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Das jüdische Echo · 1929-03-29 · 13 (29.3.1929) · p. Seite 203

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
13 (29.3.1929)
Date
1929-03-29
Page
Seite 203 (sequence 20)
Language
German
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Nr. 15 Das Jüdische Echo 205 Störche wegzuscheuchen! Es ist ein Glücksfall, ich weiß es — eine besondere Schicksalsgunst, anderwärts nicht nachahmbar. Immerhin wurde bewiesen, daß Gewaltlosigkeit möglich ist — wenn auch vielleicht nur hier, wenn auch nur unter diesen außergewöhnlichen Umständen, am Rand der Wüste, im Niemandsbesitz. Was ihm vordem „Strafkolonie“ dünkte, wird ihm jetzt zu einem Gnadenfall. Die Gnade liegt darin, daß es noch Ländei gibt, irr denen die Menschheit von vorn anfangen darf. Die Notwendigkeit blutiger Weltrevolution ist dadurch natürlich nicht widerlegt. Für Europa gilt vielleicht das Rezept des Emek nicht — aber eines, in aller Vorsicht gesprochen: der Emek mag wohl kein allgemein brauchbarer Ausweg aus der Hölle der Gewalt sein, er ist eine ganz seltene, einmalige Situation, vielleicht aber doch noch etwas mehr als das — nämlich ein Zeichen, ein Wink, die ganze Frage des gewaltlosen Sozialismus noch einmal durchzudenken. Es gibt ja noch überall, auch noch im Herzen Europas, Wüsten. So etwa rund um Rom. Und wie leere Riesenflächen in anderen Weltteilen! Entschlösse sich ein Weltparlament, zumindest das, was an Erde noch unbebaut ist, menschenwürdig zu besiedeln, in Gerechtigkeit ■— es könnte vielleicht das Ärgste vermieden und durch den Druck der neuen besseren Wirtschaftsformen das verdorbene Alte in letzter Stunde zur Vernunft gebracht werden? Personalia München. Am 22. März verschied nach kurzem Krankenlager, im Alter von nur 29 Jahren, Frau Hedwig Stern, die Gattin des hiesigen Stadtsyndikus, Dr. Fritz Stern und Tochter des Vorsitzenden des Vorstands der jüdischen Gemeinde München, Herrn Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer. Kaum je hat ein Todesfall so tief alle Kreise der Münchner jüdischen Gemeinde erschüttert. Denn ganz abgesehen von dem Mitgefühl mit den schwergeprüften Angehörigen ist es der außerordentlich hohe Wert der Persönlichkeit, deren Verlust allseitig auf das schmerzlichste beklagt wird. Die Dahingeschiedene hat sich schon in ganz jungen Jahren als Lehrerin des Hauswirtschaftlichen Faches an Frauenschulen einen Namen gemacht und wurde in dieser Eigenschaft als Leiterin der bekanntesten jüdischen Hauswirtschaftsschule Deutschlands nach Frankfurt a. M. berufen, wo ihre ganz besonders erfolgreiche Wirksamkeit, die nur durch ihre Verheiratung ein vorzeitiges Ende erfuhr, in bestem Gedenken steht. Dazu kamen noch bei der Heimgegangenen ungewöhnliche Vorzüge des Charakters, eine Natürlichkeit, Schlichtheit, Offenheit und Wahrheit im Denken, Sprechen, Wirken und Leben, wie sie nur ganz Auserwählten zu eigen ist. Obwohl Tag und Stunde der Beerdigung nicht öffentlich bekanntgemacht waren, fand dieselbe doch unter zahlreichster Beteiligung aller Mitfühlenden statt, und die trostreichen erhebenden Worte des Herrn Rabbiners Dr. Bärwald lösten in allen Anwesenden eine weihevolle Stimmung aus. Am 24. März beging in voller körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag Herr Oberlehrer a. D. Heinrich Friedmann, der von 1884 bis 1920 als Religionslehrer an den Münchener Volks¬ und Mittelschulen tätig war und so wohl einen ganz großen Teil der heutigen Münchener Juden miterzogen hat. Seine ehemaligen Schüler wie die ganze israelitische Gemeinde gedenken ihres Lehrers an diesem Tage mit dankbaren und herzlichen Gefühlen. Vornehme Beleuchtungskörper Zuglampen Tisch- und Ständerlampen Alabasterschalen J.WINHART&Co. Marsstrasse 7 (am Hauptb.) Geschäftliches Die bekannte Pension Wolff in Partenkirchen, Hellwegerstraße 7, wird durch Anbau bedeutend vergrößert, so daß sie nunmehr 36 Betten enthalten wird, jedes Zimmer mit fließendem kaltem und warmem Wasser, Zentralheizung und Balkon. Gemeinden-u.Vereins-Echo Buchausstellung in der Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde Wie man auch zu dem „Tag des Buches“ stehen mag, ob man sich von seiner Durchführung etwas erwartete, oder nicht zu glauben imstande ist, daß durch einen mehr oder weniger oberflächlichen Propagandaansturm die Stellung des Menschen dieser Tage zum Buche geändert werden kann: man muß zugeben, daß er doch manch fruchtbaren und positiven Gedanken zutage gefördert hat. Eine in jeder Beziehung gute Idee war es, eine Ausstellung des jüdischen Buches zu veranstalten; es ist nur zu bedauern, daß diese Zeilen niemand mehr zum Besuch der Ausstellung anregen können, die leider zu rasch geschlossert werden mußte. Dabei soll keineswegs gesagt werden, daß sie nicht noch in vieler Beziehung hätte besser sein können. Aber wenn man bedenkt, daß sie als ein erster Versuch gewertet werden muß, wenn man die nun einmal für diesen Zweck sehr beschränkten räumlichen Verhältnisse des Bibliotheksaales berücksichtigt, wenn man ferner die unerhörte geographische und historische Ausbreitung jüdischen Buchwesens sich klar macht, so wird man gerne bekennen, daß sie Bedeutendes und Schönes, in glücklicher Auswahl und übersichtlich aufgebaut, gezeigt hat. Die Bibel, hebräisch und in Übersetzungen, der Talmud (u. a. in der von Strack besorgten photographischen Reproduktion der einzigen Münchener Handschrift), Hagadoth (darunter auch die hervorragende Nachbildung der Darmstädter Hagadah), waren in vielen Ausgaben zu sehen. Auch einige alte venezianische Drucke waren vorhanden, an deren prachtvollen edlen Druck man sich erfreute. Jüdische und hebräische Lexika, Gebetbücher, Bücher zur hebräischen Philologie, zur jüdischen Geschichte und Philosophie, zur jüdischen Mystik, aus dem Gebiete des Zionismus, über Palästina, aus der jiddischen und hebräischen Literatur, in Ladino dem spanischjüdischen Idiom. Zeitschriften und jüdische Kinderbücher vermittelten einen Begriff von der Bedeutung des Buches im jüdischen Leben. Ungern nahm man Abschied von dieser Ausstellung, und man kann nur hoffen, daß es bei diesem ersten Versuch nicht bleibt, daß sich der fruchtbare Gedanke einer jüdischen Bücherschau noch einmal

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