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Das jüdische Echo · 1929-03-22 · 12 (22.3.1929) · p. Seite 188

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
12 (22.3.1929)
Date
1929-03-22
Page
Seite 188 (sequence 21)
Language
German
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188 Das Jüdische Echo Nr. 12 III UM 11 Feuilleton || | |||| | [ JULI! IIJ Purim Von M. W a 1 d m a n 11 (Berlin) Im allgemeinen heißt es, daß die Juden wohl witzig und satirisch, nur äußerst selten aber humorvoll sein können. Dies'e Beobachtung trifft zu. Humor ist ein Ausfluß des Wohlbefindens, der Sicherheit und Behaglichkeit. Und gerade daran hat es den Juden im Laufe ihrer Leidenszeit in der Diaspora stets gefehlt. Im Humor tritt Lebensenergie und manchmal auch überschüssige Lebenskraft in Erschenung. Lebensenergie ist aber seit jeher ein Kennzeichen jüdischer Art. Wenn es den Juden an Humor fehlt, so liegt das nicht am Mangel der Voraussetzung der vorhandenen Lebensenergie, sondern daran, daß die äußeren Umstände den Juden nicht gestatteten, so zu sein und sich so zu geben, wie sie im Grunde ihres Wesens waren. Das ganze Jahr hindurch war der Jude gezwungen, sich zu ducken und unauffällig zu bleiben, damit er nicht die Aufmerksamkeit der zahlreichen lauernden Gegner errege. Nur ein einziges Mal im Jahre ging der Jude aus sich heraus und vergaß an den Zwang, sich dauernd zu beherrschen und ernst zu bleiben. Dieses eine Mal des Aus-sich-Hinausgehens trat am Purim in Erscheinung. Da öffneten sich die Schleusen jüdischen Humors, die Quellen jüdischer Lustigkeit und des überschäumenden Lebensgefühls. Denn Purim bedeutete für die Juden die Erfüllung eines stets vorhandenen, verdrängten Wunsches: Bestrafung der Judenhasser und Befreiung der Juden von schwerem, auf ihnen lastendem Druck. Purim blieb immer aktuell. Zu allen Zeiten gab es Hamane, die auf den Verderb der Juden sannen. Zu allen Zeiten gab es Könige Ahasverus, die den Ratschlägen und Einflüsterungen der Hamane ein gefälliges Ohr liehen. Leider gab 'es niemals! Mordechais und f Königinnen Esther, die das Schicksal der Juden zum Guten zu wenden vermocht hätten, und immer waren die Hamane übermächtig, niemals konnte ein Jude daran denken, den Haman seiner Zeit zu besiegen und zu demütigen. Er tröstete sich also damit, daß er bei der Verlesung der Esther-Geschichte im Gotteshause bei der Nennung des Namens Haman mit den Füßen stampfte und ungestört rufen konnte: „Verflucht sei Haman!“ Mit dieser Verwünschung meinte er nicht nur den Haman vor dritthalb Jahrtausenden, sondern auch den jeweiligen zeitgenössischen Haman, der sein Leben verbitterte. Es ist tief bedauerlich, daß das jüdische Volksfest des Purim in der letzten Zeit in weiten Teilen der Judenheit nicht mehr so farbenprächtig und bunt gefeiert wird wie in früheren Jahren. Das liegt nicht daran, daß wir heute zwanzig Hamane zu wenig hätten, sondern daran, daß die jüdische Lebensform, die während der langen Diaspora die Juden in den meisten Ländern, wo sie siedelten, innig umschloß, abbröckelt. Erst in der neueren Zeit merkt man in dieser Hinsicht unter dem Einfluß der jüdischen Wiedergeburts- Bewegung eine (Änderung.. Niemals wird 'wohl die Lustigkeit der Juden am Purim Formen annehmen, wie die ausgelassene Freude anderer Völker bei Faschingsfeiern und dergleichen, aber zu wünschen wäre, daß auch die Juden I e r n e n; unbefangen u;n d heiter z u werden, zunächst wenigstens an einemTagedes Jahres. Der erste Schekel Von A. L. Lewinsky Aus dem Jiddischen Auch ein Purim-Feuilleton zur sanften Erinnerung, daß die Schekelaktion begonnen hat. Die Redaktion. Im jüdischen Lager in der Wüste Sin herrschte eine große außergewöhnliche Erregung. Es war noch früher Morgen, die Sonne war erst aufgegangen und doch war auf dem „Ring“ schon eine ganze Menge von Juden versammelt. Scharenweise gingen sie von einem Zelt zum andern, rotteten sich zusammen, flüsterten miteinander, zeigten mit den Fingern auf das Zelt von „Mosche Rabbenu“, steckten die Köpfe zusammen und gingen dann wieder auseinander. Was bedeutete denn dieses Treiben? Was war denn los? Ist etwa eine Nachricht aus Ägypten angelangt, daß die „Ägypter“ nach dem großen Schlage auf einmal gut und fromm und zivilisiert und menschlich geworden sind, daß sie in Ägypten volle Gleichberechtigung versprechen? Und denken schon vielleicht die lieben Juden nach, auf welche Weise sie zurückkehren könnten? Oder gefallen ihnen etwa nicht die Gesetze, die „Mosche“ ihnen gestern eingeschärft hat? Oder haben sie vielleicht sich überhaupt umgesehen und bereuen die ganze Sache, und daß sie sich auf die Thora eingelassen haben? Nein, von Ägypten haben sie sich schon ganz losgesagt. Während der wenigen Monate der Freiheit ist das Volk reif geworden. Es hat schon von der Freiheit gekostet und wird sicher in keinem' Falle zur Knechtschaft zurückkehren. Die beste Schule für Freiheit ist Selbständigkeit. Sie haben in den vier Monaten, die sie außerhalb Ägyptens zugebracht haben, mehr gelernt als in den Jahrhunderten, die sie im Exil zugebracht haben .... Es gab zwar noch etwelche, die sich sehnten nach den „Fleischtöpfen“, daraus sie angeblich in Ägypten gegessen haben... Aber zur Ehre unseres Volkes waren diese Leute nur sehr gering an Zahl. Das ganze Volk, insbesondere aber die Jugend, verschmähte mit Haß und Verachtung diesen „Topf des Exils“. An der neuen Thora hatten sie sicher manches auszusetzen. Gewiß war unter den zehn Geboten manches: „Du sollst nicht“, das einemdas Leben ein wenig sauer machen konnte. Doch schließlich ist auch das kein Unglück. Man zwingt ja einen nicht, jedesmal zu fragen, was man darf und was man nicht darf. Was das Verbot des Zinsennehmens betrifft, so ist’s auch nicht so gefährlich. Manche „Bankiers“, die in Ägypten vom Prozentnehmen reich geworden, waren zwar ein wenig ungehalten darüber — aber das große

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