Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 10 (8.3.1929)
- Date
- 1929-03-08
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Das Jüdische Echo Nr. 10 Hajessod teil. Auch anderen jüdischen Wohlfahrtsbestrebungen ist er stets hilfsbereiter Freund. Während der "ersten Nachkriegsjahre wurde gegen Einstein von völkischer Seite eine wüste antisemitische Hetze entfaltet; er stand auf der „schwarzen Liste“ zusammen mit Rathenau und anderen jüdischen Persönlichkeiten. Die Verehrung der Judenhcit für Albert Einstein kommt in einem Aufruf führender jüdischer Persönlichkeiten Deutschlands aus allen Lagern zur Begründung eines Einstein-Waldes in Palästina zum Ausdruck, der in die Worte ausklingt: „Ein Einstein-Wald in Palästina soll als lebendiges Denkmal für ewige Zeiten seinen Ruhm und unsere Verehrung künden, aber auch Zeugnis jüdischer Schöpferkraft, Arbeit und Kultur sein. Wir deutschen Juden sind stolz darauf, Einstein zu den uusern zu zählen, begrüßen freudig die Gelegenheit, ihm in dieser schönsten und würdigsten Form unsere Glückwünsche darbringen zu können.“ Ein Einstein-Wald in Palästina Berlin, 24. Februar. (JTA.) Der Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Kurt Blumenfeld, veröffentlicht einen Aufruf zur Anlegung eines Einstein-Waldes in Palästina aus Anlaß des 50. Geburtstages des großen Gelehrten am 14. März 1929. Der Aufruf lautet: „Die zionistische Bewegung ist stolz darauf, Albert Einstein unter ihren Mitkämpfern zu wissen. Einstein hat durch den Zionismus den Weg zum jüdischen Volke gefunden. Den größten Teil seines Lebens hat er ohne Kenntnis der Judenfrage verbracht; er stand außerhalb unserer Probleme und Sorgen. Sein menschliches Empfinden führte ihn zu seinem Volke, als Vertreter des Zionismus im Namen des nationalen Judentums auf seine Mitarbeit Ansprüche erhoben. Wir Zionisten, die wir Einstein persönlich verbunden sind, lieben und verehren den großen, tapferen, treuen und schlichten Menschen. Weil er echt ist, konnte er konfliktlos den Anschluß an die jüdische Volksbewegung finden. In der Persönlichkeit von Einstein findet unsere Bewegung eine erneute menschliche Bestätigung. Wenn wir Zionisten anläßlich seines 50. Geburtstages ihm danken und unserer Dankbarkeit einen sichtbaren Ausdruck verleihen, so fühlen wir uns gleichzeitig gestärkt in unserem Vertrauen zur Idee, der heute und immer die Kraft innewohnt, die besten Söhne des jüdischen Volkes in ihren Bann zu schlagen. Professor Einstein hat persönliche Geschenke zu seinem Geburtstag abgelehnt. Aber es hat ihn gefreut, daß wir beschlossen haben, ihm als Ehrengabe einen Einstein-Wald in Palästina zu pflanzen. Wir hoffen, daß alle Zionisten freudig die Gelegenheit ergreifen werden, Bäume für den Einstein- Wald zu stiften und so den Namen Einsteins für alle Zeiten mit einem der Kultur wiedergewonnenen Stück Boden in Erez Israel zu verbinden.“ Mitgliederversammlung des Deutschen Komitees Pro Palästina Die diesjährige Mitgliederversammlung des Deutschen Komitees Pro Palästina zur Förderung der jüdischen Palästinasiedlung fand am 27. Februar unter Vorsitz von Graf Bernstorff in Berlin (im Hotel „Der Kaiserhof“) statt. Etwa 50 Mitglieder nahmen an ihr teil, darunter Prof. D. Dr. Bredt, M.d.R.,Dr.A.Grabowsky, Regierungspräsident Drj. Haußmann (Stralsund), Regierungspräsident Dr. Herbst (Lüneburg), Polizeipräsident Dr. Hohenstein (Kassel), Prof. Dr. Knaus (Göttingen), Fritz Naphtali, Mitglied des Reichswirtschaftsrates, Regierungspräsident Dr.. Poeschel (Liegnitz), Freiherr von Rechenberg, Baron von Richthofen (Auswärtiges Amt), Geheimrat Prof. Dr. Sollin, Legationsrat Prof. Dr. Sobernheim (Auswärtiges Amt), Direktor Oskar Wassermann, Legationsrat Ziemke (Auswärtiges Amt). Graf Bernstorff eröffnete die Versammlung, begrüßte besonders die auswärtigen Mitglieder des Komitees und sprach namens der Versammlung der zur Zeit krankheitshalber in Ägypten weilenden Schriftführerin, Frau von Kardorff-Oheimb, die besten Wünsche für baldige Genesung aus. Graf Bernstorff verlas sodann folgendes Schreiben des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt, Dr. von Schubert: „Zu meinem lebhaften Bedauern ist es mir nicht möglich, an der heutigen Generalversammlung des Pro-Palästina-Komitees teilzunehmen. Ich möchte aber nicht verfehlen, bei dieser Gelegenheit dem Komitee erneut zum Ausdruck zu bringen, mit wie großem Interesse ich die Arbeiten in Palästina verfolge. Es ist mir daher auch eine besondere Freude gewesen, zu hören, daß im vergangenen Jahre auf allen Gebieten große Fortschritte erzielt worden sind. Sie sind nicht zum wenigsten der Opferfreudigkeit der deutschen Juden zu verdanken. Sicherlich hat hierbei auch die aufklärende und werbende Tätigkeit des Pro-Palästina-Komitees ihre Früchte getragen. Ich schließe daher mit dem Wunsche, daß die Arbeiten des Komitees unter der Leitung seines bewährten bisherigen Präsidenten auch in Zukunft von Erfolg begleitet sein mögen.“ Im Rechenschaftsbericht des Präsidiums wird die politische und wirtschaftliche Entwicklung in Palästina behandelt und darauf hingewiesen, daß nach einer wirtschaftlich kritischen Periode in den Jahren 1926 und 1927 im letzten Jahr eine Konsolidierung auf allen Gebieten eingetreten ist, und daß Anzeichen für eine neue Expansion des Kolonisationswerkes in großer Zahl vorliegen. Erwähnt wird das große Elektrizitätswerk am Jordan, das jetzt seiner Vollendung entgegengeht, der Ausbau des Hafens von Haifa, den die palästinensische Regierung demnächst in Angriff nimmt, die außerordentliche Entwicklung des Pflanzungsbaus an der Küstenebene von Haifa bis Jaffa. Es wird betont, daß die Palästina-Orange (Jaffa-Orange) sich immer mehr den Weltmarkt erobert und jetzt auch in Deutschland gut eingeführt ist. Mit dem neuen Oberkommissar, Sir John Chancellor, früherer Gouverneur von Südrhodesia, ist zum erstenmal ein Mann mit kolonisatorischer Erfahrung an die Spitze getreten. Die Beziehungen zwischen der jüdischen und arabischen Bevölkerung sind trotz kleinerer Zwischenfälle durchaus zufriedenstellend. Es sei mit Sicherheit zu erwarten, daß die Entwicklung des Kolonisationswerkes in diesem Jahre bedeutende Fortschritte machen wird. Das Deutsche Komitee Pro Palästina hat im abgelaufenen Jahr drei öffentliche Kundgebungen veranstaltet; in Berlin mit dem früheren belgischen Außenminister, Herrn Emile Vandervelde, als Hauptreferenten, in Breslau (unter Vorsitz von Herrn Oberpräsidenten Lüdemann), mit dem ehemaligen britischen Minister Col. Wedgwood als Hauptredner, in Dresden (unter Vorsitz von Regierungspräsident Dr. Haußmann), mit Herrn Nahum Sokolow als Referenten. Ausführliche Be-