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Das jüdische Echo · 1929-03-29 · 13 (29.3.1929) · p. Seite 196

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
13 (29.3.1929)
Date
1929-03-29
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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196 Das Jüdische Echo Nr. 13 Synagogengemeinde mit ihrem Geld zu unterstützen, um den ausländischen Juden und Zionisten die Möglichkeit zu geben, die Gemeinde in ihrem Sinne zu leiten, Gelder ins Ausland zu schaffen und die Betstuben und sonstigen unnötigen Kultuseinrichtungen zu unterhalten. Dabei ist zu bemerken, daß Zionisten und Ostjuden bisher keinen einzigen Vertreter in der Repräsentanz und im Vorstand der Gemeinde hatten, da sämtliche von ihnen aufgestellten Kandidaten in Anbetracht des ungerechten Wahlrechts überstimmt worden waren. Hs war also lediglich die Angst vor zukünftigen zionistischen Vertretern in der Repräsentanz, die die Liberalen zu einem Ultimatum bestimmte, das faktisch die Existenz der Gemeinde aufs Spiel setzt. Angesichts dieser sehr ernstgemeinten Drohung, die schriftlich niedergelegt wurde und die eigenhändige Unterschrift von 30 bis 40 der stärksten Steuerzahler (vorwiegend Bankiers und Warenhausinhabern) trug, glaubte die Majorität der Repräsentanten, welche sich gegen die Liberalen und ihre Forderungen geäußert hatte, die Verantwortung für die Geschäftsführung der Gemeinde nicht länger tragen zu können, zumal bei der Verwirklichung der Austrittsdrohung seitens der Liberalen ein Konkurs der Gemeinde unvermeidlich schien. (Auch dies störte die Liberalen nicht, ja privatim äußerte man die Absicht, die Synagoge aus der Konkursmasse zu erwerben). Die Repräsentanten und Vorstandsmitglieder beschlossen daher mit Ausnahme des 1. Vorsitzenden ihre Ämter gemeinsam niederzulegen und nun muß nach dem Wenn die Qualität — Ausgeglichenhell und Tonschönheit in allen Lagen, verbunden mit unbegrenzter Haltbarkeit, bei der Wahl des Instrumentes den Ausschlag gibt wird von jedem Freund guter Musik mit der Lieferung nur ein als vertrauenswürdig bekanntes Fachgeschäft von Ruf betraut werden. Flügel * Pianos Harmoniums die wirklich das Prädikat „vorzüglich" verdienen, liefern wir als alleinige Niederlage angesehener führender Firmen des Klavier- und Harmoniumbaues seit Jahrzehnten an dauernd zufriedene Käufer. Unser Lager in Qualitätsinstrumenten ist sehenswert. Es ist Ihr Vorteil auch unsere sehr günstigen Bedingungen zu hören — bevor sie kaufen! Pianohaus Hirsch am Sendlingertorplatz MÜNCHEN / Lindwurmstrabe 1 alten Wahlrecht eine neue Gemeindevertretung gewählt werden. 30 reiche Steuerzahler haben es also fertiggebracht, die gesamte Gemeinde zu terrorisieren, ohne daß man den Mut gefunden hätte, diesem plutokratischen Druck mit der richtigen Energie entgegenzutreten. Zweifellos hat man in den Kreisen der Mittelpartei nicht die Absicht, in dem Repräsentantenkollegium wieder die Majorität und damit die Verantwortung zu erzielen, man will beides den Liberalen überlassen, die wahrscheinlich auch in Anbetracht ihrer Stärke und der nun einmal vorliegenden Situation die Majorität erringen werden und dann die Gemeinde ganz nach ihren Wünschen verwalten können. * * * Nach diesem leidenschaftslosen und sachlichen Bericht wird nun wohl niemand mehr den Mut haben, zu behaupten, unsere Charakterisierung übertreibe, wenigstens soweit sie die Hannoveraner liberalen Juden betrifft. Ja man wird eher zur Ansicht kommen, daß sie noch sehr gemäßigt geblieben sei. Wie diese Affäre sich erledigt, steht heute noch dahin. Eine Lrage hat man nun allerdings aufzuwerfen, über die sich alle deutschen Juden Rechenschaft zu geben haben, nämlich die, ob dieses Verhalten der Liberalen in Hannover einen Ausnahmefall darstellt, oder ob es typisch ist. Zu gern möchte man hoffen, daß nur Hannover den Vorzug hat, solche würdige Vertreter des jüdischen Liberalismus zu besitzen. Allein es ist zu fürchten, daß es in Wirklichkeit ganz anders steht. Auch anderswo sind ähnliche Typen nicht unbekannt; man muß nicht einmal nach Sachsen gehen, wo sich ebenfalls um die Fragen des Ostjudenwahlrechts und der Gemeindeverfassung ernsthafte Konflikte entsponnen haben, man braucht auch nicht nur an Hessen zü denken, dessen jüdische Gemeinden mit denen Sachsens einen edlen Wettstreit um die Palme der Ungerechtigkeit und Intoleranz führen können; vergessen wir nicht, daß auch in Fürth die Ostjuden heute noch völlig entrechtet sind, daß in München die Wahlrechtsvorschriften noch sehr erhebliche Mängel zeigen und ostentativ die Ostjuden unter Ausnahmebestimmungen stellen. Wenn auch nirgendwo die „Liberalen“ derart aufzutreten gewagt haben, wie in Hannover, wo sie die Austrittsdrohung mit einer Skrupellosigkeit wie noch nie gebraucht haben, so sind doch die Verhältnisse des ganzen deutschen Judentums nur zu verstehen, wenn man weiß, daß die Liberalen vielfach so denken und vielleicht nur nicht offen genug sind, so zu handeln. Nichts wäre mehr zu begrüßen und im Interesse des Judentums sehnlichst zu wünschen, als wenn es sich die Liberalen zur Aufgabe machen würden, diese Behauptungen Lügen zu strafen. Sie brauchen ja nur gegen das unjüdische, ungerechte und reaktionäre Verhalten ihrer Hannoveraner Gesinnungsgenossen zu protestiere^ und darauf zu drängen, daß überall die noch bestehenden Ausnahmebestimmungen abgeschafft werden. Tun sie dies aber nicht, dann beweisen sie damit, daß sie innerlich mit einem Vorgehen nach Art der Hannoveraner Liberalen einverstanden sind und niemand soll sich dann darüber wundern, wenn über kurz oder lang in Deutschland sich ein Kampf zwischen Liberalen und allen anderen Juden entspinnt, der völlige und endgültige Klarheit darüber schafft, wes Geistes Kind dieser „Liberalismus“ ist und ob die deutschen Juden in ihrer Mehrheit gewillt sind, diese liberale Herrschaft weiter zu ertragen.

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