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Das jüdische Echo · 1929-02-15 · 6 (15.2.1929) Chaim Lederers Rückkehr · p. Seite 20

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
6 (15.2.1929) Chaim Lederers Rückkehr
Date
1929-02-15
Page
Seite 20 (sequence 2)
Language
German
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20 Romanbeilage des „Jüdischen Echos“ Nr. 6 begonnen. Er wurde wieder Lederer in Firma „Lederer and sons“. Er schob seinen Arm in den des alten Nyfeld und führte ihn wie einst, in den guten Jahren, an den Platz, wo die Musterstücke lagen; und der alte Lederer begann selbst Nyfeld die Muster, eines nach dem anderen, vorzulegen und ließ alle seine alten Kaiifmannstricks, seine Überredungskunst und seine kaufmännische Erfahrung spielen. „Ich rate dir, nimm dieses Dessin, old boy; es ist eben erst aus der Weberei gekommen. Das hat noch niemand. Die Markowits’ können sich hundertmal auf den Kopf stellen, sie kriegen doch kein Stück von dieser Ware. Ich rate dir, schließe den ganzen Posten ab! Da, nimm das nur in die Hand! Dünn und zart wie Seide und dabei fest, Eisen. Ein bißchen zu fein für die Negerhäute. Aber der Glanz, die hellen Farben, das mußt du dir ansehen! Wenn ein Neger so ein Hemd sieht, ist er nicht mehr davon wegzubringen. Die Farbe ist bezaubernd, so hell, so festlich; sie besticht die Kunden. Ich sage dir, — das ist dein „Schlager“. Du weißt, ich kenne dein Geschäft und ich habe dir noch nie schlecht geraten. Auf mich kannst du dich verlassen. He, Mister Canter, kommen Sie mit dem Bestellungsbuch her!“ — rief Lederer einem Angestellten zu. Morris war ins Privatkontor gegangen, um nicht vor den Angestellten seine Wut zu zeigen. Er war bleich wie eine Wand. Seine Nasenflügel bebten und sein ganzer, kräftiger Körper zitterte. Nicht das arrogante, brutale Verhalten des Vaters gegen ihn hatte seine Erregung verursacht, sondern daß er sehen mußte, wie der Vater alle Geschäftsregeln, die er, Morris, eingeführt hatte, sein ganzes System umstieß. Und das tat er öffentlich, vor. allen Angestellten. In den letzten Jahren, seit sie das Geschäft in das neue Lokal auf Broadway verlegt hatten, war es nie vorgekommen, daß der „Chef“ selbst einem Kunden Muster vorlegte. Dazu sind die Angestellten da... „Was glaubt der Alte eigentlich? Daß er wieder in der Norfolk- oder Essex-Street ist?“ Morris war im Zweifel, was er tun, wie er handeln sollte. Er war zu sehr Geschäftsmann, um so rasch, gleich bei der ersten Komplikation, seinem Vorsatz, den Vater unter allen Umständen, besonders vor den Leuten respektvoll und ehrerbietig zu behandeln, untreu zu werden... „Doch so“ — sagte er sich — „so kann es nicht weitergehen. Vor allem hat so etwas demoralisierende Wirkung, es zerstört das ganze System, welches ich mit so viel Mühe und strengen Mitteln nach dem Austritt des Vaters im Unternehmen eingeführt habe, um den familiären Ton auszurotten, den der Vater von der East-Side mitgebracht hat, und das Unternehmen auf eine rein geschäftliche, großstädtische Grundlage zu stellen. Der Boß ist der Boß und der Angestellte ist der Angestellte“ ... Morris spürte geradezu das verstohlene Lachen und den Spott der Angestellten darüber, daß der alte Lederer in eigener Person die Muster vorlegte; er hörte geradezu die Witzworte, die jetzt entstanden und an seine Adresse gerichtet waren ... „Das untergräbt meine ganze Autorität. Und wie soll das werden, wenn der Vater jeden Tag ins Geschäft kommen und mir solche Streiche spielen wird? Nein, ich muß sofort handeln! Doch wie handeln, daß es nicht auffällt und den Alten nicht kränkt?“ Er hatte bereits einige Male den Angestellten, die zum Vorlegen der Muster bestimmt waren, energisch zugewinkt, sie mögen dem Vater die Muster abnehmen und Nyfeld bedienen. Doch der alte Lederer ließ niemanden in seine Nähe und die Angestallten wagten es selbst unter der Peitsche der strengen Blicke ihres Chefs nicht, sich gegen den alten Herrn aufzulehnen. Moris hatte sogar schon Nußbaum, des Alten rechte Hand, an dessen Stelle sein Schwager Selig gekommen war, von oben holen lassen. Nußbaum war der älteste Angestellte des Hauses und niemand verstand den Alten so gut zu behandeln wie er. „Nußbaum, gehen Sie hin und nehmen Sie dem Vater die Muster ab; doch tun Sie es so, daß er es nicht merkt und daß es niemandem auffällt, verstanden?“ — sagte Morris und gab Nußbaum einen Wink. Nußbaum trat näher, schlich wie eine Katze an den Mustertisch und versuchte, dem Alten die Stücke aus der Hand zu nehmen. „Warum sollen Sie sich bemühen, Mister Lederer? Ich werde Nyfeld schon bedienen!“ Doch der Alte war nicht wegzubringen. Er glaubte, es seien die alten Zeiten und er, Lederer, bemühe sich um einen Auftrag. Er ist alles. Er ist der Chef und muß alles selbst machen. Von ihm kaufen die Kunden, bei ihm machen sie größere Bestellungen, er kennt Geschmack und Bedarf eines jeden — er ist alles. Er ist Gründer des Geschäftes, Chef, Boß, — er ist „Lederer and sons“. „Nein, Nußbaum, Nyfeld muß ich selbst bedienen. Ich kenne sein Geschäft und weiß, was er braucht. Niemand weiß das hier so genau wie ich. Man kann ihm keine Knabenhemdenstoffe für seine Großstadtdandys geben. Er muß die richtige Ware für seine Nigger haben. Ich kenne sein Geschäft schon seit fünfundzwanzig Jahren... Wie lange stehen wir in Geschäftsverbindung, Nyfeld? Wie lange kennen wir einer den anderen, wie lange?“ —

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