Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 10 (8.3.1929)
- Date
- 1929-03-08
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 10 8. März 16. Jahrgang filbert Einstein Zu seinem 50. Geburtstag Am Donnerstag, dem 14. März 1929, feiert Professor Albert Einstein seinen 50. Geburtstag. Dieses Datum ist ebenso bedeutungsvoll für die internationale wissenschaftliche Welt wie für das Judentum, das Albert Einstein zu seinen größten Söhnen zählt. Albert Einstein wurde am 14. März 1879 in Ulm an der Donau geboren. Als er fünf Jahre alt war, übersiedelte die Familie Einstein nach München, wo das Oberhaupt eine elektrotechnische Fabrik übernahm. Jüdische religiöse Traditionen wurden in Einsteins Elternhaus eigentlich nicht gepflegt. Die in dem Knaben erwachende religiöse Grundstimmung wurde gestärkt durch den jüdischen Unterricht, den er privat bei dem Lehrer Frey nahm. Tief musikalisch veranlagt, dachte er sich Lieder zur Ehre Gottes aus und sang sie für sich in andächtiger Verschlossenheit. Die Bibel war ihm ein tiefes ethisches Erlebnis. In der Schule erlebte er die ersten Schaumspritzer der antisemitischen Welle, die Katheder und Schule bedrohte. Als Schüler des Gymnasiums fand er aus eigenem Nachdenken den Beweis des Pythagoreischen Lehrsatzes, von dem ihm nur der Wortinhalt ohne den Beweis mitgeteilt war. Mit 15 Jahren wurde er von seinem Mathematiklehrer für universitätsreif erklärt. 1894 verlegten seine Eltern, als das Unternehmen in München materiell zurückging, den Wohnsitz nach Italien. Das behaglich bürgerliche Dasein hatte damit ein Ende gefunden. Einstein ging in die Schweiz, um am Züricher Polytechnikum Mathematik zu studieren, wurde aber in diese Anstalt nicht aufgenommen. Er besuchte dann die Schule des Kantons Aarau, wo ihn das Problem der Optik bewegter Körper, genauer: die Lichtaussendung von Körpern, die sich relativ zum Äther bewegen, beschäftigte. Die Uranfänge der Relativitätstheorie fallen in diese Zeit. Vom 17. bis 21. Lebensjahre studierte er an der Lehramtsschule des Züricher Technikums, um sich für den Lehrerberuf vorzubereiten. Er konnte aber eine Lehrstelle an einem Gymnasium als Nichtschweizer, der seit dem Mailänder Aufenthalt sogar „vaterlandlos“ geworden war, nicht erlangen. 1901 erwarb er nach fünfjährigem Aufenthalt in der Schweiz das Bürgerrecht der Stadt Zürich und kam an das Schweizer Patentamt, wo er sich 1902 bis 1909 als technischer Experte betätigte. Mitten in seiner Praxis, 1905, lösten sich seine jahrelang in angestrengter Forschung und tiefem Nachdenken gewonnenen Erkenntnisse in , einen unwiderstehlichen Arbeitsdrang: in diesem einen Jahre entstanden die umstürzenden Werke: „Über einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt“; „Über die Trägheit der Energie“; „Das Gesetz der Brownschen Bewegung“; „Zur Elektrodynamik bewegter Körper“ (diese Abhandlung trug bereits die grundstürzende und grundlegende Theorie der speziellen Relativität). Dann kam im gleichen Jahre seine Doktordissertation; „Eine neue Bestimmung der Moleküldimensionen“. Nachdem ihm zuerst ein Lehrstuhl in Bern bereitgestellt worden war, wurde er 1909 als a. o. Professor für theoretische Physik an die Universität Zürich berufen. 1911 folgte er einem Ruf als ordentlicher Professor an die Prager deutsche Universität; im Herbst 1912 kehrte er nach Zürich zu einer Professur am Polytechnikum zurück; im Frühjahr 1914 wurde er an die Preußische Akademie der Wissenschaften nach Berlin mit Lehrfakultas an der Universität berufen und zum Direkor des neugegründeten Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik ernannt. Hier vollendete er seine Relativitätsarbeiten mit dem großartigen Ausbau der Gravitationslehre. Durch die Relativitätstheorie ist die Physik auf ein völlig neues Fundament gestellt worden, und die wichtigsten neuen Errungenschaften, insbesondere auf dem Gebiet der Atomphysik, wären ohne sie unmöglich gewesen. 1917 stellte Einstein Beziehungen zwischen der Bohrschen Atomtheorie und der Plankschen Strahlungsformel her. 1925 gelang ihm die Verallgemeinerung seines Gravitationsgesetzes zu einem umfassenden allgemeinen Ausdruck, durch den das Gravitationsfeld und das elektromagnetische Feld unter einem Gesichtspunkte zusammengefaßt werden. Diese Arbeiten gipfelten in der „Neuen Feldtheorie“, deren vor kurzem erfolgte Veröffentlichung durch die Preußische Akademie der Wissenschaften auf die gesamte wissenschaftliche Welt fast ebenso revolutionierend wie seine Relativitätslehre gewirkt hat. 1921 erhielt Einstein den Nobelpreis für Physik. Er ist auch noch ordentliches Mitglied der Amsterdamer Akademie der Wissenschaften und Professor an der Universität Leyden, wo er alljährlich eine Reihe von Vorlesungen hält; ferner Ehren¬ oder korrespondierendes Mitglied fast aller wissenschaftlichen Akademien der Welt. Albert Einstein nimmt an allen geistigen und politisch-freiheitlichen Bewegungen der Jetztzeit lebhaften Anteil. Er hat sich große Verdienste um die Wiederbefestigung der Verbindungen innerhalb der internationalen Gelehrtenwelt nach dem Kriege erworben und er spricht sein gewichtiges Wort, wo es gilt, Unrecht an einzelnen und an Gemeinschaften abzuwehren und für individuelles und kollektives Menschenrecht einzutreten. Er ist Mitglied des „Komitees für geistige Zusammenarbeit“ beim Völkerbund und stand einige Zeit diesem Komitee vor. Der zionistischen Bewegung steht Einstein nahe. Im April 1914, auf einer Rückreise aus Japan, weilte er in Palästina, und dort wurde er von dem Erlebnis jüdischer Arbeit im Lande der Väter ungeheuer ergriffen. Leidvolle Jugenderlebnisse zusammen mit diesem neuen Erlebnis verdichteten sich zum Erlebnis der jüdischen Renaissance, für die er seither wiederholt in Wort und Schrift eingetreten ist. Er gehört dem Kuratorium der Universität Jerusalem an, deren in Gründung begriffenes physikalisches Institut nach ihm benannt wird. 1921 nahm er an Weizmanns Propagandareise nach Amerika zugunsten des Keren