Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 13 (29.3.1929)
- Date
- 1929-03-29
- Page
- Seite 198 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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198 Das Jüdische Echo Nr. 13 „Grundsätze primitivster Ökonomie“, wie die „Jüdisch-liberale Zeitung“ in ihrer einleitenden Bemerkung zum Brief Dr. Jacobs schreibt. In der Tat, sehr primitv, allzu primitiv scheint uns diese Rechnung, sie ist ja doch nur aufgemacht, um den Keren Hajessod eins auszuwischen. Denn auch diese Interessenten wissen genau, daß allgemein für beide Zwecke nur die Juden geben, die heute noch oder heute wieder irgendwie jüdisch interessiert sind, sich mit dem Judentum irgendwie noch verbunden fühlen, und sie dürften wissen, daß diese Kreise, zu denen bestimmt Zionisten und Keren-Hajessod-Zahler gehören, tatsächlich auch Keren Hajessod zahlen, ohne die jüdischen Institutionen in Deutschland zu vergessen, und bei allen ihren Besorgnissen werden, oder sollten sie zumindest wissen, wo die Hauptmasse jener Indifferenten sitzt, die weder für Keren Hajessod noch für andere Zwecke aus jüdischer Interesselosigkeit zu haben sind — nämlich im liberalen Lager, und zwar in der streng antizionistischen Abteilung. — Hier wäre für liberale Seelsorger ein ungemein fruchtbares und viel produktiveres Gebiet; hier könnten sie ihre Energie weit besser und positiver verwenden als in versteckten Angriffen auf den Keren Hajessod. Genau das Gegenteil dessen, was die Herren behaupten, ist richtig; durch die zionistische Arbeit, durch die Werbung für den Keren Hajessod wurden und werden ja erst viele Juden wieder für ihr Judentum interessiert und gewonnen. Die Lektüre der auf der Keren-Hajessod-Kundgebung gehaltenen Reden der Nichtzionisten wird für die Herren auch in dieser Beziehung sehr lehrreich sein. Es ist ganz klar, je größer die Zahl bewußter Juden, um so größere Keren-Hajessod-Ergebnisse, um so stärker aber auch die Unterstützung aller positiv-jüdischen Einrichtungen und Lehrstätten durch die deutschen Juden. H. W.-V. Central-Verein und Jewish Ägency Berlin, 25. März (JTA.) Der Hauptvorstand des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat am Sonntag, dem 24. März, in einer aus dem Reiche und Berlin stark besuchten Sitzung Stellung zum Eintritt in die Jewish Agency genommen. Über das Ergebnis der Sitzung wird uns mitgeteilt; Nach Referaten der Herren Prof. Georg Bernhard (Berlin), der den Eintritt des Central-Vereins als solchen befürwortete, und Rechtsanwalt Alfred Lichtenberg (Hannover), der ihn ablehnte, wurden nach einer eingehenden Aussprache verschiedene Entschließungen vorgelegt. Eine Entschließung Julius Bab und Genossen; „Der Central-Verein kann seinem Wesen und seiner Organisation nach die Vertretung der deutschen Juden in einem internationalen jüdischen Komitee nicht übernehmen“, wurde abgelehnt, dagegen eine Entschließung Lichtenberg-Wertheim und Deutsche Nfeuwäscherei Gt.m.h.H. FELIX BBANDNEB * MÜNCHEN Thierschstraße 21 Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kragen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tage Genossen mit 48 Stimmen gegen 35 angenommen, die lautet: „Für den Central-Verein ist die satzitngsmäßige wesentliche Aufgabe die Vertretung unserer Ideale und unserer Interessen in der deutschen Heimat. Allen voran steht uns deshalb die Wahrung der Geschlossenheit der deutschen Juden für diese Ziele. Die Tatsache allein schon, daß das Palästinawerk im Kreise der deutschen Juden nicht einheitlich beurteilt wird, und daß weite Kreise die Mitarbeit hieran seiner national-jüdischen Bedeutung und Wirkung wegen ablehnen ■— diese Tatsache allein schon bestimmt den Hauptvorstand unbeschadet aller anderen Gründe von einer Entsendung von Vertretern in die Agency abzusehen.“ Damit ist deutlich gesagt, daß der Hauptvorstand des Central-Vereins offizielle Vertreter aus dringenden Gründen in die Agency nicht entsenden kann, ohne daß denjenigen seiner Freunde, welche die Agency unterstützen wollen, Steine in den Weg gelegt werden sollen. (Wir werden auf diesen Beschluß noch zurückkommen. Die Red.) Zu Einsteins Geburtstag Prof. Albert Einstein stellte der „Jüdischen Rundschau“ nachfolgenden Brief zur Verfügung, den er von M. M. Ussischkin erhalten hat: Jerusalem, den 5. März 1929. Hochgeehrter Herr Professor! Ich habe in meinem Leben schon viele Gratulationsbriefe geschrieben zu den verschiedensten Jubiläen, sowohl an Persönlichkeiten wie auch an Institutionen. Glauben Sie mir, daß mir noch kein Glückwunschschreiben so viel Freude bereitet hat, als das heutige, wo ich Sie zu Ihrem 50. Geburtstag begrüße. Ich sage offen, ich begrüße in Ihnen nicht den genialen Gelehrten .— das mögen andere tun ■— ich begrüße in Ihnen den Juden, der einen Wendepunkt in der Geschichte der Juden bedeutet. In unserer viertausendjährigen Geschichte haben wir eine große Anzahl genialer Männer gehabt. Männer jedoch, die sowohl in der Welt berühmt, wie auch mit ihrem ganzen Leben mit den Juden, dem Judentum und seinen Interessen verknüpft waren, hatten wir nur zu der Zeit, wo wir ein selbständiges Volk in unserem Lande waren. Die Propheten Moses, Jesaja, Jeremias, König David sind in der Geschichte der Menschheit verewigt; sie sind aber auch verewigt in der Geschichte des jüdischen Volks, dem sie entstammten. Seit wir unser Land verlassen haben, haben wir ebenfalls eine große Anzahl genialer Männer hervorgebracht. Aber diese waren entweder innerhalb ihres Volkes groß und in der allgemeinen Geschichte der Welt unbekannt, oder sie waren berühmt in der Geschichte der Welt, ihrem eigenen Volke aber waren sie nichts und sogar oft schädlich. Ich will keine Namen nennen, es ist aber nicht schwer, diese zu erraten. Das Gesagte gilt nicht nur für die Verstorbenen, es trifft auch für viele Lebende zu. 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