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Das jüdische Echo · 1929-04-05 · 14 (5.4.1929) · p. Seite 215

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
14 (5.4.1929)
Date
1929-04-05
Page
Seite 215 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 14 Das Jüdische Echo 215 Die liberale Synagoge lehnt eine Teilnahme an der Jewish Ägency ab London, 25. März. (JTA.) Die Liberale Jüdische Synagoge hat in einer soeben abgehaltenen Konferenz den Beschluß gefaßt, der vom Board of Deputies an sie ergangenen Einladung, Delegierte zu der am 21. April in London stattfindenden Konferenz zur Wahl von Vertretern der englischen Judenheit im Rate der Jewish Agency zu entsenden, nicht Folge zu leisten. Mit 28 gegen 6 Stimmen stimmte die Generalversammlung dem Entwurf eines Antwortschreibens an den Board of Deputies zu, der von dem Präsidenten, Claude G. Montefiore, abgefaßt wurde und unter anderem besagt: Ich bin ermächtigt, Ihnen für die an meine Kongregation ergangene Einladung zur Entsendung von Delegierten für die am 21. April stattfindende Konferenz, in der der Wunsch der englisch-jüdischen Gemeinschaft demonstriert werden soll, an der Verwirklichung des britischen Mandates für Palästina mitzuarbeiten und sich mit anderen bedeutenden jüdischen Gemeinschaften in der Jewish Agency zusammenzuschließen, zu danken. Ich bin ferner beauftragt, Ihnen zu sagen, daß meine Kongregation, obwohl sie gerne, um die Einheit der englisch-jüdischen Gemeinschaft zu demonstrieren, die Einladung angenommen hätte, dennoch der Überzeugung ist, daß das Ziel der Konferenz unsere Teilnahme als Kongregation ausschließt. Unsere Kongregation nimmt gegenüber dem Mandat wie gegenüber der zionistischen Bewegung eine Haltung konsequenter Neutralität ein. Es bleibt noch hinzuzufügen, daß, wenn wir auch in der Frage der Jewish Agency wegen ihrer Zusammenhänge eine offizielle Haltung nicht einnehmen können, wir gerne an jeder von der englischen Judenheit gemachten Anstrengung, den Juden in anderen Ländern dazu zu verhelfen, ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten zu nutzen und ihre politischen und kulturellen Rechte, auf die sie Anspruch haben, zu sichern, teilnehmen würden. Dr. Claude G. Montefiore, der wegen einer Influenza die Versammlung nicht leiten konnte, empfahl in einem besonderen Schreiben der Versammlung, dem Entwurf des Antwortschreibens an den Board of Deputies zuzustimmen. Unter den Mitgliedern der Kongregation, heißt es in dem Schreiben weiter, gäbe es Zionisten, Halbzionisten, Nichtzionisten und Antizionisten; sogar unter den Geistlichen sind die Ansichten geteilt. Die Kongregation als solche sei deshalb nicht in der Lage, das Mandat und die Balfour-Deklaration zu billigen oder zu mißbilligen. Man müsse sich einer offiziellen Stellungnahme hierüber enthalten, ob der Zionismus oder die Balfour-Deklaration oder die Verwirklichung des Mandates eine gute oder nicht gute Sache sei, ob sie ein Vorteil für das Gesamtjudentum oder für das liberale Judentum im besonderen sei. Aus diesem Grundsatz der strikten Neutralität heraus müsse die Kongregation es ablehnen, Delegierte zu einer Konferenz, die eine Agency-Vertretung schaffen soll, zu entsenden. In der Aussprache erklärte sich Rabbi Dr. Mattuck für strengste Neutralität, Harry R. Lewis stellte den Gedanken des Aufbaus Palästinas als eines gesamtjüdischen Werkes in den Vordergrund. L. P. Jacobs führte aus, der Gedanke der Neutralität würde am besten durch Teilnahme an der Konferenz gewahrt sein. Miß Montague führte aus, man sei im Irrtum, wenn man glaube, man sei eingeladen, um eine Meinung zu äußern; man sei eingeladen, um den Wunsch nach einem Nationalheim zü demonstrieren. Es sei deshalb unfair, dorthin zu gehen und zu sagen: Ich habe diesen Wunsch nicht. Das neunte Dominion Von Dr. Chajim Arlosoroff (Neuyork) Colonel Wedgwood, ehemaliger britischer Minister und Mitglied des britischen Unterhauses, den Juden Deutschlands von seiner letzten großartigen Tournee für den Keren Hajessod in vielen deutschen Städten bekannt, hat, was in der gesamten jüdischen Presse ausführlich behandelt wurde, seinerzeit ein Buch unter dem Titel „Das siebente Dominion“ geschrieben. In diesem Buche propagiert er die Umgestaltung Palästinas in ein Dominion des britischen Weltreiches. In der letzten Zeit hat Wedgwood in London eine spezielle Liga für das siebente Dominion geschaffen, die bei der Durchsetzung der Wedgwoodschen Forderung tätig sein soll. Der Plan des siebenten Dominions erregt begreiflicherweise in zionistischen Kreisen aufmerksames Interesse. Die meisten Stimmen stehen dieser Forderung äußerst vorsichtig gegenüber. Sie halten sie vor allem für unzeitgemäß. Nachfolgend veröffentlichen wir die Meinung eines führenden Vertreters der palästinensischen Arbeiterorganisation, Dr. Chaim Arlosoroff, der seit zwei Jahren in Amerika wirkt. In seiner Darlegung, die wir im Auszug wiedergeben, wird das von Wedgwood aufgeworfene Problem sachgemäß behandelt. Das siebente Dominion wird Palästina schwerlich werden, da wohl vorher Indien und die britisch-ostafrikanischen Kolonien den Dominionrang erhalten werden. Wedgwoods und seiner Freunde Ruf zur Umwandlung Palästinas in ein britisches Dominion ist übereilt. Man kann die heutigen Tendenzen der Palästinaregierung kritisieren — und Wedgwoods Kritik in seinem Buche ist vielfach sehr beachtlich, so in der Frage der Munizipalitätenpolitik — ohne der Sache sofort diesen grundsätzlichen Anstrich zu geben, den Wedgwood ihr gegeben hat. Die auch von Wedgwood geführte Diskussion über das zionistische Endziel ist unzeitgemäß. Je später die Juden zu einer GENERALVERTRETUNG Joh*Häusler Thierschstr. 20 *Teh26482 u.296995

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