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Das jüdische Echo · 1929-03-01 · 9 (1.3.1929) · p. Seite 132

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
9 (1.3.1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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132 Das Jüdische Echo Nr. 9 gen sie — die polnischen Bürger — einen rücksichtslosen wirtschaftlichen Kampf führt. Dieser Depossedierungsprozeß aus dem Erwerbsleben und die Erschwerung der Industriealisierung und der Beamtifizierung ist nichts Neues. Dies ist eine Erscheinung in der jüdischen Ökonomik, die immer und immer wiederkehrt. Wenn nationale Staaten sich zu konsolidieren beginnen, wenn sie sich wirtschaftlich auf eigene Füße stellen wollen, beginnt die wirtschaftliche Verdrängung der Juden. Jede nationale Regierung will einen geschlossenen, alle Erwerbszweige umfassenden Wirtschaftskörper haben und da ist für die national anders Gearteten kein Platz. Der Jude wird überflüssig, auch wenn er Jahrhunderte im Wirtschaftskörper eines Landes sozial nützliche Funktionen erfüllt hat. So ist es auch jetzt in Polen. Ob es den Juden in den übrigen Ländern Osteuropas in der nächsten Zukunft in wirtschaftlicher Hinsicht anders ergehen wird, als unseren Brüdern in Polen, erscheint uns sehr zweifelhaft. Der wirtschaftliche Verdrängungsprozeß in den Ländern der Galuth ist nur eine Frage der Zeit. Bemerkungen Numerus-clausus-Propaganda in Deutschland In Erlangen waren nach der amtlichen Hochschulstatistik im Sommersemester 1928 29 Juden unter insgesamt 1551 Studierenden immatrikuliert, das sind nicht ganz 2 Prozent; ausgerechnet in Erlangen, wo die Juden an der Universität, wie man sieht, kaum zahlreicher sind als es ihrem Prozentverhältnis zur Gesamtbevölkerung entspricht, fühlen sich die über 1500 von den 29 aufs äußerte bedroht, so sehr, daß sie nicht umhin können, ihre Frucht vor Überfremdung in einer Resolution der von ihnen gewählten Vertretung, des Asta (Allgemeiner Studentenausschuß) Ausdruck zu geben. Diese von der Fraktion des Nationalsozialistischen Studentenbundes eingebrachte, von den drei Gruppen des Asta, der Nationalsozialistischen, der Vaterländischen und der Politischen Arbeitsgemeinschaft angenommene Resolution ist ein Kulturdokument besonderen Ranges; sie lautet: „Folgende Forderung wird dem Hauptausschuß der Deutschn Studentenschaft und dem Kreistag zur sofortigen Stellungnahme übermittelt: „Die Erlanger Studentenschaft fordert an sämtlichen deutschen Hochschulen die Einführung des numerus clausus für Nichtdeutsche, besonders aber für Studierende der jüdischen Rasse.“ Welche phantastische, bereits an Verfolgungswahn grenzende Angst müssen eigentlich diese tapferen Jünglinge vor allem Jüdischen haben; wie sehr ist ihnen diese Judophobie schon ins Blut gedrungen, wenn ausgerechnet sie, die doch eigentlich gar keinen Anlaß dazu hatten, gesetzgeberische Maßnahmen gegen die jüdischen Studenten verlangen, — die jahrelange Hetze derer um Hitler hat rechte Früchte getragen, und wenn es so weiter geht, wie es den Anschein hat, werden uns auch in Deutschland noch ungarische Zustände bedrohen. Man glaube nämlich nicht, daß diese Studenten sich nur traurige Witze erlaubten wollten: die Sache ist sehr sehr ernst. Meldet man nicht aus Berlin, der republikanischen Reichshauptstadt, daß dort am hellichten Tage im Burgfrieden der Universität Hakenkreuzler-Ausschreitungen stattgefunden haben. Die JTA berichtet unter dem 24. Februar aus Berlin: „Am Freitag mittag kam es in der Berliner Universität zu Ausschreitungen nationalsozialistischer Studenten gegen sozialdemokratische und kommunistische Studenten. Die Ausschreitungen trugen aber auch einen betont antisemitischen Charakter, indem jüdisch oder ausländisch aussehende Studierende sehr belästigt und zum Teil mißhandelt wurden. Die Hakenkreuzler besetzten die Vorhalle der Universität und den öffentlichen Eingang, so daß es unmöglich war, das Gebäude zu betreten. Auch die Eingänge zu den Hörsälen wurden blockiert. Trupps von Nationalsozialisten, uniformiert und mit Hakenkreuzen geschmückt, zogen in Zweierreihen durch die Universität und provozierten alle Studenten, die jüdisch oder irgendwie ausländisch aussahen. Einzelne Juden oder Sozialisten wurden angepackt und in die Mitte der Nationalsozialisten geschleppt, wo sie mißhandelt wurden. Die benachrichtigten Pedelle waren der Übermacht der Nationalsozialisten nicht gewachsen. Es konnten, nachdem die Mehrzahl der Hitlerianer die Universität verlassen hatte, nur noch drei Nationalsozialisten festgestellt werden, die nicht Studenten, sondern von der Straße geholt worden waren. Man erwartet, daß Rektor und Senat auf diese Rüpeleien entsprechend reagieren werden.“ Man erwartet...; bisher leider vergeblich. Man braucht aber gar nicht bis nach Berlin zu gehen, um über den Hochschulantisemitismus erbauliche Dinge zu erfahren: München steht da keineswegs zurück. So konnte man lesen, daß vor einigen Tagen das Auditorium maximum der Universität, die sonst allen „parteipolitischen“ will sagen linksgerichteten Veranstaltungen hermetisch verschlossen bleibt, dem sehr extremen „Kampfbund deutscher Kultur“ zu einem Vortrag von Professor Othmar Spann aus Wien zur Verfügung gestellt wurde. Dieser Kampffund ist eine Gründung nationalsozialistischer Kreise; er wird vom Chefredakteur des „VölkischenBeobachters“ geleitet und seine Der neue AUSTRO-DAIMLER 6Cylinder,12/70PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold ' K o m m. - G e s. Fernruf 51355 MÜNCHEN Sonnenstr. 19

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