Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 14 (5.4.1929)
- Date
- 1929-04-05
- Page
- Seite 212 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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212 Das Jüdische Echo Nr. 14 fassen, weil ein solcher gegen die grundlegenden Beschlüsse der Hauptversammlungen verstoßen würde. Eine Mitarbeit an der Jewish Agency unterhöhle nach der Überzeugung des Redners die Basis unserer ganzen Bewegung. Denn allein entscheidend sei der Wortlaut des Artikels 4, Absatz 1 des Mandates, wonach eine geeignete jüdische Vertretung als eine öffentliche Körperschaft geschaffen werden solle, um der Verwaltung Palästinas Rat und Mitarbeit zu gewähren bei der Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte; der Absatz 2 des Artikels 4 des Mandatstextes betone demgemäß, daß im Einvernehmen mit der englischen Regierung die zionistische Organisation die Mitarbeit aller Juden sichern solle, die gewillt sind, bei der Errichtung der jüdischnationalen Heimstätte zu helfen. Damit würde also ein Eintreten des Centralvereins bzw. seiner führenden Persönlichkeiten nichts anderes als die Beteiligung an einem jüdischen Parlament bedeuten. Er würde also mitverantwortlich und mitgarantierend sein für den Aufbau dieser jüdischnationalen Heimstätte unter dgr Oberherrschaft Englands. Es sei etwas ganz anderes, wenn die nichtzionistischen englischen und amerikanischen Juden in die Jewish Agency einzutreten sich entschlossen hätten, denn sie wahren damit gerade die nationalen Belange Englands und Amerikas. Für die englischen Juden bedürfe das keiner weiteren Begründung. Aber auch die amerikanischen Juden hätten bei dem weltpolitischen Gegensatz zwischen England und Amerika als Amerikaner das Interesse daran, zu verhindern, daß England allein entscheidend in dem für die 3. nfa IU iUYAM KUHLRAUMEN bholung Kostenlos Weltpolitik so wichtigen Palästina werde. Ganz anders läge die Sache für uns. Wir könnten unsere Entscheidung nur nach der augenblicklichen Konstellation der Welt treffen. Danach müsse aber heute festgestellt werden, daß die weltpolitische Geltung Deutschlands besonders gegenüber England und Amerika noch so gemindert sei, daß wir irgendeine Bedeutung a 1 s Deutsche in einer solchen Vertretung unmöglich gewinnen könnten. Auf der einen Seite übernähmen wir also für die Gesamtjudenheit gleichsam eine Garantie gegenüber England, während auf der anderen Seite die praktische Bedeutung dieser großen Verantwortung ganz verschwindend sein müsse. Es sei dem Redner bekannt, daß gerade die auf dem Boden des Centralvereins stehende Jugend aus ihrem jüdischen Idealismus heraus ein Eintreten des Centralvereins in die Jewish Agency zu einem sehr großen Teil wünsche. Niemand aber könne mit Sicherheit sagen, wie schon in einigen Jahren diese Jugend sich zum Palästinaproblem stellen werde. Wir könnten und dürften in dieser Grundfrage nur so entscheiden, wie es die Geschichte und Arbeit des Centralvereins nach des Redners Ansicht klar fordere. In der eben erschienenen Schrift Dr. Holländers: „Deutschjüdische Probleme der Gegenwart“ habe dieser ausgeführt, daß Kompromisse in unseren Hauptfragen niemals geschlossen werden könnten. Um eine Hauptfrage aber gehe es hier. Vor allem auch um deswillen, weil wir durch unseren Beitritt die politische Einheit des Gesamtjudentums bejahen würden. Das Vorhandensein eines solchen politischen Gesamtjudentums habe aber der Centralverein stets verneint. Wenn er jetzt einen anderen Standpunkt einnehme, so würde damit vor allem unser Kampf gegen die nationalsozialistische Bewegung auf das höchste gefährdet. Gerade das Referat des Abgeordneten Dr. Haas am gestrigen Abend habe gezeigt, wie schwer in den nächsten Jahren der Kampf um die Wahrung der Rechte der deutschen Juden sein würde. Dieser Kampf müsse die Grundlage und das allein wesentliche Arbeitsfeld unserer Bewegung bleiben. Das Wort unsers Führers Holländer, „das Entscheidende müsse auch als das Entscheidende anerkannt werden“, müsse uns hier leiten. Danach müsse die Entsendung von Delegierten seitens des Centralvereins in die Jewish Agency und die Mitarbeit unserer Führer in ihr als nicht zu unserem Aufgabenkreis gehörig abgelehnt werden. Die Aussprache berührte folgende Möglichkeiten einer Stellungnahme. Ein Teil unserer Freunde erklärte den Centralverein seinem Wesen und seinem Aufgabenkreis nach als unzuständig, sich mit einem außerdeutschen jüdischen Problem zu befassen. Eine zweite Richtung wünschte aus gesinnungsmäßiger Ablehnung jedes Palästina-Aufbaus auf national-jüdischer Grundlage die ausdrückliche Feststellung, daß der Eintritt in die Jewish Agency mit der Arbeit im Centralverein unvereinbar sei. Dieser Ansicht entgegengesetzt forderte eine dritte Gruppe die Beteiligung des Vereins als solchem an der Jewish Agency durch Entsendung von Vertretern im geeigneten Zeitpunkt. Zwischen ihnen stand eine in ihrer Abstufung zwar unterschiedliche, im grundsätzlichen jedoch übereinstimmende Anschauung, die die offizielle Beteiligung des Vereins ablehnte, jedoch den Eintritt von Vereinsmitgliedern als Privatpersonen in die Jewish Agency freistellte. Nach einer von starkem Verantwortungsgefühl