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Das jüdische Echo · 1929-02-22 · 8 (22.2.1929) · p. Seite 118

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
8 (22.2.1929)
Date
1929-02-22
Page
Seite 118 (sequence 6)
Language
German
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118 Das Jüdische Echo Nr. 8 Menschen, die sieh selbst von vagen metaphysischen Ideen blenden ließen und jeden Blick für historische Bedingtheiten und Entwicklungen verloren, die keine Geduld besitzen und zu schwach sind, bei der Verwirklichung einer großen politischen Idee auszuharren, die aber, geführt von ihrem Meister Constantin Brunner, „endlich und endgültig die beklemmende Enge $es nationalen Judentums“, damit aber auch jede' Beziehting zum wirklichen Leben ihrer Gemeinschaft überwunden und sich in das allerdings weite und unermeßliche Reich metaphysischer Träume gerettet haben. I. E. Ostjuden und Ohel Jacob Man schreibt uns von unterrichteter Seite: Seit langen Jahren bestehen zwischen der Kultusgemeinde München und dem Verein Ohel Jacob vertragliche Abmachungen, die zuletzt im Jahre 1922 neu fixiert wurden. Hierbei wurde bestimmt, daß der Verein Ohel Jacob im Ritualausschuß der Gemeinde vier Sitze anzusprechen hat, während zwei Sitze von der Gemeinde besetzt werden. Diese Abmachung wurde in einem Zeitpunkt getroffen, in dem die zionistische Fraktion mit den Vertretern von Ohel Jacob noch in der jüdischen Volkspartei vereinigt war und in dem die ostjüdischen Mitglieder nach den damals geltenden Bestimmungen für die Besetzung der Ausschüsse noch nicht in Frage kamen. In der Zwischenzeit haben sich die Verhältnisse grundlegend geändert. Die Vertreter von Ohel Jacob und die Zionisten bilden getrennte Fraktionen in der Gemeinde. Seit der letzten Wahl haben auch die ostjüdischen Gemeindeangehörigen das passive Wahlrecht erhalten. Auch erhalten gegenwärtig nicht allein der orthodoxe Gottesdienst von Ohel Jacob, sondern auch die Gottesdienste der ostjüdischen Vereine gemeindliche Subventionen. Dieser veränderten Situation mußte bei Besetzung der Ausschüsse der Gemeinde Rechnung getragen werden. Die zionistische Fraktion hat in weitgehender Weise die ihr in den verschiedenen Ausschüssen zur Verfügung stehenden Sitze ostjüdischen Gemeindemitgliedern überlassen, ohne, wie dies dem Prinzip der zionistischen Fraktion entspricht, einen Unterschied zwischen Ost- und Westjuden zu machen. So hat sie beispielsweise für den einzigen Sitz, der ihr im Bauausschuß zur Verfügung steht, Herrn Wiesel in Vorschlag gebracht. Man hätte nun erwarten dürfen, daß in dem wichtigen Ritualausschuß auch die ostjüdischen Interessen in gleicher Weise vertreten würden. Dies erschien umso wichtiger, als die Ostjuden Münchens zum allergrößten Teil nach dem Ritualgesetz leben und das größte Interesse daran haben, in, den wichtigen Fragen, die im Ritualausschuß erledigt werden, mitberaten und mitbeschließen zu können. Diese Hoffnung hat sich aber durch das eigentümliche Verhalten der Vertreter des Vereins Ohel Jacob nicht erfüllt.. Schon in der grundlegenden Vorbesprechung zwischen dem Vorstand und den Fraktionsvorständen vom 30. Januar hatten die Zionisten für die Ostjuden einen ordentlichen Sitz im Ritualausschuß beantragt. Dies wurde von Ohel Jacob rundweg abgelehnt, wobei sich dessen Vertreter immer wieder auf den bestehenden Vertrag beriefen. Um die sehr schwierigen Verhandlungen nicht zu stören, begnügten sich die Zionisten dann damit, einen Ostjuden als beratendes Mitglied vorzuschlagen. Zur allgemeinen Überraschung wurde dieser Vorschlag in der Gemeindesitzung vom 14. Februar von den Vertretern des Vereins Ohel Jacob bekämpft. Diese stellten sich auf den Standpunkt, es stünden ihnen vertraglich vier Mitglieder zu; die Gemeinde habe zwei Mitglieder zu bestimmen und irgend welche beratende Mitglieder kämen nicht in Frage. Wenn man dies als richtig unterstellt, so wäre es nicht mehr als recht und billig gewesen, daß der Verein Ohel Jacob von seinen ihm vertraglich zustehenden Sitzen zwei Sitze den Ostjuden eingeräumt hätte. Statt dessen brachte er sowohl wie auch die Majorität der Gemeinde nur westjüdische Mitglieder als ordentliche Mitglieder in Vorschlag. Wäre es also nach dem Willen von Ohel Jacob gegangen, so wären •die Ostjuden im Ritualausschuß überhaupt nicht vertreten gewesen. Erst einem Kompromißvorschlag von liberaler Seite, der einen Streit im Schoß der Gemeindevertretung vermeiden wollte, '■•verdankt man es, daß Ohel Jacob seinen Widerstand gegen die Zuziehung ostjüdischer beratender Mitglieder fallen ließ. Aber auch bei der Lösung dieses Kompromißvorschlags zeigte es sich wieder, daß Ohel Jacob ganz einseitig nur seine eigenen Vereinsmitglieder als Vertreter der orthodoxen Interessen anerkennen will. Unter den ordentlichen Mitgliedern, die allein stimmberechtigt sind, findet sich überhaupt kein Ostjude. Als beratende Mitglieder wurden dann noch ein westjüdisches Gemeindemitglied und drei ostjüdische Gemeindemitglieder zugewählt, wobei Ohel Jacob wieder daran festhielt, daß unter den beratenden Mitgliedern ihm Kraft Vertrags ein entsprechendes Übergewicht zustehe. Das Ergebnis ist, daß der Verein Ohel Jacob den Ritualausschuß allein beherrscht. Schuld daran ist ein Vertrag, der längst unzeitgemäß geworden ist, weil er mit Der neue AUSTRO-DAIMLER 6Cylinder,12/70PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold K o m m. - G e s. Fernruf 51355 MÜNCHEN Sonnenstr. 19

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