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Das jüdische Echo · 1929-02-08 · 6 (8.2.1929) · p. Seite 86

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
6 (8.2.1929)
Date
1929-02-08
Page
Seite 86 (sequence 6)
Language
German
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86 Das Jüdische Echo Nr. 6 letzter Rest des Judentums geschätzt wurde, Vorbehalten, in Sachen der Beteiligung der nichtzionistischen deutschen Juden an der Jewish Agency Argumente zu verwenden, die aus dem Arsenal der Angst und der Vorkriegspsychologie isolierter Staaten und isolierter Völker stammen. Die „Frankfurter Zeitung“ beschäftigt sich nämlich vor einigen Tagen in einem Leitartikel mit der Frage der erweiterten Jewish Agency. Es ist interessant, daß dies in einem Leitartikel geschah, und daß im ersten Teile dieses Artikels die Frage des Palästina-Aufbaus und die Frage der Erweiterung der Jewish Agency als eine bedeutsame, das öffentliche Interesse der Welt verdienende Angelegenheit behandelt wurde. Die Sprache der Tatsachen ist ebenso stark, daß sie auch in der Redaktion der „Frankfurter Zeitung“, die ja bekanntlich seit jeher eine dem Zionismus abträgliche Haltung beobachtete, gehört worden ist. Man kann sagen, daß der erste Teil des Aufsatzes, wenn auch widerwillig, so doch einen gewissen Respekt gegenüber dem bisher in Palästina Geleisteten bekundet. Im zweiten Teile des Aufsatzes aber beschäftigt sich die „Frankfurter Zeitung“ mit der Frage, ob die nichtzionistischen deutschen Juden sich an der Erweiterung der Jewish Agency beteiligen sollen und welche Folgen eine derartige Anteilnahme haben könnte. Und bei dieser Gelegenheit bleibt es ein „Ruhmestitel“ der fortschrittlichen und freisinnigen „Frankfurter Zeitung“, Gespenster an die Wand zu malen, die wir für längst verblaßt gehalten haben. Die „Frankfurter Zeitung“ läßt nämlich durchblicken, daß sich die deutschen Juden in große Gefahr begeben, sowohl hinsichtlich ihrer innerdeutschen Stellung, wie auch für den Fall kriegerischer Verwicklungen Deutschlands mit England, wenn sie mit den Zionisten sich an einen Tisch setzen und mit ihnen am gleichen Strange ziehen. Es wird, meint die „Frankfurter Zeitung“, diesen Nichtzionisten gar nichts nützen, wenn sie von vorneherein erklären, daß das Ziel des jüdischen Nationalheims im Palästina-Aufbau nicht ihr Ziel ist. Die Umwelt wird nicht unterscheiden wollen und nicht auseinanderhalten können, ob die nichtzionistischen deutschen Juden für oder gegen ein jüdisches Nationalheim sind. Man denke sich diesen schrecklichen Zustand! Die nichtzionistischen deutschen Juden könnten, Gott behüte, verdächtigt werden, daß sie an einer Sache mitwirken, für die der Völkerbund ist, für die die größten Kulturvölker durch den Mund ihrer leitenden Staatsmänner sich ausgesprochen und für die auch die hervorragendsten Persönlichkeiten Deutschlands, Nichtjuden und Juden, sich erklärt haben. Die „Frankfurter Zeitung“ geht sogar so weit, den nichtdeutschen Juden Schreck einzujagen, indem sie wörtlich schreibt, die Juden in Deutschland könnten Schaden von einer derartigen Beteiligung erleiden. Das will wohl heißen, daß Hitler und seinesgleichen den Juden die Gleichberechtigung entziehen werden, gestützt auf das Argument, daß die Juden sich am Palästina-Aufbau beteiligen. Die „Frankfurter Zeitung“ darf sich beruhigen. Wenn Hitler und seinesgleichen an Ruder kommen sollten, werden sie um Argumente für die Entrechtung der Juden nicht verlegen sein. Aber glaubt die „Frankfurter Zeitung“ wirklich, daß man ernstlich damit rechnen kann, man werde den Juden die papierene Gleichberechtigung, die sie besitzen, jemals wegzunehmen imstande sein, in einer Zeit des Weltverkehrs, der Weltwirtschaft und der immer inniger werdenden Verbundenheit aller Völker und Kulturen? Noch lächerlicher und geradezu reaktionär ist das Argument mit den möglichen kriegerischen Verwicklungen. Prinzipiell darf ein wirklich fortschrittlicher Mensch nicht ein Sekunde lang denken, daß er sein Benehmen gemäß einer derartigen Eventualität, deren Herbeiführung er mit allen Kräften bekämpfen muß, einrichten sollte. Die „Frankfurter Zeitung“ pflegt auch in der Regel mit derartigen Schlagworten, die eher in die „Kreuzzeitung“ passen, nicht herumzuwerfen. Nur in der Judenfrage scheint sie geradezu an einem Minderwertigkeitskomplex zu leiden und sieht Gefahren und Schrecken, die nur in der Phantasie von Rückschrittlern existieren. Wir glauben nicht, daß sich moderne Juden — und das wollen doch alle sein, ob sie zionistisch oder nichtzionistisch sind — von derartigen Argumenten ins Bockshorn werden jagen lassen. Bange machen gilt nicht! Die deutschen Juden werden sich für oder gegen die Beteiligung an der Jewish Agency entscheiden. Aber Gott sei Dank nicht darum, weil sie Angst oder keine Angst haben, sondern weil sie jüdisch so oder anders denken. m. w. Würzburger Brief Neues von der Lehrerbildungsanstalt — Zionistische Aktivität — Aime Palliere I. Vor einigen Monaten ging durch die Presse die Nachricht, daß die hiesige jüdische Lehrerbildungsanstalt in einem Außenbezirk Würzburgs ein Grundstück erworben habe, um dort ein neues Gebäude zu errichten. Wie wir hören, hängt diese Transaktion mit den Plänen, die gegenwärtig die Öffentlichkeit in bezug auf die Neugestaltung der Lehrerbildung beschäftigen, nur mittelbar zusammen, das heißt, der Neubau wird erfolgen ohne Rücksicht darauf, ob das Seminar seinen bisherigen Ausbildungsgang beibehalten wird oder nicht. Eine Schule, die auf der Höhe der Zeit bleiben will, bedarf einer Reihe von hygienischen und technischen Einrichtungen, die das alte Gebäude der Anstalt nicht in hinreichendem Maße besitzt. So rechtfertigt sich hieraus der Plan eines Umzugs. In Verkennung dieser Tatsache sind in letzter Zeit eine Reihe von teils offenen, teils anonymen Angriffen gegen die altehrwürdige Anstalt erfolgt, die immerhin dazu beigetragen haben, daß Würzburg wieder einmal sich daran erinnert, eine derartige zentrale Ausbildungsstätte für jüdische Lehrer in seinen Mauern zu beherbergen. Es wäre zu wünschen, daß der Kontakt insbesondere mit der Schülerschaft der Anstalt von seiten des Würzburger Judentums ein recht lebendiger würde. Es würde sich lohnen, mit dieser Schülerschaft, die ihr Organisationstalent und ihre Reife durch die Einführung der Selbstverwaltung bewiesen hat, mehr als bisher in Berührung zu kommen. II. Es gab in Würzburg allerhand Propheten, die nicht mehr daran glauben wollten, daß hier so etwas wie zionistisches Leben möglich sei. Ein völlig unvorbereiteter Vortrag, den der Deutsche Neuwäsch«*rei 6.m.b, H. FELIX BRANDNEU . 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