Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1929-03-01 · 9 (1.3.1929) · p. Seite 137

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
9 (1.3.1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 137 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9103083-9161910--09224-9082132
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 9 Das Jüdische Echo 137 Der Antrag der Volkspartei, den 22. August, an dem ein allgemeiner von dem Reichsminister Severing angeordneter „Tag des Buches“ stattfinden soll, auch für das jüdische Buch nutzbar zu machen, fand einstimmig Annahme. Der Vorstand wird aufgefordert, geeignete Maßnahmen vorzuschlagen. Für die Mazzoth-Versorgung der Juden in Rußland wurde eine größere Summe bewilligt. Ein Antrag der Liberalen Fraktion, eine größere Anzahl jüdischer Krankenpflegerinnen für die private Heilpflege in Berlin auszubilden, Soll in der nächsten Sitzung beraten werden. T Berlin, 20. Februar. (JTA.) Am 5. Februar wurde der Verein „Mensa academica judaica“ in Berlin gegründet, der den jüdischen Studierenden aller Berliner Hochschulen einen rituellen Mittagstisch gewähren will. Die Mensa wird in den Räumen Hackescher Hof, Rosenthalerstraße 40/41, bei genügender Beteiligung bereits im März, sonst zu Beginn des Sommersemesters 1929 eröffnet werden. Berlin, 19. Februar. (JTA.) In der Grolmannstraße zu Charlottenburg wurde am Sonntag unter ungemein großer Beteiligung des intellektuellen jüdischen Berlin das neue „Betham-Iwri“ eröffnet, das den Mittelpunkt für die hebräischen Kulturbestrebungen in Berlin bilden soll. Eine Reihe wohnlich und mit künstlerischem Geschmack eingerichteter Räume wird dem Unterricht gewidmet sein; es sind Räume für die hebräischen Klubs, die Spielabende, die Lesehalle, die Bücherei usw. vorhanden. Der Vorstand der Vereinigung für das liberale Judentum gegen Beteiligung an der Jewish Ägency Berlin, 25. Februar. (JTA.) Nachdem seit längerer Zeit innerhalb der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland Diskussionen inoffizieller Art über die Frage der Beteiligung der Vereinigung an der erweiterten Jewish Agency stattgefunden haben, hat sich der Gesamtvorstand der Vereinigung in seiner am 24. Februar stattgefundenen Sitzung, zu der sich nahezu sämtliche Vorstandsmitglieder aus Berlin und dem Reiche eingefunden haben, zum erstenmal offiziell mit dieser Angelegenheit befaßt. Der Vorstand hat die folgende Resolution angenommen: Der Vorstand der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. billigt die vom Arbeits-Ausschuß in der Frage der Erweiterung der Jewish Agency bisher unternommenen Schritte. Er lehnt eine Beteiligung der Vereinigung für das liberale Judentum an der Jewish Agency ab. Für die Stellungnahme der Vereinigung für das liberale Judentum zur Jewish Agency sind folgende Erwägungen entscheidend: 1. Nach den Bestimmungen des Palästina-Man- * dates ist es Zweck der Jewish Agency, Rat und Mitarbeit zu gewähren bei der Errichtung des jüdischen nationalen Heims. Im Palästina-Mandat ist ausdrücklich bestimmt, daß durch die „Errichtung eines nationalen Heimes für das jüdische Volk in Palästina“ „die historische Verknüpfung des jüdischen Volkes mit Palästina und die Grundlage für die Wiedererrichtung seines nationalen Heimes in diesem Lande anerkannt sind“. Der Vorstand betont gegenüber der in diesen Formulierungen niedergelegten Auffassung wiederholt, daß die Vereinigung für das liberale Judentum im Judentum eine religiöse Gemeinschaft sieht, deren Bekenner zu den verschiedensten Völkern gehören. 2. Hieraus folgt, daß dem Land Palästina in der Zukunftsgestaltung des Judentums nach liberaler Auffassung keine Sonderstellung eingeräumt werden kann. Die Palästina-Siedlung kann einen Teil der zur Behebung der Judennot erforderlichen Maßnahmen bilden; sie muß sich jedoch dem kolonisatorischen Gesamtplan einordnen. 3. Die Besiedlung eines Landes kann in der Gegenwart nicht lediglich mit historischen Gründen gerechtfertigt werden. Eine Besiedlung Palästinas darf in der Gegenwart nur im Einvernehmen mit der Bevölkerung des Landes durchgeführt werden. Der Vorstand der Vereinigung für das liberale Judentum muß es der Zionistischen Organisation überlassen, die zur Zeit bestehenden Hindernisse für die Mitarbeit der Vereinigung zu beseitigen. Er ist überzeugt, der Befriedung des Judentums am besten zu dienen, wenn er unter den jetzigen Umständen die Zionisten den von ihnen beschrittenen Weg allein gehen läßt. Neue Explosionen des russischen Antisemitismus Moskau, 21. Februar. (JTA.) Die Sowjet- Nachrichtenagentur „Rosta“ verbreitet einen aufsehenerregenden Bericht über die Tötung des jüdischen Jungkommunisten Bolscheminikow durch den Jungkommunisten Trofimow. Der Mörder und d?r Ermordete waren beide in der Metall-Fabrik zu Pskow in Weißrußland in der Nähe der lettländischen Grenze beschäftigt und gehörten der gleichen jungkommunistischen Liga an. Als Trofimow verhaftet und in ein Verhör gezogen wurde, erklärte er: „Ich tötete ihn, weil ich Russe bin und er Jude war.“ Als der das Verhör führende Polizeibeamte Trofimow darauf aufmerksam machte, daß die von ihm gegebene Begründung des Mordes unsinnig sei, erwiderte Trofimow: „Ich sagte ja nur etwas Selbstverständliches, was ist denn so Ungewöhnliches dabei?“ Es stellt sich heraus, daß fünf Mitglieder der jungkommunistischen Liga bei der Ermordung Bolscheminikows durch Trofimow zugegen waren und keinerlei Anstalten trafen, Bolscheminikow beizustehen. Nach dem vollzogenen Morde besuchte Trofimow eine Versammlung im Arbeiterklub, in der über die ungesunden Symptome innerhalb der Arbeiterorganisationen diskutiert worden war. Am Tage nach dem Morde fand eine Versammlung des Komsomol (Liga der Jungkommunisten) statt, in der die Umstände des Mordes diskutiert wurden. Mehrere Redner verteidigten den Mörder Trofimow. Dennoch beschloß die Mehrheit, Trofimow aus der Liga auszuschließen. Die Ermordung Bolscheminikows war der tragische Schlußakt einer langen Periode der Verfolgung, der er, der Jude, seitens seiner nichtjüdischen Arbeitskollegen ausgesetzt gewesen war. Er hatte sich wegen der, Verfolgungen bei dem kommuniu Vornehme Beleuchtunoskörper Zuglampen Tisch- und Ständerlampen Alabasterschalen J.WINHART&Co. Marsstrasse 7 (am Hauptb.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.