Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 7 (15.2.1929)
- Date
- 1929-02-15
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Das jüdische Echo 103 land hielten Referate, deren Inhalt, wollte man ihn heute prüfen, wahrscheinlich ganz phantastisch, unklar und unseriös anmuten würde. Damals fühlten sich die Führer der Berliner Gemeindeverwaltung bewogen, jene Studenten zu verwarnen. Den aus Rußland gekommenen wurde angedroht, man werde veranlassen, daß sie von der preußischen Polizei des Landes verwiesen werden, wenn sie ihre verderblichen Ansichten weiter propagieren würden. Von ihrem Standpunkte aus hatten jene Männer, die sich zu Drohungen und Verwarnungen hinreißen ließen, nicht so unrecht. Sie ahnten instinktiv, daß jene Studenten eine große Macht darstellten, die in der Folge die Alleinherrschaft der damaligen Machthaber brechen würde. Denn hinter den Studenten stand eine große jüdisch-revolutionäre Idee. Es hat lange gedauert, es mußten welterschütternde Ereignisse kommen, aber schließlich haben die Ideen jener Studenten im jüdischen Leben gesiegt, und als sichtbarer Ausdruck dieses Sieges steht an der Spitze der größten jüdischen Gemeinde in Deutschland ein Zionist. Und siehe da, die Welt geht nicht aus den Fugen, das Judentum ist dadurch nicht gefährdet, kein Untergang droht dem Bestände der Berliner Judenheit —■ ganz im Gegenteil, man kann erhöhtes Interesse für jüdische Dinge feststellen, eine stärkere Aktivität in jüdischen Angelegenheiten, eine erfreuliche Entwicklung aller jüdischen Institutionen und eine Umkehrung des bisherigen Geistes der Resignation in der Berliner Judenheit in einen Geist des Werbens für jüdische Ideale innerhalb der Angehörigen der jüdischen Gemeinschaft. * * * Von den zahlreichen in der letzten Zeit in Berlin abgehaltenen Vorträgen und Veranstaltungen verdienen zwei Ereignisse besondere Beachtung. Gemeint ist zunächst der Bericht Professor Elbogens über die Eindrücke seiner im Herbst unternommenen Palästinareise. Was er an Gegenständlichem berichtete, ist allgemein bekannt und bedarf keiner Wiedergabe. Bemerkenswert ist die Feststellung dieses bedeutenden Gelehrten und mit dem historischen Judentum innigst verbundenen Forschers, daß das in Palästina in Verwirklichung befindliche Werk eine Voraussetzung für eine R enaissance ewiger jüdischer Werte i s t. Daß Professor Elbogen mit gutem Recht als wesentlichen jüdischen Wert die spezifische Art der jüdischen Religiosität erachtet, ist nur gerechtfertigt. Wer sein Judentum nur religiös begründet sehen will, möge sich diese Meinung Professor Elbogens gründlich Vorhalten. Wenn man jüdische Religiosität fördern und erhalten will, dann muß man zu „den Müttern hinabsteigen“. Und die Quelle der ewigen Jüdischen Werte ist und bleibt Palästina. Aufsehenerregend waren in Berlin die Vorträge des ehemaligen Zöglings eines katholischen Priesterseminars, des zum Judentum übergetretenen Aime Palliere. Der wesentlichste Inhalt des von ihm Ausgesprochenen war: Auf dem Wege der Theologie ist er zum Judentum gekommen. Er fand aber mehr als eine Religion, er fand ein Volk, mehr als allgemein-gültige moralische und ethische Maximen, er fand einen Lebensstil. Und nun ist es ihm klar: Judentum ist nicht lediglich Religionsgemeinschaft, ist nicht nur Nation, analog aufgefaßt, wie irgendeine Nation in Europa. Judentum ist ein soziologisches Phänomen eigener Art, das mit eigenen Maßen gemessen werden muß. Die Renaissancebewegung, welche sich im Palästinaaufbau ausdrückt, ist eine Gewähr für die ungebrochene Kraft jüdischen Wesens und jüdischer Ideen. All das ist von den geistigen Führern des modernen Judentums und der jüdischen Renaissance oft und in vielleicht noch präziseren Worten zum Ausdruck gebracht worden. Daß aber ein Unvoreingenommener, Außenstehender zu den gleichen Ergebnissen kam, bedeutete ein Erlebnis und übte auf die Zuhörer eine unbeschreibliche Wirkung, um so mehr als es in schlichtester Art vorgetragen wurde. Die vielen Hunderte, die ergriffen den Worten Pallieres lauschten, haben sich seine Ausführungen zu Herzen gehen lassen. Die Auszeichnung,. mit der Vertreter verschiedenster Richtungen im Judentum Palliere begegneten, war ein äußeres Zeichen des Dankgefühles für diesen Mann, in dessen Worten man eine Bestätigung für die Richtigkeit der bisher verfochtenen Ansichten und Bestrebungen erblickte. m. w. Zehn Jahre Reichsbund jüdischer Frontsoldaten Berlin, 11. Februar. (JTA.) Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der bekanntlich nur wirkliche Frontkämpfer nach strengster Prüfung aufnimmt, feierte am Samstag und Sonntag das Fest des zehnjährigen Bestehens. Die aus dem Reiche herbeigeeilten Delegierten vereinigten sich mit dem Bundesvorstand und den Mitgliedern der Berliner Ortsgruppe zu einer stimmungsvollen Feier im Herrenhaus, die von Musikvorträgen der Berliner Trio-Vereinigung (Prof. Mayer-Mahr, Prof. Heinrich Grünfeld und Alfred Wittenberg) umrahmt war. Der Bundesvorsitzende, Hauptmann d. R. a. D. Dr. Löwenstein, konnte zahlreiche Vertreter der Behörden begrüßen, sowie die Abgeordneten zahlreicher militärischer Verbände und jüdischer Organisationen. Dr. Löwenstein sprach Worte des Gedenkens an die im Weltkrieg gefallenen Kameraden. Unter den Klängen des Liedes „Ich hatt’ einen Kameraden“ ehrte die Versammlung stehend das Gedächtnis der Toten. In einem Überblick über das vergangene Jahrzehnt legte der Vorsitzende die Arbeit und die Aufgaben des Bundes dar: Der Reichsbund zählt heute 16 Landesverbände mit mehreren 100 Ortsgruppen. Mit Erfolg kämpfte er gegen die Lüge an, daß die jüdische Bevölkerung im Kriege ihre Pflicht nicht erfüllt hätte. Der Reichsbund ist jetzt in der Lage, dokumentarisch Wanderer MOTORWAGEN sind in Qualität und Leistung unerreicht. Verkauf durch: lob. Winkmofer & SDhne München 50 Forstenrieder Straße 53 / Telephon 73844