Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 10 (8.3.1929)
- Date
- 1929-03-08
- Page
- Seite 151 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 151 L^ehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde München Kanstgewerbehans, Pfandhausstraße 7 Mittwoch, den 13. März 1929, abends 815 Uhr Dr. E. Brandenburg, Weimar Uraltes Kulturgut im heutigen täglichen Leben mit besonderer Berücksichtigung des Judentums Preise der Plätze: Numerierter Sitzplatz RM. 1.-, Saalkarte 60 Rpf., Kategoriekarte 3o Rpf. Vorverkauf in der Kanzlei der Israelitischen Kultusgemeinde, Herzog-Max-Straße 7 dem Hinweis ablehnen, daß ein Bedürfnis nicht mehr vorhanden ist. Die Feststellung, ob das Bedürfnis noch vorhanden oder bereits überschritten ist, dürfte selbst für den Regierungspräsidenten zweifellos außerordentlich schwer sein. Die Ablehnung des Wandergewerbescheines aber für Personen, die seit zwanzig Jahren diesem Gewerbe nachgehen, sich nichts zuschulden kommen ließen und heute bereits in einem Alter sind, in dem ihnen der Übergang zu einem anderen Beruf unmöglich ist, bedeutet eine außerordentliche Härte, um so mehr als es sich sehr oft um Personen handelt, die früher die österreichische Staatsangehörigkeit besaßen, als österreichische Soldaten den Krieg mitgemacht haben und deren kümmerliche Existenz nun nach jahrzehntelangen Mühen durch einen Federstrich vernichtet wird. Auch für dieses Beispiel sind Beweise z. B. aus der Praxis des Herrn Regierungspräsidenten in Potsdam vorhanden. Diese wenigen Beispiele dürften schon genügen, um zu beweisen, wie außerordentlich schwer es dem Ausländer gemacht wird, auf ehrlichem Wege seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Man könnte beinahe sagen, daß die gegenwärtige Auslegung der gesetzlichen Bestimmungen durch die Verwaltungsbehörden in starkem Maße dazu angetan ist, den Ausländer aus geregelter Arbeit in jeglicher Form_zu verdrängen, um ihn aus Wirtschaftsnot straffällig werden zu lassen. Darüber hinaus aber sind hier die Gründe zu suchen, weshalb Ausländer so oft gezwungen sind, öffentliche Fürsorgetätigkeit in Anspruch zu nehmen, falls sie es nicht vorziehen, im stillen zu verhungern, aus Angst, sie könnten infolge der Inanspruchnahme der öffentlichen Unterstützung ausgewiesen werden und damit ihren letzten Halt verlieren. Denn auch die Wohlfahrtsämter der Städte sind bestrebt, jede Möglichkeit zu benutzen, um Belastungen abzuwälzen, und so trifft man es nicht selten, daß Ausländer, die 25 oder 30 Jahre im Inlande leben, und die nun zum Beispiel infolge der oben angegebenen Gründe ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können, mit der Ausweisung bedroht werden, sofern sie von dem Recht, das ihnen durch die Fürsorgepflichtverordnung auf öffentliche Unterstützung gegeben wird, Gebrauch machen. Die bevölkerungspolitische Konferenz des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden B e r 1 i n , 25. Februar. (JTA.) (Amtlich.) Auf Einladung des bevölkerungspolitischen Ausschusses des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden fand am Sonntag, dem 24. Februar, in seinen Räumen unter Vorsitz von Frau Siddy Wronsky eine bevölkerungspolitische Konferenz statt. Frau Wronsky wies in ihrer Eröffnungsrede auf die dringende Notwendigkeit hin, einmal in einem Kreise von Fachleuten die bevölkerungspolitischen Fragen durchzusprechen, die ja das brennendste Problem darstellen, das es zur Zeit für die jüdische Gesamtheit gäbe. An ein grundlegendes Referat von Dr. Theilhaber schloß sich eine eingehende Diskussion an. Über den Inhalt der Konferenz wird in einem Sonderdruck der Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege, der der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden wird, ausführlich berichtet werden. Die Konferenz faßte einstimmig die folgende Resolution: A. Die vom bevölkerungspolitischen Ausschuß des Preußischen Landesverbandes einberufene Konferenz über jüdische Bevölkerungspolitik, die am 24. Februar 1929 in Berlin stattgefunden hat, erkennt einmütig die Notwendigkeit, aber auch die Möglichkeit einer einheitlichen, starken, zielbewußten, umfassenden jüdischen Bevölkerungspolitik zur Erhaltung von Kraft und Zahl der Judenheit an. B. Die Konferenz bejaht die Notwendigkeit des Zusammenwirkens aller im Judentum lebendigen religiösen, ethischen und wirtschaftlichen Ideen und Kräfte zu diesem Ziele und ruft alle im öffentlichen Leben stehenden Männer und Frauen, vor allem die Rabbiner, die Lehrer, die Ärzte, die Gemeindevorstände und besonders auch die jüdische Jugend zu gemeinsamer Arbeit auf. C. Die Konferenz erkennt als ihre grundlegende Überzeugung an, daß — insbesondere in einer Zeit schwerer wirtschaftlicher Not — von einer Gemeinschaft die gebieterische Forderung auf ihre eigene Erhaltung durch Geburtenvermehrung nur dann gestellt werden darf und kann, wenn diese Gemeinschaft bereit ist, ihr letztes an die wirtschaftliche Hilfe und Sicherstellung der Geborenen zu setzen. D. Deshalb richtet die Konferenz ihren besonderen starken und eindringlichen Aufruf an die jüdischen Gemeinden, in viel höherem Umfange als bisher aktive und produktive Bevölkerungspolitik im Sinne einer gehobenen Sozialpolitik zu treiben auf allen Gebieten des jüdischen Lebens, besonders aber: 1. in einer weitgehenden Wohnungs- und Siedlungspolitik; 2. in einer Arbeits- und Berufsfürsorge; 3. in ihrer eigenen Gehalts- und Beamtenpolitik im Sinne einer Bevorzugung der kinderreichen Familien; 4. in der Verstärkung und Zusammenfassung der jüdischen Mütter-, Kinder-, Jugendschutz- und Jugendpflegebestrebungen und derjenigen der Gesundheitsfürsorge, der hauswirtschaftlichen Ausbildung und körperlichen Kräftigung; 5. in der Einrichtung von Jugend- und Eheberatungsstellen sowie in der Förderung aller Maßnahmen, die zur Schließung jüdischer Ehen Zionisten, kauft und verbreitet den Schekel!