Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 14 (5.4.1929)
- Date
- 1929-04-05
- Page
- Seite 214 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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214 Das Jüdische Echo Nr. 14 sich ihr auf die Dauer doch nicht entziehen können, ebensowenig wie der Tatsache, daß ein Gesamtjudentum einfach existiert. Die Jugend des Centralvereins sieht das heute schon ein, und wenn auch Herr Lichtenberg meint, daß man dies nicht ernst nehmen dürfe, da man ja nicht wisse, wie sie sich in wenigen Jahren zum Palästinaproblem stellen werde, so verliert die Tatsache selbst dadurch doch nicht ihre große und für den Weg des Centralvereins beinahe symbolische Bedeutung. Die Resolution Lichtenberg stellt wohl nur einen Schritt auf diesem neuen Weg dar; es ist aber doch schon ein großer Fortschritt, wenn der Centralverein in Zukunft darauf verzichtet, auf seine Mitglieder in der Frage des Palästinawerks einen Gewissenszwang auszuüben, wie das bisher nur zu oft versucht wurde, und diese Resolution bedeutet, wie uns scheinen möchte, auch einen großen Fortschritt zur Befriedung des deutschen Judentums, indem sie nach außen seine Einigung und Geschlossenheit in wichtigen und gemeinsamen politischen Aufgaben und nach innen zwar nicht das Ende der geistigen Auseinandersetzung, aber ihre Austragung in vornehmer und tieferer Form ermöglicht. I.E. Dr. Baeck über die Centralvereins-Resolution Berlin, 28. März. (JTA.) Die Jüdische Telegraphen-Agentur hat Herrn Rabbiner Dr. Baeck gebeten, sich über die Agency-Resolution des Centralvereins zu äußern. Herr Dr. Baeck tat das in der folgenden Form: „Wenn Sie mich über die offenbar inzwischen bekanntgewordene Resolution des Hauptvorstandes Centralvereins befragen, so möchte ich, unbeschadet aller Möglichkeit der Einzelbeurteilung ihrer Sätze, eines vor allem hervorheben; die Resolution hat unzweifelhaft ihr Positives; sie hat ihre Friedenstendenz. Sie will von der unbestreitbaren Tatsache ausgehen, daß es unter den deutschen Juden, die im Centralverein zusammengeschlossen sind, Zustimmende und Ablehnende gegenüber der besonderen Aufgabe des Palästina- Aufbaus gibt. Sie will daher weder den einen noch den anderen den freien Platz in der Gesamtorganisation behindern. Sie gibt damit offensichtlich die Stellungnahme in der Palästinafrage frei. Es darf daher die Hoffnung gehegt werden, daß diese Resolution zur Befriedung der deutschen Judenheit beitragen wird. Ihr Positives entspricht dem Wunsche auch einer sehr großen Anzahl der liberalen Juden Deutschlands.“ Die Änglo-Jewish-Ässociation tritt in die Jewish Agency ein London, 25. März. (JTA.) Mit 11 Stimmen gegen die des Chacham Dr. Moses Gaster beschloß der Rat der Anglo-Jewish-Association in seiner am 24. März abgehaltenen Tagung, der Einladung zur Entsendung von Delegierten zu der am 21. April stattfindenden Konferenz der englischen Judenheit Folge zu leisten und an den Vorbereitungen zur Schaffung einer Vertretung der englischjüdischen Gemeinschaft im Rat der Jewish Agency teilzunehmen. Die Delegierten der Association für die englisch-jüdische Konferenz sind Sir Matthew Nathan, Sir Meyer Spielman, Elkan Adler und Harry R. Lewis. TEIHACHER HIRSCHQUELLE rein natürliches Mineralwasser von Weltruf, ärztl. sehr empfohlen bei BLASEN-, NIEREN- und HALSLEIDEN Generaldepot: EDUARD KUHLES # MÜNCHEN RASPSTRASSE 6 TELEPHON 92200 Im Verlauf der Aussprache erklärte der Präsident der Anglo-Jewish-Association, Leonard G. Montefiore, er persönlich könne sich nicht entschließen, eine aktive Rolle in der Agency zu spielen, obwohl er mit dem Palästinawerk, das er während seines Besuches im Heiligen Lande studiert habe, sympathisier«, ja es bewundere. Aber Zionismus stellt nur einen Teil, und nicht den größeren, der gesamten jüdischen Bemühung dar, und es gäbe gewichtige Gründe für die Ansicht, daß die Gemeindearbeit ein so weites und vielgestaltiges Gebiet darstellt, daß einige der Gemeindemitglieder nicht neue Verantwortung auf sich laden sollten. Er stimme aber vollkommen der Meinung zu, daß die Association der geplanten Konferenz nicht fernbleiben dürfe. Man müsse sich aber vergegenwärtigen, daß die Nichtzionisten nicht etwa ihrer schönen Augen oder ihres politischen Einflusses halber eingeladen werden, in die Agency einzutreten. Hauptzweck ist die Verbreitung der Basis der Sammlungen für den Keren Hajessod und andere zionistische Fonds. Wenn einer der vier Vertreter der Association auf der Konferenz zu einem Mitglied der Agency gewählt wird, so wird dies die Association verpflichten, an der Keren-Hajessod-Sammlung teilzunehmen. Joseph Prag wies auf die bisherige Tätigkeit der Association in Palästina (Evelyna-de-Rothschild- Schule usw.) hin und erinnerte daran, daß die Association schon 1923 eine positive Stellung zur Frage der Erweiterung der Jewish Agency eingenommen und beschlossen hatte, zwei Delegierte zu einer Beratung zu entsenden, um die erhabene Idee in der jüdischen Geschichte Ereignis werden zu lassen. Chacham Dr. M. Gaster sagte, als er vor fünfundzwanzig Jahren in der Association über Zionismus sprach, habe er eisige Aufnahme gefunden. Als er dann seine Propaganda über das ganze Land trug, begegnete er stärkster Opposition, und sogar seine Position als Chacham war gefährdet. Nun werde durch die erweiterte Agency der Gedanke einer nationalen jüdischen Auferstehung fallen gelassen und der Zionismus zu einer Sache der Philantropie und der Mildtätigkeit gemacht. Er wünscht nicht, daß der Dollar oder der Sovereign ihre Herrschaft im Zionismus antreten. Er würde seine Lebensarbeit verleugnen, wenn er einer Politik zustimmte, die die Ideale des Zionismus zerstört. Rabbi Dr. Daiches wandte sich in längeren Ausführungen sowohl gegen die zaghafte Art, mit de<r sich Leonhard G. Montefiore dem Gedanken des Palästinawerks nähere, als auch gegen die überspannte Art des Dr. Gaster, der Gefahren sieht, die nicht existieren. Der Zionismus ist nicht derselbe wie vor der Balfour-Deklaration, er ist jetzt eine Bewegung der Tat und suche sein Werk auf der breiten Basis des ganzen Judentums aufzubauen. In dem gleichen Sinne sprach Miß Nettie Adler.