalästina,ist mit keiner bestimmten Verfassungsform untrennbar verknüpft, sondern diese Form hängt von den historischen Bedingungen ab, unter denen der Zionismus verwirklicht wird. Auch der Ausdruck Judenstaat ist kein eindeutiger völkerrechtlicher Begriff. Das jüdische Palästina muß das Recht haben, frei über seine Zukunft zu entscheiden, und, wenn dann ein Plebiszit sich für den Eintritt in die britische Völkergemeinschaft als Dominion aussprechen wird, so wird ein solcher Beschluß mit den Grundgedanken des Zionismus nicht im Widerspruch stehen. Schon heute gibt es in den Dominions erhebliche nichtbritische Minoritäten, wie die Franzosen Kanadas und die Buren Südafrikas. Und, wenn Indien ein Dominion sein wird, so werden dreihundert Millionen Menschen, Nichtengländer und Nichtchristen, der britischen Völkergemeinschaft angehören. Eine solche Entscheidung des zukünftigen jüdischen Palästina, der britischen Völkergemeinschaft angehören zu wollen, darf sich natürlich nicht auf bloße Sentiments, wie Dankbarkeit oder Liebe, begründen, sondern auf objektive Faktoren, die uns diesen Schritt nützlich erscheinen lassen. Daß von seiten Englands derartige Gründe bestehen, ist bekannt: es brauche nur an den Schutz des Suezkanals erinnert zu werden. Aber auch vom jüdischen Standpunkt aus lassen sich wichtige wirtschaftliche und politische Momente anführen. Die weltwirtschaftliche Entwicklung führt zur Bildung großer Völkergemeinschaften, wie es heute bereits die Vereinigten Staaten, England und Rußland sind. Auch für Palästina wird dieses Bedürfnis der Zugehörigkeit zu einer großen Wirtschaftsgemeinschaft, wie denn schon in türkischer Zeit Palästina Teil eines größeren, nämlich Syriens war, und Ruppins wirtschaftliche Untersuchung seinerzeit ganz Syrien einschließlich Palästina behandelte. In Zukunft werden sich um Palästina herum eine Reihe von ganz oder halb selbständigen Staaten bilden, die sich in der einen oder anderen Form föderieren werden. Dann wird Palästina vor der Alternative stehen, sich entweder dieser syrisch-arabischen Föderation anzuschließen oder Glied eines übernationalen Völkerverbandes zu sein. Berücksichtigt man die weltwirtschaftliche Bedeutung des britischen Weltreiches und die natürliche Tendenz der palästinensischen Araber zur arabischen Föderation, so kann kein Zweifel darüber bestehen, daß das jüdische Interesse den Anschluß an das britische Weltreich erfordern wird. Natürlich wird man die Anziehungskraft einer arabischen Föderation nicht künstlich beseitigen können, aber man kann ein Gegengewicht schaffen, das im Anschlüsse Palästinas ans britische Weltreich gefunden zu werden vermag. Man kann eine Parallele in der Stellung Kanadas zu den Vereinigten Staaten finden und in der scharfen Opposition der kanadischen Franzosen gegen jedes Projekt, das eine Entfremdung Kanadas von England involviert. Und politisch kann ein selbständiges Palästina nur einer jener zahllosen kleinen Sterne sein, die sich um die wenigen großen Sterne drehten, während Palästina als Teil des britischen Weltreiches eine politische Stellung hat, die weit einflußreicher ist als es seiner Größe und seinem Reichtum zukommt. Diese Zugehörigkeit gibt den Juden auch die Möglichkeit des Einflusses auf große weltpolitische Entscheidungen, woran sie nicht aus irgendeiner Großmannssucht, sondern aus sehr realpolitischen Gründen interessiert sind. Man braucht nur an die Vermeidung von Kriegen zu denken, die auch ohne pazifistische Ideologie eine selbstverständliche Forderung des jüdischen Interesses ist. Auch die Verteidigung jüdischer Rechte in den verschiedensten Ländern wird möglich sein, wenn Palästina Teil des britischen Weltreichs ist, was Wedgwood mit vollem Recht betont hat. Gemeinsame Frauenarbeit Aus Berlin berichtet man uns: Ober „Wille zur G emeinschaft und das Leben der Gegenwar t“, sprach Martin B u b e r in einer Veranstaltung, die schon um der Zusammensetzung ihrer Veranstalter willen hochbedeutsam und zukunftsträchtig für das jüdische Leben der Zeit werden kann: Hatten sich doch über alle prinzipiellen Gegensätze hinweg der „Verband Berlin des Jüdischen Frauenbundes“, die „Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästina“, „Berliner Schwesternverband der Logen U. 0. B. B.“ und sogar die „Großberliner Frauengruppen des Centralvereins deutscher Staatsbürger“ hier zusammengefunden. Der persönlichen Initiative der organisatorisch hochbegabten und ihrer Aufgabe mit Leidenschaft ergebenen Berliner Leiterin der „Frauenarbeitsgemeinschaft für Pa-