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Das jüdische Echo · 1929-03-15 · 11 (15.3.1929) · p. Seite 168

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
11 (15.3.1929)
Date
1929-03-15
Page
Seite 168 (sequence 8)
Language
German
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168 Das Jüdische Echo Nr. 11 Bedingung zu, daß er nun zwei weitere beratende Mitglieder in den Ausschuß berief, für die er allerdings dann zwei ostjüdische Herren vorschlug. Wenn jetzt drei ostjüdische Gemeindemitglieder im Ritualausschuß sind, so verdanken es mindestens die beiden von Ohel Jakob präsentierten Herren nicht dem Wunsche des Ohel Jakob, den ostjüdischen Einfluß zu stärken, sondern nur dem Bedürfnis Ohel Jakobs, sein Übergewicht im Ritualausschuß zu wahren. Was den Schluß der Ausführungen obigen Artikels anlangt, so ist er eben so unrichtig wie das vorausgegangene. Während die zionistische Fraktion von ihren fünf Sitzen in der Gemeindevertretung zwei ostjüdischen Mitgliedern einräumt, hat Ohel Jakob seine drei Sitze nur mit Westjuden besetzt. Es ist keine Rede davon, daß der Gesamtausschuß der Osljuden und die zionistische Partei Ohel Jakob einen Kandidaten aufnötigen wollte, die zionistische Partei hat mit der Kandidatenbestimmung überhaupt nichts zu tun. Vielmehr hat eine Versammlung, die der Gesamtausschuß der Ostjuden abgehalten hat, der zionistischen Fraktion zwei Kandidaten vorgeschlagen, die von dieser ohne weiteres akzeptiert wurden. Die gleiche Versammlung hat Ohel Jakob ebenfalls einen Kandidaten präsentiert, der von Ohel Jakob aber strikt abgelehnt wurde. Ohel Jakob hat die Ablehnung des ihm von der Versammlung vorgeschlagenen Kandidaten damit begründet, daß er als rein religiös eingestellte Körperschaft anderen Organisationen kein Vorschlagsrecht einräumen könne und daß er nur die orthodoxen ostjüdischen Gemeindemitglieder als berechtigt erachte, Vorschläge zu machen. Zunächst hat Ohel Jakob nicht etwa an Stelle des vorgeschlagenen ostjüdischen Mitgliedes ein anderes ostjüdisches Mitglied in die Gemeindevertretung gewählt, sondern mit der Motivierung, daß ihm der Vorschlag nicht passe, alle Sitze mit Westjuden besetzt. Das interessanteste aber ist, daß das gleiche ostjüdische Mitglied, das von Ohel Jakob abgelehnt wurde, nun von Ohel Jakob seinerseits als beratendes Mitglied in den Ritualausschuß berufen wurde, für welchen Posten die religiösen Anforderungen sicher am strengsten zu stellen sind. Der von dem Gesamtausschuß seinerzeit vorgeschlagene Kandidat hat also dem Ohel Jakob in religiöser Beziehung offenbar genügt. Wenn er ihn trotzdem nicht als Gemeindemitglied akzeptiert hat, so ist dies eben der beste Beweis, daß Ohel Jakob gar nicht den Wunsch hat, seine Macht mit ost jüdischen Mitgliedern zu teilen. Er läßt ostjüdische Gemeindemitglieder nur insoweit an der Gemeindeverwaltung teilnehmen, als er selbst dadurch keinerlei Einbuße erleidet. Außer Zusammenhang mit der ganzen Frage, aber doch von einem gewissen Interesse ist die Konstatierung des Artikelschreibers, daß Ohel Jakob die Bildung der jüdischen Volkspartei nur als vorübergehendes Wahlbündnis aufgefaßt habe. Die Zionisten hatten die Zusammenfassung der Minderheiten in der Gemeinde sich viel intensiver gedacht und hatten die Bildung der jüdischen Volkspartei keineswegs nur als bloßes taktisches Bündnis aufgefaßt. Die Bildung der jüdischen Volkspartei war seinerzeit um deswillen so wichtig, weil unter dieser gemeinsamen Parole die Ostjuden sich stark bei der Wahl beteiligt haben, ohne daß eine Spaltung unter den Ostjuden eintrat. Leider zeigt das Verhalten von Ohel Jakob, daß die Neuwahl nicht mehr in der gemeinsamen Form der jüdischen Volkspartei erfolgen kann und die Ostjuden werden sich beizeiten schon darauf einrichten müssen, bei der nächsten Wahl ihr Interesse zu wahren; deswegen sind die geschilderten Vorfälle so lehrreich, weil sich jeder denkende Ostjude selbst ein Bild machen kann, wie weit sein Interesse bei Ohel Jakob vertreten wird. Ein Besuch beim Centralverein Aus der Bamberger zionistischen Ortsgruppe wird uns berichtet: Der neue Vorstand der Bamberger Ortsgruppe des Centralvereins hat uns einzeln zu einer von ihm veranstalteten Lessingfeier mit nachfolgender Diskussion eingeladen und wir haben dieser Einladung Folge geleistet, nachdem uns Redefreiheit zugesichert worden war. Zunächst hielt Herr Dr. Wassermann ein treffliches, geistvolles Referat über die Bedeutung Lessings für das. Judentum. Seine Ausführungen können, wenigstens teilweise, auch vom zionistischen Standpunkte unterschrieben werden. Überhaupt zeigte der Abend, daß man im Centralverein schon mancherlei zionistische Gedankengänge unbewußt in sich aufgenommen hat. Wenn Herr Dr. Wassermann davon sprach, daß man sich sein jüdisches Tun und Handeln nicht von außen her vorschreiben lassen dürfe, so hat er sich damit einen alten zionistischen Grundsatz zu eigen gemacht. Freilich zeigte die nach den Worten unseres Redners, R.-A. Dr. Weichselbaum lebhaft einsetzende Diskussion, wie wenig man sich teilweise bis jetzt noch ernsthaft mit der zionistischen Ideologie befaßt hatte. Z. B. behauptete ein Redner, der Zionismus sei nicht durch einen idealistischen Willen geboren. Seinen Ursprung habe er vielmehr den Unbequemlichkeiten der Ostjuden in ihren Wohnländern zu verdanken; eine Behauptung, die der Redner bei eingehender Prüfung an Hand der jüdischen Geschichte und der Geschichte der Entstehung des Zionismus wohl selbst nicht aufrechterhalten wird. Übrigens dürfte Unbequemlichkeit nicht ganz der richtige Ausdruck für die jahrhundertelangen grausamen Verfolgungen unserer Brüder im Osten, wobei hunderttausende hingemordet wurden, sein. Wieviel hätte gefehlt und der Plan Hitlers, uns bayerische Juden 1923 in Konzentrationslagern unterzubringen, wäre zur Ausführung gelangt? Hätte man das auch als Unbequemlichkeit bezeichnet? Doch das ist ja schon sechs Jahre her und man hat jene Zeit, in der ein Jude nicht über die Straße gehen konnte, ohne angegriffen zu werden, längst vergessen. Doch nein, nicht ganz. — Etwas ist aus dieser unglücklichen Zeit geblieben und hat sich als das Schlechte und auf jeden Fall Abzulehnende eingeprägt: Der Begriff „Nationalismus“. Und da nun mal auch die zionistische Bewegung den Stempel „national“ trägt, so macht man keinen großen Unterschied zwischen nichtjüdischen und jüdischen „Nationalisten“. — Zwar ist unzähligemal von zionistischen Führern erklärt worden, daß der Münchner Firmen, bedient Euch der jüdischen Stellenvermittlung; f HerzGg-3Iax-Straße5/I Telephon 02883

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