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Das jüdische Echo · 1929-02-08 · 6 (8.2.1929) · p. Seite 85

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
6 (8.2.1929)
Date
1929-02-08
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 6 Das Jüdische Echo 85 General Motors Automobile LORIN/ER & CO Nymphenburger Straße128 / Telephon 61836 Chevrolet Oakland La Salle folgten längere Darlegungen von Dr. Freund, Dr. B a d t (Volksp.), Dr. L i 1 i e n t h a 1, Magistratsrat Neumatin. Bei der Abstimmung fand die Auffassung, daß der Landesverband auf Grund der Reichsverfassung eo ipso eine öffentliche Körperschaft sei, Zustimmung, hingegen der Antrag, in dieser Materie mit der Staatsregierung keine Verhandlungen zu führen, Ablehnung. Es folgte dann die Beratung über den Beitritt zum geplanten Reichsverbande. Zunächst sprach Kammergerichtsrat Dr. Wolff; hierauf Heinrich Stern (liberal) und Dr. Kollenscher (Volkspartei), der sich gegen die vorgeschlagene Verfassung aussprach. Die Volkspartei hat über die Verfassung des Reichsverbandes namentliche Abstimmung beantragt. D,er Reichsverbandsentwurf abgelehnt Montag abend wurde der von der Volkspartei als undemokratisch bekämpfte Entwurf der Verfassung eines Reichsverbandes in namentlicher Abstimmung mit 46:45 Stimmen bei 7 Stimmenenthaltungen abgelehnt. Das Resultat der Abstimmung wirkte sensationell. Außer den Abgeordneten der Volkspartei und der Poale Zion stimmte fast die ganze Mittelpartei, ein Teil der Konservativen und einzelne Liberale (Dr. Tietz, Dr. Bruno Weil, Dr. John Wertheim, Woyda u. a.) gegen den Entwurf. Sieben Liberale übten Stimmenthaltung. Nur keine Hngst Noch vor dem Zusammentritt des Aktions-Komitees der Zionistischen Weltorganisation zu seiner letzten Tagung im Dezember 1928 — und erst recht nach dieser Tagung — beschäftigten sich Vertreter der nichtzionistischen jüdischen Parteien in Deutschland mit der Frage des Eintrittes der deutschen Nichtzionisten in die Jewish Agency. Bei der Lektüre der in Frage kommenden Aufsätze, besonders in der „Jüdisch-Liberalen Zeitung“, tat man gut daran, mehr zwischen den Zeilen als in den Zeilen selbst zu lesen. Ohne sich einer Übertreibung schuldig zu machen, kann man sagen, daß hinter Wenn und Aber, hinter Für und Wider, doch eine entschiedene Geisteswandlung hinsichtlich des ganzen Komplexes „Palästina-Aufbau“ festzustellen war. In Äußerungen führender Männer des bisherigen Antizionismus in Deutschland kam eine ehrliche Verbundenheit mit den Judenheiten aller Länder auf dieser Erde zum Ausdruck, und der Wunsch, gemeinsam mit allen Juden an gesamtjüdischen Aufgaben im allgemeinen und an der Palästinaaufgabe im besonderen mitzuwirken, obwohl gerade die letztgenannte viel zu sehr ein Aufgeben einer bisher beobachteten Haltung und einen Verzicht auf Partei-Ressentiments verlangte. Immerhin wurden auch in diesen wohlwollenden Aufsätzen Mentalreservationen gemacht: Man gab zu, daß die Fassung der Balfour-Deklaration und des Palästina-Mandats die Schaffung eines jüdischen Nationalheims stipuliert und daß eine Änderung dieser Festsetzung nicht als Bedingung für eine Anteilnahme der deutschen Nichtzionisten schon aus dem Grunde gemacht werden könne, weil eine derartige Änderung in Anbetracht dessen, daß sie ein Teil des Völkerrechtes ist, voraussichtlich unmöglich sein wird. Trotzdem erklärten jene Stimmen, daß sic sich damit zufrieden geben würden, pro domo zu deklarieren, daß für sie die Errichtung des jüdischen Nationalheimes nicht das Ausschlaggebende sei, weswegen sie am Palästina-Aufbau Anteil nehmen wollen, ja, daß sie das jüdische Nationalheim als solches nicht für wünschenswert und als überflüssig und abwegig halten. Zu dieser Erklärung fühlen sich jene Männer bemüßigt aus dem Gefühl der Verbundenheit nicht nur mit ihrem Heimatlande, sondern auch mit dem deutschen Volke, in dessen Mitte sie leben und dem sie sich zugehörig fühlen. Mit Befriedigung konnte man bei der Lektüre all dieser die Mitwirkung mehr oder weniger bekundenden Aufsätze erkennen, daß e i in Argument von keinem dieser Herren ins Feld geführt wurde, das sie sonst bei derartigen Betrachtungen leider oft gebraucht haben. Wir meinen, Bekundung von Angst, daß eine Anteilnahme der nichtzionistischen Juden in Deutschland am überparteilichen Werk des Palästina-Aufbaus von der nichtijüdischen Umwelt übel ausgelegt und zum Anlaß genommen werden könnte, den Juden Mangel an Staatstreue und Vaterlandsliebe vorzuwerfen und ihnen demgemäß die Früchte der Emanzipation vorzuenthalten. Keinem der Herren, die zu dieser Frage Stellung genommen haben, kam es in Gedanken, daß Beteiligung am Palästina-Aufbau und Gleichberechtigung der Juden in Deutschland irgendwie in einem kausalen Zusammenhang stehen. Das ist ja, zieht man das Verhalten der amerikanischen, englischen und französischen Juden in Betracht und richtet man sich nach der Ansicht der fortschrittlichen und zukunftsweisenden Richtungen in der Welt, nur eine Selbstverständlichkeit. Daß aber diese Selbstverständlichkeit von bisherigen Vertretern eines sonst um die Ergebnisse der Emanzipation zitternden Kreises begriffen wird, ist als ein Fortschritt zu werten und als ein erfreuliches Zeichen, daß die letzten zehn Jahre der Nachkriegszeit doch nicht eindruckslos geblieben sind. Noch weniger fiel es den Herren ein, die sich in der „Jüdisch-Liberalen Zeitung“ zum Worte meldeten, zwischen einer eventuellen Anteilnahme am Palästina-Aufbau und den Interessen Deutschlands irgendeine Konfliktsmöglichkeit zu behaupten oder für die Zukunft zu befürchten. Der allgemeine Gedanke der zu erstrebenden Welt- und Völkerverbundenheit hat seine Früchte gezeitigt: In wirklich fortschrittlichen Kreisen verwendet man nicht mehr Argumente, die eigentlich eine Böswilligkeit anderer Völker zur Voraussetzung haben, schon aus dem Grunde nicht, weil man sich nicht dem Vorwurf aussetzen will, man führe selbst, wenn auch uneingestanden, dunkle Pläne im Schild. Es blieb der „Frankfurter Zeitung“, jahrzehntelang dem bedeutendsten Organe des deutschen Freisinns, das von Juden, wie Spötter sagen, als

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