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Das jüdische Echo · 1929-02-15 · 7 (15.2.1929) · p. Seite 101

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
7 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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Das Jüdische Echo 101 Nr. 7 düngen entstehen, die kein Willensakt und keine Anfeindung zerschneiden kann. Unser Problem lautet somit nicht: Ist der Zionismus fähig, den deutschen Juden ihr deutsches Heimatsbewußtsein zu rauben? Sondern: Hat er die Kraft, eine seelische Verbundenheit mit dem jüdischen Palästina herzustellen? Nur Juden, die auch in einem freiheitlich regierten Lande noch immer ein absolutistisches Gesinnungsdiktat am Werke sehen, können sich zu der Meinung versteifen, daß das jüdische Nationalbewußtsein in Widerspruch stehen muß zu dem natürlichen Erlebnis des Wohnlandes. Der Nichtjude begreift das Problem besser. Es hieße Seiten füllen, wollten auch nur Stichproben aus den zahlreichen Reden gegeben werden, die hervorragende Nichtjuden in letzter Zeit über dieses Thema gehalten haben. Reichsverband und Preufientagung Die Landesversammlung des preußischen Gemeindeverbandes hat in ihrer Sitzung vom 4. Februar den Entwurf der Verfassung des Reichsverbandes mit 46 gegen 45 Stimmen abgelehnt. Das Ergebnis war einigermaßen überraschend, nachdem der Rat des Preußenverbandes den Entwurf mit großer Mehrheit gutgeheißen und sich auch bei der vorhergegangenen Einzelabstimmung in der Tagung selbst für die sämtlichen Paragraphen des Entwurfs eine Mehrheit, wenn auch zum Teil nur eine knappe Mehrheit gefunden hatte. — Die Mehrheit, die den Entwurf schließlich abgelehnt hat, setzte sich zusammen aus Volkspartei, Poale Zion, Mittelpartei sowie aus einigen Liberalen und Konservativen. Die Motive, aus denen die Ablehnung erfolgt ist, waren — das ließ die Debatte und die vorausgegangene Pressepolemik erkennen — bei den beteiligten Gruppen sehr verschieden. Daß maßgebende Kreise im Centralverein den Reichsverband als eine unerwünschte Konkurrenzorganisation (übrigens sicher zu Unrecht) perhorreszierten, war bekannt. Es erklärt sich daraus, daß führende Persönlichkeiten des Centralvereins durch ihre Abstimmung (z. B. Dr. Rruno Weil) oder durch Stimmenthaltung (so der Direktor des Centralvereins) die Ablehnung des Entwurfs Hand in Hand mit ihren politischen Gegnern herbeigeführt haben. — Die religiöse Mittelpartei hatte das Redenken, daß durch die Festlegung von zwei religiösen Hauptrichtungen in der Reichsverbandsverfassung der von ihr vertretenen mittleren Richtung der ihr gebührende Einfluß versagt werde. — Die stärkste und entschiedenste Opposition ging von der Jüdischen Volkspartei aus, die ihre Argumente auf der Tagung, vorher und nachher durch «ihre Wortführer Dr. Ivollenscher und D r. Sand- 1 e r vortragen ließ. Daß wir uns in dieser Frage nicht im Einklang befinden mit unseren Gesinnungsfreunden in Preußen, haben wir in den früheren Stadien der Rehandlung des Reichsverbandsproblems mehrfach dargelegt. Auch die jüngsten Ausführungen in der Presse und auf der Tagung vermögen uns nicht umzustimmen. Es soll hier keineswegs behauptet werden, daß die Formulierung in dem durch die Vertreter der sämtlichen Landesverbände festgestellten Entwurf die ideale Lösung des Problems „Reichsverband“ gebracht hat. Jedes Werk dieser Art ist nur als ein Kompromiß zwischen den verschiedenen Wünschen und Strömungen möglich, und diese Entstehung wird in gewissem Sinne als ein Mangel dauernd dem Werke anhaften. Nur werden die einzelnen je nach ihrer Parteistellung die Mängel in ganz entgegengesetzter Richtung suchen und finden. In den Vorberatungen, die über drei Jahre sich hingezogen haben, schien in dem jetzt in Preußen abgelehnten Entwurf eine Lösung gefunden, auf die sich die Länder und Parteien — niemand ganz ohne Verzicht auf eigene Wünsche — zusammenfinden konnten. — Unsere Freunde in Preußen habe sich nun geweigert, die Kompromißlösung zu akzeptieren. Es wird die Frage auftauchen, ob an Stelle dieser Lösung eine andere geboten werden kann, die Aussicht auf Verwirklichung hat, ob die Sandlersche „Prognose“ richtig ist: der „Reichsverband ist tot, es lebe der Reichsverband“. Kollenscher und Sandler setzten sich erneut für die 1921 vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund beschlossenen Verfassung ein, weil hier ein geschlossener einheitlicher Verband geschaffen werden sollte, während der jetzt abgelehnte Entwurf, der sich auf den Landesverbänden aufbaut, „die Mainlinie verewige“ und „die Einheit des deutschen Judentums geradezu gefährde“. — Wir fühlen uns gänzlich frei von jeder Spur vom bayerischen Partikularismus; wir schätzen und lieben die preußischen — auch die berliner — Juden, nicht weniger als die südlich des Mains vorhandenen. Aber von der sentimentalen Seite darf man an das Problem ebensowenig herangehen, wie man es mit der politischen Phrase vom Einheitsstaat einer Lösung näherbringt. Der Reichsverband soll — über seine Aufgaben bestehen wenig Meinungsverschiedenheiten grundsätzlicher Art — neben einer repräsentativen Vertretung der deut- PBLZMODBN ■BSRNHARD ■BAUCH MÜNCHEN SCHÄFFLERSTRASSE 3 KAUFINGERSTRASSE 25 BRIENNERSTRASSE 8

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