Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 14 (5.4.1929)
- Date
- 1929-04-05
- Page
- Seite 213 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 Das Jüdische Echo 213 General Motors Automobile LORIN/ER & CO Nymphenburger Straße128/ Telephon 61836 Chevrolet 6 Zylinder getragenen vielstündigen Auseinandersetzung, in der Vertreter aller Richtungen ausführlich zu Worte kamen, lehnte der Hauptvorstand mit 47:27 Stimmen den Antrag Bab: „Der Centralverein kann seinem Wesen und seiner Organisation nach die Vertretung der deutschen Juden in einem internationalen jüdischen Komitee nicht übernehmen“ ab, wobei darauf hingewiesen wurde, daß es auch Fälle insbesondere humanitärer Art geben könne, in denen eine solche Mitwirkung auch im Rahmen der Centralvereinsarbeit liegen könne. Darauf nahm der Hauptvorstand in namentlicher Abstimmung mit 48:35 Stimmen folgende Entschließung Lichtenberg und Genossen an: „Für den Centralverein ist die satzungsmäßige wesentliche Aufgabe die Vertretung unserer Ideale und unserer Interessen in der deutschen Heimat. Allem voran steht uns deshalb die Wahrung der Geschlossenheit der deutschen Juden für diese Ziele. Die Tatsache allein schon, daß das Palästinawerk im Kreise der deutschen Juden nicht einheitlich beurteilt wird, und daß weite Kreise die Mitarbeit hieran seiner nationaljüdischen Bedeutung und Wirkung wegen ablehnen — diese Tatsache allein schon bestimmt den Hauptvorstand, unbeschadet aller anderen Gründe, von einer Entsendung von Vertretern in die Jewish Agency abzusehen. Weitere Entschließungen, die sich für eine Mitarbeit an der Jewish Agency aussprachen, waren damit abgelehnt. Bei der Begründung der angenommenen Entschließungen war erklärt worden, zur Frage, ob einzelne Mitglieder für ihre Person der Jewish Agency beitreten können, sei damit nicht Stellung genommen. * * * An der Hauptvorstandssitzung des Centralvereins haben fast 90 von insgesamt 115 Mitgliedern teilgenommen; man wird nicht fehlgehen, wenn man dieses große Interesse auf die Behandlung der Jewish-Agency-Frage zurückführt, die auf die Tagesordnung gesetzt worden war, obwohl der Centralverein bisher, so wenig wie irgendeine andere Organisation, eine Aufforderung zum Eintritt in die Jewish Agency erhalten hat. In dieser Tatsache allein liegt eigentlich schon. ein Beweis gegen den ersten Satz der schließlich angenommenen Resolution; zeigt sie nicht klar und deutlich genug, daß man die Beschäftigung gerade mit dieser Frage als eine Lebensnotwendigkeit auch für das deutsche Judentum empfand, daß man überall das Gefühl hat, wie sehr das Palästinawerk ein nicht mehr zu übersehendes Faktum und eine Verpflichtung für jeden einzelnen Juden bedeutet? Dieses Gefühl hat gewiß in der Entschließung Lichtenberg noch keinen Ausdruck gefunden, aber daß es vorhanden und sehr wirksam ist, darf man einmal aus dem Stimmenverhältnis schließen, das eine außerordentlich starke Minorität aufweist (48:35 Stimmen); dann aber und vor allem auch aus der Qualität dieser Minorität zu der u. a. gehört haben: Justizrat Brodnitz, der Vorsitzende des Centralvereins: Dr. Ludwig Holländer, der Direktor des Centralvereins; Dr. Alfred Wiener, der Syndikus des Zentralvereins; Rabbiner Dr. Leo Baeck; Prof. Georg Bernhard; Dr. Eugen Strauß (Augsburg); Krombach (Essen); Dr. Berlack; R.-A. Haase, R.-A. Dr. Katzenstein (Kassel); Rabbiner Dr. Hahn (Essen); R.-A. Dr. Foerder (Breslau); Landgerichtsrat Erich Hirschberg (Oppeln); die Vertreter der Centralvereinsjugend Dr. Friedrich Brodnitz und Dr. Ludwig Tietz. Wenn man schließlich noch darauf hinweist, daß die Resolution den Mitgliedern die persönliche Stellungnahme freigibt und nach authentischer Interpretation nur die Mitglieder des Präsidiums, nicht einmal die des Hauptvorstandes bindet, so ist es ganz unverkennbar, daß der Palästinagedanke innerhalb des deutschen Judentums einen großen Erfolg errungen hat — ein Jahr nach der extrem palästinafeindlichen Resolution Mecklenburg! Freilich wäre es ganz verkehrt, wollte man annehmen, der führende Kreis im Centralverein wäre nunmehr fast zionistisch oder auch nur prozionistisch gestimmt. Wie wenig das der Fall ist, lassen schon die Ausführungen Georg Bernhards erkennen — eines Mannes, der offen und frei für die Verwirklichung der Balfour-Deklaration und für die Entsendung von Vertretern des Centralvereins in die Jewish Agency eingetreten ist, der aber doch zur Motivierung seiner Haltung Begründungen vorbringt, die nicht nur in vielem an der Wirklichkeit Vorbeigehen, sondern auch der Eigenart und dem Wesen, der Größe und Bedeutung des Palästinawerks nicht gerecht werden. Er hat Vorbehalt auf Vorbehalt gehäuft; die schütz- und heimatlosen Ostjuden müssen ihm dazu dienen, den Ausdruck „national“ zu entschuldigen; eine jüdische Gesamtverantwortung mußte für ihn erst durch internationale Verträge geschaffen, das Palästinawerk muß vor einseitiger zionistischer Beeinflussung geschützt werden und was dergleichen mehr ist. Aber der Gewalt des Palästinawerks kann sich Bernhard eben doch nicht entziehen und es ist schön, daß ihm die Überführung der Verfolgten und Gedemütigten nach Palästina eine symbolische Wiederholung der Hinausführung aus Mizrajim bedeutet — hoffen wir, daß er sich dabei darüber klar ist, daß durch diese Hinausführung die jüdische Nation entstand. Herr Lichtenberg, der Korreferent glaubt, daß die Mitarbeit in der Jewish Agency den Satzungen des Centralvereins widerspreche, daß der Hauptvorstand diese Frage nicht entscheiden könne, wenn er nicht gegen grundlegende Beschlüsse der Hauptversammlung verstoßen wolle. Mit seiner Ansicht, daß die Beteiligung an der Jewish Agency einen Wendepunkt in der Geschichte des Centralvereins bedeuten würde, dürfte er nicht ganz im Unrecht sein, um so mehr dagegen mit seiner Beurteilung der Haltung der englischen und vor allem der amerikanischen Juden, denen er merkwürdigerweise Englandfeindschaft als Motiv ihrer Mitarbeit am Palästina-Aufbau unterschieben möchte. Die Mitverantwortung und Mitgarantie für den Palästina-Aufbau darf der Centralverein seiner Ansicht nach nicht übernehmen ■— er wird