Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 10 (8.3.1929)
- Date
- 1929-03-08
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 149 General Motors Automobile LORIN/ER & CO NymphenburgerStraße128 /Telephon 61836 Chevrolet Oakland La Salle richte über diese Kundgebungen sind als Publikationen des Komitees im Druck erschienen. Ähnliche Pro-Palästina-Komitees gibt es in England unter dem Vorsitz von Lord Robert Cecil, in Frankreich, Italien, Österreich und Belgien. Auf Antrag des Freiherrn von Rechenberg wurde das bisherige Präsidium wiedergewählt; neu hinzugewählt wurden die Herren Ministerialdirektor Dr. H. Badt und Regierungspräsident Dr. Haußmann und als Schriftführer Dr. Martin Rosenblüth. In einem auf die Mitgliederversammlung folgenden zwangslosen Beisammensein wurde der neue Film des Jüdischem Palästinawerkes „Frühling in Palästina“ vorgeführt. Die sehr lebendige und anschauliche Darstellung des Lebens der jüdischen Kolonisten auf dem Lande und in der Stadt erregte größtes Interesse und fand reichen Beifall. Kundgebung in Leipzig Leipzig, 3. März. (JTA.) Am Donnerstag, dem 28. Februar, fand in Leipzig eine Kundgebung des Deutschen Komitees Pro Palästina unter Vorsitz des Grafen Bernstorff statt. Erschienen waren als Vertreter der sächsischen Staatsregierung Kreishauptmann Dr. Marcus, als Vertreter der Stadt Leipzig Bürgermeister Dr. Kubitz, für die Universität Geh.-Rat Prof. Dr. Wiedenfeld. Ferner Regierungspräsident Haußmann (Stralsund), Kreishauptmann Buck (Dresden), Geheimrat Junck (Leipzig), sowie etwa tausend geladene Gäste. Graf Bernstorff eröffnete die Veranstaltung mit der Verlesung eines Telegramms von Albert Einstein und setzte dann die Ziele und Aufgaben des Komitees auseinander, das als überparteiliche und überkonfessionelle Gemeinschaft am Wiederaufbau Palästinas teilnehmen wolle. Er unterstrich, daß Deutschland als Mitglied des Völkerbundes und der Mandatskommission nicht nur eigenste deutsche Interessen verfolgen, sondern auch führend an den gemeinsamen Idealen des Völkerbundes mitarbeiten müsse. Der Palästina-Aufbau sei eines der wichtigsten Ideale des Völkerbundes. Kreishauptmann Marcus begrüßte als Vertreter der sächsischen Regierung die Versammlung. Er würdigte besonders die kulturelle Seite des Palästinawerkes, das Schul- und Hochschulwesen, und versicherte, daß seine Regierung alles tun würde, um das große Aufbauwerk zu fördern. Im Namen der Leipziger Gemeinde gab Rabbiner Dr. Felix Goldmann seiner Freude Ausdruck, über dieses große Friedenswerk, das das Recht zur Grundlage und die Völkerversöhnung zum Ziele habe. Dann ergriff Regierungspräsident Haußmann (Stralsund) das Wort, um von seinen persönlichen Eindrücken in Palästina zu erzählen. Die jüdische Renaissance sei in Palästina kein Schlagwort, ein neues, freies und glückliches Geschlecht wachse dort in engster Verbundenheit mit der Urheimat heran. Der Palästina-Aufbau sei nicht nur ein Kolonisationswerk, sondern Palästina solle wieder das Kulturzentrum für die gesamte Judenheit werden. Die Juden Amerikas und Englands stünden geschlossen hinter dem Palästinawerk, die deutschen Juden aber hätten die Untugend der Deutschen, die Uneinigkeit mit übernommen. Der Redner setzte sich mit den Argumenten derjenigen deutschen Juden auseinander, die noch abseits stehen. Kreishauptmann Buck (Dresden) setzte die Motive auseinander, die ihn zu der Pro-Palästina-Bewegung geführt haben. Ihm sei als Verwaltungsbeamten die Not des wandernden Teils der Judenheit bekannt, denen nun in Palästina eine bleibende Wohnstätte geschaffen werde. Ihnen und auch solchen, die ihre sichere Stellung hier aufgeben, bietet Palästina, das jetzt schon unter 160 000 jüdischen Eingewanderten 30 000 in der Landwirtschaft beschäftige, die Möglichkeit der Seßhaftmachung auf dem alten Heimatboden. Vom Standpunkt des Weltwirtschaftlers behandelt dann Geheimrat Prof. Dr. Wiedenfeld das Problem. Deutschland muß, so führt er aus, seine Exportmärkte nach dem Osten und Südosten ausdehnen. Hierbei müsse nicht nur die jetzige, sondern die künftige Aufnahmefähigkeit für deutsche Exportgüter in Betracht gezogen werden. Diese hänge in Palästina vom Erfolge der jüdischen Siedlung ab. Maßgebend hierfür sei nicht etwa der Raum und die Rohstoffe, sondern seien vor allem die Menschen. Letzten Endes seien es ideale Momente, welche auch in der Wirtschaft Erfolge bestimmen. Die jüdischen Menschen, die mit größter Willenskraft, unter gern ertragenen Entbehrungen sich für die Neuerweckung des uralten Kulturbodens Palästina einsetzen, seien die Garantie für das Gelingen des Werkes. Indem dies Unternehmen von Deutschland aus gefördert werde, würde nicht nur die Zukunft Palästinas, sondern auch die der deutschen wirtschaftlichen Beziehung dahin gesichert werden. Als letzter Redner gab Kurt Blumenfeld (Berlin) einen Überblick über die historisch-politische Entwicklung des Palästinawerkes; schildert dann eindringlich die objektive Judenfrage, die seit 1914 in ein neues Stadium getreten sei. Die Vergenossenschaftung der Landwirtschaft, die Vertrustung der Industrie, die Verbeamtung der gesamten Wirtschaft nehmen den Juden überall die Lebensmöglichkeit. In ihrer Notlage brauchen die Juden eine Hoffnung und die gebe ihnen Palästina. Der Aufbau könne nur gelingen, wenn für ihn nicht nur Freude und Sympathie erklärt würden, sondern tatkräftige und entschlossene Arbeit dahinterstünden. Nur durch jüdische Selbsthilfe sei die jüdische Frage zu lösen. In seiner Schlußansprache gab Graf Bernstorff der Hoffnung Ausdruck, mit dieser Kundgebung auch in Leipzig neue Freunde für den Palästina- Aufbau gewonnen zu haben. Der Abend hinterließ bei der Zuhörerschaft, die sich aus jüdischen und nichtjüdischen geladenen Gästen zusammensetzte, einen sehr starken Eindruck. I. MÜNCHENER PLISSEE-BRENNEREI FRANZ QRUBER, MÜNCHEN Hohlsaum, Knöpfe, Endeln, Kanten, Kostllmstlckereien Burgstraßei6/3 Knopflöcher Telephon 22975