Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1929-03-29 · 13 (29.3.1929) · p. Seite 197

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
13 (29.3.1929)
Date
1929-03-29
Page
Seite 197 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9103083-9162031--09300-9082208
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 13 Das Jüdische Echo 197 Gleichgültig ob nun die Ereignisse in Hannover als Signal zu einem solchen Kampf zu gelten haben oder nicht, jedenfalls zeigt dieses beschämende Kapitel zur Naturgeschichte des jüdischen Liberalismus wieder einmal deutlich genug, wie man ihn einzuschätzen hat, mit. welchen Methoden die Liberalen den Kampf um ihre Macht zu führen gedenken, einen Kampf, in dem ihnen alles wichtig sein mag, nur nicht das Entscheidende, nur nicht das, worauf cs eigentlich ankommt, die jüdische Zukunft. I. E. Freunde und „Interessenten66 Die Bedeutung des Keren Hajessod', des Palästina-Aufbau-Fonds ist in den letzten Wochen bei den verschiedensten Gelegenheiten in erfreulichem Maße in dem Vordergrund gerückt worden. Bot Einsteins 50. Geburtstag Gelegenheit, ihn ebensosehr als Gelehrten wie als treuen Juden zu feiern, ihn zu feiern ganz besonders als leidenschaftlichen Anhänger der Palästinasache, so war es ebensosehr die diesjährige Landesversammlung des Keren Hajessod und die ihr vorausgegangene große Kundgebung in den Kroll-Sälen, die das Interesse der jüdischen Öffentlichkeit am Palästina-Aufbau in erhöhtem Maße auf sich bezog und bewies. Diese in äußerem Rahmen wie nach rhetorischem Inhalt gleich bedeutsame Demonstration des deutschen Judentums, dessen beste Repräsentanten alle deutschen Juden mit ihrem Bekenntnis zu Palästina zur Sammlung und Tat unter diesem Zeichen aufriefen, sie setzt in gewissem Sinne den Schlußstrich unter eine bald neunjährige Arbeit des deutschen Zionismus für den Keren Hajessod, sie zieht das Fazit dieser aufopferungsvollen, nur langsam Früchte tragenden Werbetätigkeit für den Gedanken des Palästina-Aufbaus, und sie zeigt trotz des auch heute noch erschreckenden Mißverhältnisses zwischen Möglichkeit und Leistung die Erfolge dieses langen Weges. Was hat der deutsche Keren Hajessod in diesen Jahren erreicht? Es ist gelungen, dem Keren Hajessod verhältnismäßig bescheidene, aber stetige und ansteigende Beträge zuzuführen, und dies in ziemlicher Regelmäßigkeit, ohne plötzliche große Ausfälle, wie wir das in Amerika erleben mußten, es ist gelungen, das angesetzte Kontingent fast stets zu erreichen, wenn nicht zu überschreiten — und wer mit den Nöten der kolonisatorischen Arbeit vertraut ist, \veiß, was svnlch sichere, regelmäßig eingehende Posten im Budget bedeuten —, es ist das alles erreicht worden trotz heftiger, offizieller Gegnerschaft zahlenmäßig großer jüdischer Organisationen, trotz jahrelanger Krise drüben, die ja notwendig auf Aktivität der Zionisten wie Gebefreudigkeit der Spender rückwirken mußte. Das Beste an diesem Erfolg aber scheint uns über das Finanzielle hinaus die Tatsache zu sein, daß es, nicht zuletzt dank der überragenden Persönlichkeit Kurt Blumenfelds gelungen ist, den Keren Hajessod in d'en Augen der deutschen Juden über einen anderen Spendensamlungen eigenen philanthropischen und almosenhaften Charakter prinzipiell hinauszustellen; mit anderen Worten: die Keren-Hajessod-Zahler, auch soweit sie noch nicht das ideale Prinzip der Selbstbesteuerung voll bei sich durchführen, sind sich in ihrer großen Mehrzahl bewußt, daß der Palästina-Aufbau heute ein gemeinsames Werk aller Juden, eine Aufgabe der gesamten Judenheit ohne Unterschied der Partei, ein alle Juden mit gleicher Verantwortung belastendes Unternehmen darstellt: nichts beleuchtet dieses verantwortungsvolle Bewußtsein and diesen Aufbauwillen mehr als die Stetigkeit der Spenden, kaum irgendwann fand beides beredteren Ausdruck als in den Worten, die Oskar Wassermann in den Kroll-Sälen als Vorsitzender des Keren-Hajessod-Präsidiums über diese Aufgabe und diese Verantwortung der deutschen Juden gesprochen hat. Felix Rosenblüth hat Recht, wenn er in seiner darauffolgenden Rede sagte: Vor 10 Jahren wäre eine solche Rede aus dem Munde Wassermanns nicht möglich gewesen. Denn dazwischen liegt das Werden der palästinensischen Wirklichkeit, ist in zehn Jahren jüdisches Leben in Palästina entstanden und so, wie der Keren Hajessod zu seiner Bildung beigetragen hat, so und noch viel mehr hat die jüdische Realität dem Keren Hajessod neue Möglichkeiten gegeben: einer der Redner auf der Kundgebung, ein Nichtzionist, hat es erneut bekannt: Was dort geschieht, hat auf mich so tiefen Eindruck gemacht, daß ich nicht verstehen kann, wie heute noch ein Jude indifferent oder antipalästinensisch gesinnt sein kann. Demgegenüber erscheinen die Versuche gegnerischer jüdischer Organisationen oder Blätter, wie der „Central-Vereins-Zeitung“ oder der „Jüdischliberalen Zeitung“, diese Realität zu negieren, den Keren Hajessod zu bekämpfen, kleinlich und heute schon — unzeitgemäß. Wenn wir uns trotzdem mit den in letzter Zeit häufigen Angriffen dieser Blätter befassen, so deswegen, weil der in beiden Blättern veröffentlichte Brief des Herrn Rabbiner Dr. Jacob und der des Herrn Moritz Rosenthal doch Anlaß geben, die darin enthaltenen nicht neuen Vorwürfe — zu einem offenen Angriff auf den Keren Hajessod scheint den Herren doch der Mut gefehlt zu haben ■— einmal wieder auf Ihre Stichhaltigkeit zu untersuchen. Herr Dr. Jacob verlangt, daß mindestens die gleiche Summe, die für den Keren Hajessod außer Landes geht, auch für deutschjüdische Karitative oder wissenschaftliche Zwecke von jedem Zeichner aufgebracht wird; Herr Rosenthal fordert in der „Jüdisch-liberalen Zeitung“ den entschiedenen Vorrang der Einrichtungen in Deutschland. Ein so enragierter Gegner des Keren Hajessod wie Herr Dr. Jacob ist also immerhin schon so bescheiden geworden, daß er, den Keren Hajessod als solchen anerkennend, eine Art Betriebs-Sammel-Gemeinschaft auf halb und halb mit diesem Fonds für die jüdischen Erziehungs- Institute, Wohlfahrtseinrichtungen usw. in Deutschland proklamiert; denn was dem Keren Hajessod zufließt, geht den genannten Zwecken verloren: so argumentieren die Herren in Anwendung ihrer Wanderer MOTORWAGEN sind in Qualität und Leistung unerreicht. Verkauf durch: loh. Winklhoier & Söhne München 50 Forstenrieder Straße 53 / Telephon 73844

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.