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Das jüdische Echo · 1929-03-29 · 13 (29.3.1929) · p. Seite 200

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
13 (29.3.1929)
Date
1929-03-29
Page
Seite 200 (sequence 8)
Language
German
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209 Das Jüdische Echo Nr. 13 Wischniakowa, den Schulkindern erzählt, daß die Juden ihre Mazze mit Christenblut backen und daß man kürzlich an der Wolga einen Juden erwischt hat, in dessen Korb man zehn Kinderleichen gefunden hat. Die Zeitung fragt, was die übergeordnete Schulbehörde gegen diese Lehrkraft unternommen hat. Die Novomeyski-Gruppe erhält definitiv die Tote-Meer-Konzession London. 19. März. (JTA.) Auf eine Anfrage von Howard Bury erwiderte Unterstaatssekretär Ormsby Gore, die Konzession zur Ausbeutung der Salze des Toten Meeres, die im Prinzipe an die vom Ingenieur Novomeyski und Major Tulloch vertretene Gruppe verliehen worden ist, werde höchstwahrscheinlich noch vor Ende Mai unterzeichnet werden bzw. in Wirksamkeit treten. Es besteht kein Zweifel, daß Novomeyski und Tulloch in der Lage sind, die nötigen Einanzmittel zur Realisierung der Konzession aufzubringen. Die Regierung erachte es deshalb für unnötig, sich nach mehr qualifizierten Konzessionären umzusehen, wie dies Howard Bury vorgeschlagen hat. Eine Synagoge aus der Zeit Philos auf Kreta entdeckt Athen, 20. März. (JTA.) Professor Andreas teilt mit, er habe auf der Insel Kreta Reste einer Synagoge entdeckt, die, wie er glaubt, 1900 Jahre alt ist und aus der Zeit Philos stammt. Die Mauern sind aus Alabaster und enthalten Inschriften in hebräischer und griechischer Sprache. 1923 kamen 15 000 Juden nach Amerika N e u y o r k , 20. März. (JTA.) Wie der Präsident der Einwandererschutzgesellschaft Hias of America, Herr Abraham Herman, mitteilt, sind im Verlauf des Jahres 1928 rund 15 000 Juden nach Amerika gekommen. Der Bericht des Hias- Präsidenten befaßt sich mit den Fortschritten der jüdischen Einwanderung in die südamerikanischen und in andere Länder, die Hias in Gemeinschaft mit EMIGDIRECT und ICA seit zwei Jahren fördert. Eine Zw.ei-Millionen-Dollar-Synagoge als Geburtstagsgeschenk für Stephen Wise Neuyork, 19. März. (JTA.) Aus Anlaß des 55. Geburtstages von Rabbi Dr. Stephen S. Wise, der auf den 17. März gefallen ist, haben die Freunde des Jubilars beschlossen, eine seinen Namen tragende monumentale Synagoge mit einem Kostenpreis von zwei Millionen Dollar erbauen zu lassen. Ein Grundstück im Umfange von 30 000 Quadratfuß wurde bereits für eine Million Dollar erworben. Rabbi Stephan Wise ist der Begründer der Free Synagogue in Neuyork und seit 1907 Rabbiner. Er ist auch Begründer und Präsident des Jewish Institute of Religion. Seit 1924 ist er Präsident des American Jewish Congress. Er ist einer der Führer der zionistischen Bewegung und Vizepräsident des Aktionskomitees. 100 000-Dollar-Vermächtnis für die hebräische Universität Neuyork, 18. März. (JTA.) Der am 1. März in Neuyork verstorbene Arzt Dr. Benedict Weisman hat über 100 000 Dollar zugunsten der hebräischen Universität hinterlassen. Laut dem Testament werden zunächst Verwandte die Nutznießung haben; nach deren Tode fällt das Kapital der hebräischen Universität zu. Die Palästina-Einwanderung Jerusalem, 20. März. (JTA.) Der Januar 1929 wies eine beträchtliche Zunahme der Einwanderung von Juden in Palästina auf. Laut den soeben veröffentlichten Zahlen kamen im Januar 481 Einwanderer, unter ihnen 352 Juden, nach Palästina; in dem gleichen Monat verließen 173 Personen, unter ihnen 89 Juden, das Land. Im Dezember 1928 wanderten 107 Juden ein, 99 Juden aus. Die Chaluz-Aliiah Jerusalem, 20. März. (JTA.) Die Zionistische Exekutive unterbreitete der Palästinaregierung ein Memorandum, in welchem um die sofortige Gewährung von weiteren 300 Zertifikaten für Chaluzim-Einwanderer ersucht wird. Feuilleton In der Siedlung „Erbsenhügel“ Von Max B r o d (Aus dem letzten Kapitel von Max Brods eben erscheinenden Roman „Zauberreich der Liebe“. [Paul Zsolnay Verlag, Berlin, Wien 1928], das uns der Verlag freundlichst zum Abdruck überlassen hat.) Copyright by Paul Zsolnay Verlag, Berlin, Wien Christof streift tagelang allein durch die Siedlung, spricht mit dem und jenem. Dabei kommt er sich recht touristisch-überflüssig vor. Und doch treibt ihn Notwendigkeit. Unter dem tiefblauen, stets wolkenlosen Himmel bildet sich ihm Gartas Zimmer im nebligen Prag. Was dort gedacht wurde; ein werktätiges Leben in voller Natürlichkeit und dabei von vollendeter Reinheit ■— stets hat Christof diese Sehnsucht, an der Richard zugrunde gegangen ist, für unmöglich, ja für gefährlich unirdisch gehalten und eben daher sein Recht auf Kompromisse abgeleitet. Und hier also, am Wüstenrand, sollte ohne alles Kompromiß Richards Sehnsucht erfüllt sein? Es ist klar, die jungen Menschen hier leben unter Opfern, die man in Europa für unmöglich erklären würde. Aber haben sie nicht ein ungeheures Glücksgewicht in sich? Sie können sich sagen, daß sie weder der Rasse noch der Gesellschaft etwas schuldig bleiben, weder ihrem Volk noch dem Menschheitsideal, weder der Vergangenheit noch der Zukunft. Die vollständige Unschuld inmitten der sündenbeladenen Welt — niemandem wehtun, gegen alle hin mit äußerster Anspannung das Rechte zu leisten — in dieser höchsten Steigerung kennen wir ja die Rechtschaffenheit nicht. Wer von uns könnte alsp beurteilen, ob sie auf ihrer obersten Stufe nicht zu eher alles Leid übertönenden Triumphmusik wird, die uns unbekannt bleibt, uns, die ja doch immer wieder das Gewissen sticht — und ist man auch schon abgestumpft, ein dumpfer Druck ist täglich neu zu übertäuben — die Menschen von Giwath- Afunah aber leben frei von diesem Druck. Den Sündenfall Adams ausgelöscht haben aus eigener Kraft — wolkenlose Ruhe dieser kämpfenden Herzen. 99999999999^

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