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Das jüdische Echo · 1929-03-15 · 11 (15.3.1929) · p. Seite 169

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
11 (15.3.1929)
Date
1929-03-15
Page
Seite 169 (sequence 18)
Language
German
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 169 Zionismus nicht nationalistisch im landläufigen Sinne ist, daß er lediglich eine Anerkennung unserer jüdischen Eigenart verlangt und ihm jede chauvinistische Tendenz fern liegt. Trotzdem wurden ihm auch in dieser Versammlung „völkische Ideen“ vorgeworfen. Erst vor kurzem hat einer der bekanntesten zionistischen Publizisten, Gerhard Holdheim, in seinem Buche: „Palästina, Idee, Probleme, Tatsachen“, klar festgestellt, daß sämtliche zionistische Gruppen die Verwandtschaft mit Ideen europäischer Nationalisten einmütig ablehnen. Er sagt in diesem für die Einführung in die zionistische Gedankenwelt sehr geeigneten Werke u. a. wörtlich: „Der Zionismus ist nur insoweit ,national4, als er die Nation als Naturgegebenheit bejaht und deren schöpferische Auswirkung anstrebt.“ Ferner — „Zion zur zentralen Stätte des Geistesfeuers zu gestalten, in dem das blutbefleckte Krieg/skleid verbrannt und die Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet werden“, ist nach Martin Buber der geheime Sinn und die menschliche Aufgabe der zionistischen Bewegung.“ Ein weiterer Centralvereins-Diskussionsredner brachte nun einen etwas schärferen Ton in die Debatte. Dieser Redner glaubte einen scharfen Trennungsstrich zwischen Zionisten und Centralverein wegen ihrer verschiedenen Stellung zum Deutschtum ziehen zu müssen. — Muß es denn immer wieder wiederholt werden, daß der Zionismus gar nicht daran denkt und nie daran gedacht hat, den deutschen Juden ihr Heimatgefühl zu rauben und daß jeder deutsche Zionist sich als ebenso guter Deutscher fühlt wie die nichtzionistischen Juden. Den Zionisten sind diese Dinge derart selbstverständlich, daß sie es für unnötig halten, ihr Deutschtum immer wieder zu beteuern. Um diese Frage handelt es sich ja auch gar nicht. Das Problem, das heute jeden Juden, der nicht will, daß die Kulturwerte des Judentums untergehen, gleich welcher Richtung, beschäftigt, lautet vielmehr: Was können wir tun, um den Auflösungsprozeß, in dem sich besonders das deutsche Judentum befindet, aufzuhalten? — Die Antwort des Zionismus darauf ist Palästina als geistiger Mittelpunkt und Vermittler neuer Kräfte für das Judentum in der Diaspora, Wir können verstehen, daß Nichtzionisten andere Wege zur Lösung dieser Existenzfrage suchen, aber nicht verständlich ist, daß jemand, der mitträgt an der Verantwortung für die Zukunft einer jüdischen Gemeinde, die ja nur ein Teil des Gesamtjudentums ist, unberührt von allen Widerlegungen, immer wieder einen, von den Ereignissen der letzten Jahrzehnte längst überholten Standpunkt einnimmt. —. (Wenn man den Ernst der jüdischen Lage bezweifelt, dann lese man doch die Feststellungen, die vor kurzem von einem statistischen Sachverständigen gemacht wurden: Im Jahre 1927 war die jüdische Geburtsziffer in Berlin 1371, die Sterblichkeit dagegen betrug im gleichen Zeitraum 2446. In anderen Orten ist es wohl kaum besser, der Verfall der jüdischen Landgemeinden ist bekannt. Die Auswirkung des Schadens durch Entfremdung und Loslösung, besonders der Jugend, wird bald genug in Erscheinung treten.) Der weitere Verlauf der Diskussion zeigte, daß die antizionistische Einstellung des vorhin erwähnten Redners kaum einen Anklang fand. Herr Rabbiner Dr. Rülf erklärte, daß das Deutschtum heute für uns eine Selbstverständlichkeit sei, während der Weg zum Judentum wieder gesucht werden müsse. Insbesondere aber trugen die warmen, vermittelnden Worte des Gemeindevorstandes, Herrn Geh. Rat Dr. Werner dazu bei, die Debatte versöhnlich ausklingen zu lassen. Leider hatte unser Redner, R.-A. Weichselbaum, infolge der vorgerückten Stunde keine Gelegenheit allen Diskussionsrednern ausführlich zu erwidern. Der starke Beifall, der ihm nach seinem Schlußwort zuteil wurde, zeigte jedoch, daß es ihm trotzdem gelungen war, viele Mißverständnisse aufzuklären. Wir bereuen es nicht, der Einladung des Centralvereins Folge geleistet zu haben. Es war das erstemal, daß in Bamberg vor einer breiteren jüdischen Öffentlichkeit über Zionismus rein sachlich diskutiert wurde. Dies ist nicht zuletzt das Verdienst der objektiven und entgegenkommenden Versammlungsleitung seitens des Vorsitzenden, Herrn Dr. Wassermann. Wir hoffen, daß derartige Auseinandersetzungen, die zur Bereicherung des jüdischen Lebens in unserer Gemeinde beitragen, öfters stattfinden und wir würden uns freuen, wenn die Centralvereins-Mitglieder unseren Besuch durch rege Teilnahme an unseren Diskussionsabenden erwidern würden. — K. Die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Palästina Berlin, 14. Februar. (JTA.) Die „Industrie- und Handelszeitung“ schreibt: Nach den schweren Krisenjahren 1926 und 1927 hat die wirtschaftliche Lage Palästinas im Jahre 1928 eine langsame Erholung erfahren. Die Arbeitslosigkeit ging zurück und die Bautätigkeit wurde wieder etwas lebhafter. Infolge teilweiser Mißernten, namentlich von Getreide und Ölfrüchten, konnte 1928 die Ausfuhr Palästinas die Ziffer des Jahres 1927 nicht erreichen. In den ersten 9 Monaten, über die nähere Angaben vorliegen, wurden Waren im Werte von £ 1.136.609 ausgeführt gegen £ 1.396.678 in den ersten neun Monaten 1927. Die Einfuhr hingegen wies eine Steigerung von 8 Prozent auf. Sie belief sich von Januar bis September 1928 auf £4.788.582 gegen £ 4.441.391 in der gleichen Zeit 1927. Unter Berücksichtigung der Wiederausfuhr, die sich auf £ 131.720 gegen £ 208.263 in den ersten neun Mo- MAX NEUMAYER Kraftfahrzeuge, Kaulbachstraße 82/86 (Nähe Siegestor) Telephon 33 8 23—24 OPEL/ STUOEBAKER Vertretung — Spezial * Reparaturwerkstätte GÜnstis»** RatonTaMimoon

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