Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 11 (15.3.1929)
- Date
- 1929-03-15
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103083-9162015--09257-9082165- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
164 Das Jüdische Echo Nr. 11 entgegenbringen, ihn besonders berühren werden. Die jüdische Gemeinschaft, der Prof. Einstein entstammt, ist stolz auf ihren großen Sohn. In Palästina, wo schon heute Einsteins Name mit einem wissenschaftlichen Institut verknüpft ist — das mathematische Institut in Jerusalem trägt seinen Namen —soll als ein weiteres sichtbares Zeichen der Verehrung zu seinem 50. Geburtstag ein Wald gepflanzt werden. Wir gratulieren Prof. Einstein, der nach schwerer Krankheit als ein Genesender wieder hei uns weilt, aus vollem Herzen. Das Mitglied der Zionistischen Exekutive, Dr. Felix Rosenblüth, erinnerte daran, daß am 27. Februar zehn Jahre vergangen waren, seitdem vor der Friedenskonferenz zwei russische und ein polnischer Jude erschienen waren, um die Ansprüche des jüdischen Volkes anzumelden. Heute ist der Palästinagedanke der Mittelpunktsgedanke der Judenheit der ganzen Welt. In seinem Zeichen geschieht eine Konzentrierung jüdischer Energien, jüdischen Wollens und Denkens. Der Redner gab einen Überblick über die Jewish- Agency-Bewegung in der ganzen Welt und sagte, die Zeit sei nicht fern, wo die Möglichkeit geschaffen sein wird, die Leistungen des Judentums für Palästina zu verdoppeln, ja zu verdreifachen. Seit 1922 hat die jüdische Einwohnerschaft Palästinas um hunderttausend Seelen zugenommen, der Bodenbesitz hat sich verdoppelt (gegenüber der Kriegszeit verdreifacht), zehn Millionen Pfund jüdischen Kapitals wurden investiert. Palästina bietet heute die Garantie für jüdische Zukunft, die schöpferischen Zukunftsmöglichkeiten des Judeseins. Das ist der Lohn, der Sie erwartet, wenn Sie die Arbeit des Keren Hajessod fördern. Alfred Lisser (Hamburg) sagte, die Kundgebung wendet sich nicht nur an die Anwesenden, sondern an die vielen deutschen Juden, die mit dem Problem noch ringen. Palästina sollte ein gemeinsames Ziel aller Juden sein. Mit kleinlichen Unterschieden, mit Problemen lokaler Natur kommt man dem großen Gedanken nicht bei. Warum ringen wir uns nicht zu der inneren Freiheit der amerikanischen Juden durch? Ich bin kein Anhänger der Galuththeorie; wir fühlen uns nicht im Galuth, wenn wir die Auflebung Palästinas freudig begrüßen. Man kann nicht auf kaltem Wege, nicht mit Intellektualität und wirtschaftlicher Berechnung zum Einheitsgedanken Palästinas kommen. Die Pro- Palästina-Komitees hervorragender Nichtjuden in allen Ländern kommen zu dieser Idee von der höheren politischen Warte der Demokratie, und sie wissen, daß sie eine Sache stützen, die alle Länder ehrt Martin Buber beginnt seine Rede mit einem Gleichnis, das dartun soll, daß der Palästinagedanke ein Kind des Judentums stets gewesen war, aber durch die Zeiten verloren gegangen war und jetzt von den Zionisten dem jüdischen Volk zurückgebracht wird. Diese Botschaft ist nicht nur eine Botschaft der Pflicht, sondern auch eine Botschaft großer Freude. Dr. Nahum Goldmann sagte, Palästina ist die große schicksalhafte Aufgabe des Judentums von heute. Palästina ist das einzige Land in der Welt, wo eine jüdische Wirklichkeit geschaffen werden kann. Hier müssen wir unser Judentum gegen den großen Strom der nichtjüdischen Wirklichkeit halten und vor Auflösung angesichts dauernder Katastrophen und innerer Zermiirbung schützen; dort aber besteht ein selbstverständliches Judentum von hundertprozentiger Totalität und Wirklichkeit. Wenn wir einmal den Sabbat des Judentums erleben wollen, so müssen wir heute, in den grauen Wochentagen, unsere Pflicht tun. Julius Schindler (Hamburg) Mitglied des Präsidiums des Keren Hajessod, gal) eine seelische Rechenschaft darüber, wie er seit vielen Jahren mit sich selbst rang, bis sich ihm die ganze Tiefe der jüdischen Aufbauidee bei einem Besuche Palästinas offenbarte. Ich kann mich, sagte er, von der Sache nicht mehr trennen. Wir haben die Möglichkeit, in Palästina ein Werk zu schaffen, das als Muster gelten soll. Er appellierte an alle Anwesenden, auf die Indifferenten im deutschen Judentum einzuwirken. Das deutsche Judentum gilt viel in der Welt, wenn wir hier versagen, so reißen wir andere Teile des Judentums mit. Als letzter Redner umriß Herr Kurt Blumenfeld Präsident der Z.V.f.D., die tragenden Ideen des Palästinaaufbaus. Wie wird dieses neue Leben, das wir in Palästina zu schaffen versuchen, aussehen? Anders als alles, was wir bisher gekannt haben. Jeder möchte seine Gedanken dort verwirklicht sehen, darum können wir dort nur das äußere Gefäß des Judentums schaffen. Wir vertrauen auf die Genialität des jüdischen Volkes und erwarten eine neue Offenbarung des jüdischen Wesens in Palästina. Bei dieser Vermählung von Volk und Land wird sich die Kraft, Größe und Schönheit des Judentums offenbaren. Mit einem Appell, den Gedanken des Keren Hajessod weiter zu tragen, schloß Präsident Oskar Wassermann die Kundgebung. Die Beschlüsse der Landesversammlung Berlin, 11. März. (JTA.) Am Nachmittag des 10. März wurde im Logenhaus Kleiststraße die Landesversammlung des Keren Hajessod abgehalten. Der große Festsaal war voll besetzt. Der Präsident Oskar Wassermann erstattete den Rechenschaftsbericht. Herr Dr. Felix Rosenblüth, Mitglied der Zionistischen Exekutive, entwarf an Hand einer Palästinakarte ein erschöpfendes Bild von jüdischem Besitz und jüdischer Arbeit in Palästina und schilderte die zukünftige Entwicklung Palästinas nicht als Utopie, sondern als Programm. Präsident Oskar Wassermann berichtete über die Bestrebungen, eine Vertretung des deutschen Judentums in der Jewish Agency zu schaffen. Es sprachen Wanderer MOTORWAGEN sind in Qualität und Leistung unerreicht. Verkauf durch: Joh. WinKlhoIer & Söhne München 50 Forstenrieder Straße 53 / Telephon 73844