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Das jüdische Echo · 1929-02-22 · 8 (22.2.1929) · p. Seite 117

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
8 (22.2.1929)
Date
1929-02-22
Page
Seite 117 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8 Das Jüdische Echo 117 seiner Anhänger gehindert hat, seine Pflichten zu erfüllen.) Nach diesem gründlichen Beweis stellt er fest, daß nur ein gemeinsames Interesse die Juden verknüpfe, die Emanzipation. „Haben wir die Freiheit erreicht, so ist es mit unserem gemeinschaftlichen Interesse zu Ende.“ Und weil es Herr Pinner so dekretiert, wird es vermutlich auch so sein. Ist es darnach nicht geradezu verwunderlich, daß Pinner nicht auch für die Vergangenheit leugnet, die Juden seien ein Volk gewesen? So weit geht er denn doch nicht und einmal meint er sogar: „Wären heute keine Juden, so würde der Ruhm dieses Volkes allen Ruhm aller Völker übersteigen“ — er gebraucht also für die Juden selbst den Ausdruck „Volk“, eine typische Fehlleistung in einem Satze, der allerdings sehr deutlich zeigt, was Pinner im Grunde eigentlich will: das Ende jeder jüdischen Sonderexistenz; ein Gedanke, der noch öfters bei ihm in Erscheinung tritt und seinen knappsten und deutlichsten Ausdruck vielleicht in der Frage findet: „Was liegt daran, wenn wir wirklich untergehen?“. Und er hätte vielleicht genau so fragen können: „Was liegt daran, wie wir untergehen?“ Daß jemand, dem der Fortbestand der Juden und die Art ihrer Existenz derart gleichgültig ist, auch kein Verständnis mehr dafür hat, daß in Palästina sich ein neues jüdisches Dasein entfaltet, ein in jeder Lebensäußerung jüdisches Dasein, das die Grundkonzeption des Zionismus im Keime schon verwirklicht, kann nicht überraschen; schade nur, daß Herr Pinner nicht schon vor zwanzig Jahren mit solchen Gedanken hervorgetreten ist. Damals hätte er es ja so leicht gehabt, die Zionisten als Utopisten mit Hohn und Spott zu überschütten, weil sie z. B. unerschütterlich daran glaubten, daß die Rechte des jüdischen Volkes auf Palästina einmal von allen Kulturnationen anerkannt würden; da er die Balfourdeklaration doch nicht gut wegleugnen kann, muß er sich heute damit begnügen, eine jüdische Majorität in Palästina für unerreichbar, die Araberfrage für unlöslich zu erklären und die Zionisten wegen ihrer Wundergläubigkeit zu verlachen. Und so häuft er denn die aus der Polemik des Tages zum Überdruß bekannten Argumente, um mit allem schließlich nur eines zu beweisen: daß er weder die Situation der Juden noch den Zionismus in Wirklichkeit jemals begriffen hat. Denn er wird ja selbst nicht glauben, daß er den Zionisten irgendwelche neuen Tatsachen verrät, wenn er auf die Schwierigkeiten der Palästinakolonisation hinweist. Mögen diese Schwierigkeiten groß, ja fast unüberwindlich scheinen, so lehrt doch die Geschichte der letzten dreißig Jahre, in denen der Zionismus als politische Bewegung tätig war, daß er ungeahnte Erfolge errungen hat und daß seine Verwirklichung nicht unmöglich ist — wenn die Juden sie nur wollen. Verglichen mit den Erfolgen, die die Emanzipation in einem Zeitraum von nahezu hundertfünfzig Jahren gemacht hat und die heute sogar nach Pinner wiederum in Gefahr sind — selbstverständlich möchte er rasch den Zionisten daran die Schuld in die Schuhe schieben —, sind die des Zionismus jedenfalls überwältigend groß und es will uns doch so scheinen, als ob der Weg des Zionismus, der Weg der nationalen Emanzipation weniger schwierig und aussichtsreicher sei für die Versöhnung der Juden mit der Welt als der direkte Weg der individuellen Emanzipation, der, so muß man befürchten, dieses Ziel nur dadurch herbeiführen kann, daß er überhaupt die Juden aus der Welt schafft. Und dies ist es, wovor sich Pinner die Augen heute zuhält, wenn er es jemals erkannt haben sollte. Aus der Gefährdung des jüdischen Gemeinschaftslebens, wo immer es auch geführt wird, mit der einzigen Ausnahme Palästinas, ergibt sich mit zwingender Notwendigkeit die Forderung des Zionismus; es ist ein Irrwahn, zu glauben, jüdisches Leben könnte unter den heutigen Bedingungen auf die Dauer weiter existieren, man könne das Schicksal der Juden ruhig seiner eigenen Entwicklung überlassen und bewußte Anstrengungen, es in eine bestimmte Richtung zu lenken, seien unnötig oder gar gefährlich. Es ist ein Irrwahn und eine Flucht vor der komplizierten und harten Wirklichkeit, wenn man für die Zukunft des Judentums die Existenz der Juden und Art und Form dieser Existenz für unwesentlich erachtet. Davon eben ist sie abhängig und besonders die Möglichkeit einer geistigen Erneuerung. Herr Blankenfeld täuscht sich lächerlich, wenn er meint: „Herkunft und Existenz von Brunners Werk bedeutet an sich allein schon einen vernichtenden Schlag gegen den Gedanken, das Kulturideal aus der Vereinigung von Land und Volk zu erwarten“ und fürchterlich täuscht sich Pinner, wenn er glaubt, seine Forderung: „wir wollen nicht auf gehen, nur eingehen in die Völker“ bedeute irgend etwas anderes als die Forderung des Untergangs der Juden. Aber Pinner will sich täuschen, er will sich weismachen, daß eine von jedem realen Leben losgelöste unpolitische Zukunft des Judentums möglich sei und gegen solchen Glauben gibt es keine Argumente mehr. Wenn es auch frühere Zionisten sind, die dem Zionismus Blindheit für die Wirklichkeit vorwerfen, so beweist dies nichts gegen die politische Konzeption des Zionismus, wohl aber sehr viel gegen diese PBLZMODf-A/ BCRNHARD ■BAUCH MÜNCHEN SCHÄFFLERSTRASSE 3 KAUFINGERSTRASSE 25 BRIENNERSTRASSE 8

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