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Das jüdische Echo · 1929-03-01 · 9 (1.3.1929) · p. Seite 133

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
9 (1.3.1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 133 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9 Das Jüdische Echo 133 Veranstaltung sah auch danach aus. Spann sprach über die „Verjudung“ der Philosophie; der große Adolf erschien persönlich und ließ sich eine lärmende Ovation darbringen; man vergesse nicht: im Auditorium maximum der Universität und nicht etwa im Biirgerbräukeller oder im Zirkus Krone. Diese bemerkenswerten Ereignisse geschahen unter der Aegide des Rektors Bumke, der sich auch zu einer üblen Schiebung für den völkischen Studentenführer Kersten bereitgefunden hat. Dessen Wahl in den Vorstand der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft hätte daran scheitern müssen, daß nur vollimmatrikulierte Studenten wählbar sind: er selbst aber schon seit zwei Jahren preußischer Kammergerichtsreferendar ist. Kersten wußte sich zu helfen: er fuhr nach München, erwirkte sich hier beim Rektor der Münchener Universität die Genehmigung zur nachträglichen Immatrikulation, obwohl er nicht in München wohnen (was eigentlich vorgeschrieben ist), geschweige denn hier studieren will. Und jetzt kann er als „bayerischer Student“ seinen Kampf gegen die preußische Regierung weiterführen. Es sind also nicht nur die Studenten, die sich antisemitisch betätigen; auch Professoren machen gerne mit oder haben wenigstens nichts gegen solche „kulturelle“ Betätigung einzuwenden; die gegenwärtigen und künftigen Führer der Nation. Arme Juden, noch ärmeres Deutschland! Trotzkis Schicksal Trotzkis Ausweisung aus Rußland hat die ganze Öffentlichkeit veranlaßt über sein Schicksal nachzudenken und zu reden, und dabei haben auch Leute, die sonst das Vorhandensein eines jüdischen Problems ableugnen, erkennen müssen, daß das Schicksal Trotzkis — aber ungewollt — ein eminent jüdisches Schicksal ist. Trotz seiner großen Taten für die russische Revolution; der er durch Schaffung der Roten Armee und der ganzen Verkehrsorganisation wohl erst zum Siege yerholfen, hat man ihn aus dem öffentlichen Leben Rußlands ausgeschi'eden und ihn in Acht und Bann getan. Die derzeitigen russischen Machthaber, denen es in ihren Streitigkeiten mit den bäuerlichen Grundbesitzern, den Kulaki, opportun erscheint, sich als „echt russisch“ aufzuspielen und denen Trotzki sehr lästig fiel, haben sich nicht gescheut, den „Juden“ dem wiedererwachenden Antisemitismus weiter Schichten des russischen Volkes als Opfer vorzuwerfen und gleichzeitig dadurch der Propaganda der russischen Emigranten, die den Bolschewismus als jüdische Erfindung diffamieren wollen, entgegenzutreten. Diese Unterscheidung zwischen „echten“ und „unechten“ Russen, die den bolschewistischen Machthabern gerade einmal in ihren Kram paßt, und die deshalb skrupellos von ihnen gebraucht wird, scheint merkwürdigerweise auch der „Frankfurter Zeitung“ einzuleuchten. Sie schrieb nämlich vor einiger Zeit in einem Leitartikel über „Trotzkis Schicksal“: „Nach vollendeter Revolution arbeiteten Lenin und Trotzki in enger Gemeinschaft. Sie waren nicht immer ganz einer Meinung. Aber vor der viel größeren Autorität, die Lenin genoß, fühlte Trotzki instinktiv, daß er in der zweiten Linie stehen bleiben müsse. Im Unterbewußtsein mindestens spielte dabei der Gedanke mit, daß es besser sei, an der Spitze des bolschewistischen Staates einen echten Russen wie Lenin zu haben. Das Wiederauftauchen antisemitischer Strömungen, von denen seit einem Jahre berichtet wird, beweist, daß dieses Empfinden nicht ganz unberechtigt war. Die blendende geistige Energie Trotzkis wurde von solchen Hemmungen allerdings kaum berührt. Sie waren vielleicht eher ein Anreiz für ihn. Ob die „Frankfurter Zeitung“ bereit wäre, diese Unterscheidung von echt und unecht z. B. auch auf Deutsche anzuwenden und etwa die deutschen Juden als „unechte Deutsche“ zu bezeichnen? Wir glauben und wir wollen hoffen: nein, obwohl es ja nur eigentlich konsequent wäre. Trotzki ist so assimiliert wie irgendein deutscher Jude und sein Judentum hat er ganz und gar vergessen. Leider darf die „Frankfurter Zeitung“ als typisch gelten, für jene nämlich, die so lange das Bestehen eines Judenproblems ganz leugnen und es nicht sehen möchten, bis sie bei irgendeiner Gelegenheit sogar offenkundig antisemitische Begriffe übernehmen; daß sie den historischen Entwicklungsprozeß des Judentums ganz und gar nicht versteht, hat sie damit wieder einmal hinlänglich bewiesen. Die jüdische Delegation Dieser historische Entwicklungsprozeß ist im letzten Jahrzehnt, wie man weiß, in eine neue Phase eingetreten; die zionistische Bewegung hat das jüdische Volk, das fast zwei Jahrtausende lang nur das Objekt der Politik war. wieder zu einem politischen Subjekt gemacht; sie hat dem Lebenswillen des -jüdischen Volkes einen deutlich sichtbaren Ausdruck gegeben. Zum ersten Male geschah dies vor dem Forum der ganzen zivilisierten Welt, als die aus Chaim Weizmann, Nahum Sokolow und Menachem Ussischkin bestehende jüdische Delegation vor zehn Jahren, am 27. Februar 1919, vor dem Rat der Zehn der Friedenskonferenz in Versailles erschien und den Anspruch des jüdischen Volkes auf Errichtung einer nationalen Heimstätte in Palästina vortrug und begründete. Wenn auch damals nichts entschieden wurde, so ist dieses Datum doch denkwürdig; an diesem Tage wurde bereits durch die Anhörung seiner Delegation das jüdische Volk als Träger seiner Geschicke durch die internationale politische Welt anerkannt, an diesem Tage hat das jüdische Volk die wahre Gleichberechtigung, die der Nation, errungen und seit diesem Tage hängt es von dem politischen Willen und der Energie des jüdischen Volkes ab, wie sich seine Geschichte weiter gestaltet. I. E. Wäscherei d. Münchener Hausfrau HÖCKER & BÄUERLE Landwehrstr. 57/59 T. 596858 Hygienisch modernster Betrieb am Platze. Bekannt für erste Qualität. Getrennte Behandlung. Jede Hausfrau kann sich per- , sönlichvon der schonendsten Behandlung der Wäsche überzeugen. Waschmittel: Reine Kernseifenflocken 90°/0ig. #■ Haushaltwäsche —Vorhangspannerei — Stärkwäsche—Feinbügelei. Größte Lohnwäscherei Münchens Diese Neuerung bietet große Verbilligung Verlangen Sie Prospekte. 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