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Das jüdische Echo · 1929-03-22 · 12 (22.3.1929) · p. Seite 186

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
12 (22.3.1929)
Date
1929-03-22
Page
Seite 186 (sequence 19)
Language
German
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186 Das Jüdische Echo Nr. 12 Ein Schlag gegen das jüdische Wohlfahrtswesen in Kowno Kowno, 11. März. (JTA.) Gemäß einer Verordnung des Innenministers hat der Magistrat von Kowno aus dem Stadtbudget sämtliche Positionen zugunsten jüdischer Wohlfahrtsanstalten gestrichen. Dadurch sind viele soziale Institutionen der Kownoer Juden, wie Altersheim, Volksküche, Gesundheitsanstalten von „Ose“ u. a. m. in eine Existenzkrisis geraten. Die jüdische Bevölkerung Kownos ist angesichts der schlechten Wirtschaftslage nicht imstande, den nun ausfallenden Budgetteil der Anstalten wettzumachen. Ohne Antwort geblieben Warschau, 11. März. (JTA.) In der letzten Sitzung des polnischen Senats brandmarkte Senator Rabbiner Rubinstein die Politik des Kultusministeriums gegenüber der jüdischen Minderheit und sagte, die Beziehung des Budgets zu den Bedürfnissen der jüdischen Religion sei charakteristisch für das Verhältnis der Regierung zu den Juden im allgemeinen. Obwohl die Juden die Hauptsteuerträger sind, ist in das Budget eine lächerlich geringe Summe für die Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung eingestellt. Während 1% Zloty pro Kopf jedes Katholiken, 70 Groschen pro Kopf jedes Griechisch-Orientalischen, 35 Groschen pro Kopf jedes Evangelen in den Budgetteil für Religion eingestellt sind, werden für Angehörige der jüdischen Religion nur 4 Groschen pro Kopf geleistet. Es sei PCLZMODfN &£RNHAkD BAUCH MÜNCHEN SCHÄFFLERSTRHSSE 3 KÄUFINGERSTRÄSSE 25 BRIENNER STRASSE 8 ein großes Unrecht, die jüdischen Gemeinden zu zwingen, die jüdische Bevölkerung, die unter der staatlichen Steuerlast zusammenbricht, auch noch zugunsten der religiösen und Erziehungs-Institutionen zu besteuern. Senator Rubinstein appellierte an das Kultusministerium, endlich die Frage der jüdischen Schule in ein Geleise zu bringen, damit die Judenschaft Polens in die Lage versetzt werde, ein Geschlecht von guten Bürgern Polens und getreuen Söhnen des jüdischen Volkes zu erziehen. Kultusminister Szwitalski befaßte sich mit den Darlegungen der Deutschen, Ukrainer und Weißrussen und sagte zum Schluß: „Auf die Darlegungen von Senator Rubinstein zu antworten, finde ich nicht für notwendig; ich habe ja auch auf die Rede von Dr. Wygodski im Sejm keine Antwort erteilt.“ Ritualmord-Legende in Polen Wilna, 14. März. (JTA.) Wie alljährlich in der Zeit vor den Pessach-Tagen ist auch in diesem Jahre in Polen die Ritualmordlegende aufgetaucht. Diesmal war Wilna der Schauplatz. Eine christliche Frau namens Wojtowicz ließ ihr kleines Mädchen in dem Laden des jüdischen Kaufmanns Gerszkorn in der Dominikaner-Gasse zurück. Gerszkorn führte das weinende Kind, um es zu beruhigen, vor dem Laden hin und her. In der Umgebung verbreitete sich das Gerücht, daß Juden ein Kind verschleppen wollen, um es zu Ritualzwekken zu Schächten. Eine große Menschenmenge versammelte sich vor dem Laden und schickte sich an, denselben zu stürmen. Dabei wurde ein Jude Abelowicz schwer mißhandelt. Auch der inzwischen zurückgekehrten Mutter des Mädchens gelang es nicht, die Menge zu beruhigen. Erst die herangekommene Polizei, die ein Protokoll aufsetzte, konnte die Menge zum Auseinandergehen bewegen. Hoirat Aladar Kassab, der Präsident der Pester Israelitischen Gemeinde, 61 jährig, verstorben Budapest, 17. März. (JTA.) Die Pester Israelitische Religionsgeminde, die erst vor einem Jahre ihren langjährigen Präsidenten Dr. Alexander Lederer verloren hat, hat nun abermals eine schweren Verlust zu verzeichnen: ihr neuer Präsident, Hofrat Aladar Kassab, ist am Freitag, dem 15. März, öljährig, nach kurzem Leiden verstorben. Die Trauer um Kassab ist in Ungarn tief und allgemein. Vor der Gründung einer Weltorganisation jüdischer Frauen London, 13. März. (JTA.) Die Union jüdischer Frauen Englands hat in einer soeben stattgefundenen Versammlung ihres Rates beschlossen, Delegierte zu der im Juni d. J. in Berlin stattfindenden internationalen Konferenz jüdischer Frauen zu entsenden. Frau Model, die in Abwesenheit der im Auslande weilenden Präsidentin Lady Herbert Samuel den Vorsitz führte, teilte mit, daß Frau Rebekka Kohut, die dem 1923 in Wien stattgefundenen Weltkongreß jüdischer Frauenverbände präsidierte, den Bund jüdischer Frauenvereine in Deutschland ersucht hat, die internationale jüdische Frauenkonferenz einzuberufen, damit die auf der Wiener Konferenz aufgeworfenen Probleme weiter verfolgt und an die Gründung der Weltorganisation jüdischer Frauen geschritten werden könne. —■ Es wurde beschlossen, sechs Delegierte zu der Jewish-Agency-Konferenz der britischen Juden zu entsenden.

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