Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 8 (22.2.1929)
- Date
- 1929-02-22
- Page
- Seite 120 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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120 Das Jüdische Echo Nr. 8 Kochbaner Georg Kareski. Direktor Kareski dankte mit herzlichen Worten für die spontane Huldigung. Der Aufmarsch der gesamten Bar-Kochba-Turnerschaft in den verschiedenen Trachten bot ein überaus malerisches Bild. Hakenkreuzler greifen Rabbiner Salzberger tätlich an Frankfurt a. M., 13. Februar. (JTA.) Am 11. Februar abends hielt Gemeinderabbiner Dr. Salzberger in der Salzmann-Schule im Rahmen einer Veranstaltung des Frankfurter Bundes für Volksbildung einen Vortrag. Der Redner wurde andauernd von etwa 15 im Saale anwesenden Nationalsozialisten durch Zwischenrufe belästigt. Die Aufforderung, sich ruhig zu verhalten, beantworteten die Hakenkreuzler damit, daß sie sich auf die Rednertribüne stürzten und einer von ihnen Dr. Salzberger tätlich angriff. Als die inzwischen verständigte Polizei eintraf, hatten sich die Nationalsozialisten bereits aus dem Staube gemacht. Rabbiner Dr. Salzberger war schon einmal anläßlich einer Kriegergedenkfeier auf dem Friedhof, wo er auf Wunsch der interkonfessionellen „Kriegerkameradschaft“ sprach, von Antisemiten überfallen worden. Die Folge war ein Beleidigungsprozeß, bei dem der nationalsozialistische Redakteur Leopold Gutterer zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Will Polen die antijüdischen Rechtsbeschränkungen aus der Zarenzeit nicht abschaffen? — Der jüdische Antrag „begraben“ Warschau, 14. Februar. (JTA.) In der Sitzung der juristischen Sejmkommission referierte der Vertreter des jüdischen Klubs, Abg. Hartglas, über den Antrag des Klubs wegen Abschaffung der aus der Zarenzeit stammenden und noch heute geltenden Gesetzeseinschränkungen gegen Juden. Er wies darauf hin, daß trotz aller feierlichen Erklärungen der aufeinanderfolgenden Regierungen diese Gesetzeseinschränkungen noch immer von den Gerichten und Behörden angewendet werden, und belegte diese Mitteilung mit zahlreichen offiziellen Dokumenten. Unter anderem dürfen Juden auch heute keine Kohlengruben oder andere Bergindustrie-Anlagen erwerben, auch nicht Grund und Boden in Grenzgebieten besitzen, ferner nicht ein Vorsteheramt auf dem Lande bekleiden. Das Oberste Verwaltungsgericht hat ein Urteil herausgegeben, wonach die Zarengesetze solange in Geltung sind, als sie nicht durch einen ausdrücklichen Beschluß des Sejm aus der Welt geschafft werden. Anderseits hat das Oberste Gericht eine Entscheidung getroffen, daß die Zarengesetze schon durch das Inkrafttreten der Verfassung aufgehoben worden waren. Die Behörden im Lande halten sich aber an die Entscheidung des Verwaltungsgerichts. Hartglas appellierte an die Kommission, endlich mit der von wenig Mut zeugenden Methode des Ausweichens und der Ausrede bei der Behandlung jüdischer Angelegenheiten zu brechen und dem Sejm eine diesbezügliche klare Empfehlung zu geben. Nach einer längeren Aussprache, in der sich die meisten Redner gegen den jüdischen Antrag unter verschiedenen Vorwänden I. MÜNCHEN» PLISSEE-BRENNEREI FRANZ QRUBER, MÜNCHEN Hohlsaum, Knöpfe, Endeln, Kanten, KostOmstlckerelen Burgstra8e16/3 Knopflöcher Telephon 22976 aussprachen, und nachdem der Vizejustizminister erklärt hat, die Regierung sei nicht in der Lage, das Projekt im Sejm in dieser Form vorzulegen, wurde beschlossen, den Antrag des jüdischen Klubs auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Die jüdische Presse überschreibt den Bericht über diese Sitzung: „Der jüdische Antrag auf Herstellung der Gleichberechtigung begraben.“ Beschluß der Arbeiterinternationale über Minderheitenschutz und Staatenlosenprobleme London, 13. Februar. (JTA.) Die Exekutive der sozialistischen Internationale, die soeben ihre Beratungen in London beendet hat, hat auf Antrag von Dr. Otto Bauer (Österreich) eine Resolution angenommen, in der gefordert wird, daß der internationale Schutz nationaler Minderheiten auf alle Minderheiten in allen Ländern ausgedehnt werde, und daß auch den verstreut lebenden Minderheiten Gleichberechtigung und die Freiheit, sich ihrer Sprache zu bedienen, sowie ihre Schulen und ihre Kultur zu entwickeln, gewährt werden. Der Völkerbund soll zur Wahrung der Minderheitenrechte ein permanentes Organ schaffen. Die Exekutive befaßte sich auch auf Grund eines Berichtes von Herrn de Brouckere mit dem Problem der Staatenlosen und forderte die Länderparteien auf, in ihren Ländern für die Regelung der Staatenlosenfrage zu wirken. Die englischen Juden und die Jewish Agency London, 18. Februar. (JTA.) Am Sonntag, dem 17. Februar, hielt der Jewish Board of Deputies (Deputiertenrat der englischen Juden) eine Sondersitzung ab, um zu dem Schreiben der Zionistischen Exekutive bezüglich der Beteiligung der englischen Juden an der Jewish Agency Stellung zu nehmen. Die Zionistische Exekutive hat bekanntlich an den Jewish Board of Deputies als der Vertreterschaft der englischen' Juden ein Schreiben gerichtet, in welchem unter Bezugnahme auf frühere Verhandlungen und Beschlüsse des Board an diesen das Ersuchen gestellt wurde, der Board möge die Initiative zur Einberufung fclner repräsentativen engliäch-iüdischen Konferenz ergreifen, deren Aufgabe die Wahl der englischen Vertreter für den nichtzionistischen Teil der Jewish Agency wäre. Nach einer eingehenden Aussprache beschloß der Board of Deputies, der Einladung der Zionistischen Organisation Folge zu leisten und die Initiative zur Einberufung einer 'Konferenz der englischen Judenheit zu ergreifen. Aufgabe der Konferenz wird es gemäß dem Beschlüsse des Board sein, den Wunsch der englischen Judenheit kundzutun, an der Ausübung des Mandates über Palästina teilzunehmen, sich mit den jüdischen Gemeinschaften der anderen Länder in der zu schaffenden erweiterten Jewish Agency zu vereinigen und in diese Agency Vertreter zu entsenden. Der Board ernannte aus seiner Mitte 12 Persönlichkeiten, die ihn auf der bevorstehenden englisch-jüdischen Konferenz vertreten sollen. Der Beschluß des Board wegen Einberufung der Konferenz wurde mit Einstimmigkeit gefaßt. Sir Herbert Samuel glaubt, daß Palästina drei Millionen Juden wird aufnehmen können London, 17. Februar. (JTA.) Sir Herbert Samuel, der erste Oberkommissar für Palästina, hielt in der Westbourne-Park-Baptist-Chruch eine Vorlesung über „Palästina von heute“. Er führte u. a. aiis: