Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1929-02-01 · 5 (1.2.1929) · p. Seite 75

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
5 (1.2.1929)
Date
1929-02-01
Page
Seite 75 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9103083-9161667--09144-9082052
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 5 Das Jüdische Echo 75 tete: „G’tt bleibt mit euch. Nicht für mich, für euch ist es geschehen, daß er durch meine Hand seine Wunder tat, setzt euern Glauben nicht in einen Menschen von Fleisch und Blut; ihr seht, er ist ein Nichts, denn er gehört dem Tod. Der Ewige wird euch andere Propheten senden. Hört auf sie, folgt ihnen; doch, wenn jemals einer von ihnen euch sagen sollte, er sei G’tt, so glaubt es nicht. Denn G’tt allein ist G’tt.“ Und alle schrien: „Hört auf sie, folgt ihnen doch, wenn jemals einer von ihnen euch sagen sollte, er sei G’tt, so glaubt es nicht. Denn G’tt allein ist G’tt.“ Und alle schrieen: „Höre Israel, der Erwige ist unser G’tt, der Ewige ist einzig.“ Niemand, so sagten unsere Weisen, stirbt früher als er sterben soll. Aber, so spät er auch stirbt, für ihn selbst ist es immer zu bald: denn obwohl er zweimal schon nach dem Tod verlangt hatte, obwohl er durch G’ttes Mund und selbst erfahren hatte, daß es ihm nur noch eine Stunde lang zu leben beschieden war, war der Prophet noch immer nicht zu sterben bereit. Von Menschen verlassen flehte er nun zum Berg der Wüste, zur Erde und zum Himmel. Erstieg den Nebo und sagte schluchzend zu ihnen;: „Ruft doch, ruft das Erbarmen des Ewigen auf mich herab. Daß er vom Tode mich rette.“ Aber der Berg erwiderte: „Er möge zuerst sich meiner erbarmen; hat er nicht geschrieben: Die Berge werden vergehen und die Höhen werden niedergemäht wer- Gemeinden-u. Vereins-Echo Sitzung der Gemeindevertretung und des Gemeindevorstands Am Donnerstag, dem 24. Januar 1929, fand die erste Sitzung der neugewählten Gemeindevertretung und des Gemeindevorstands statt, die von Herrn JR. Dr. Feuchtwanger mit kurzen Worten der Begrüßung, vor allem für die zum ersten Male in diesem Kollegium Anwesenden, insbesondere die ostjüdischen Vertreter eröffnet wurde. Herr JR. Feuchtwanger stellte die Ordnungsmäßigkeit der vollzogenen Wahl fest und gab bekannt, daß für den erkrankten Herrn JR. Beer für die Dauer seiner Behinderung als Stellvertreter Herr Karl Bach zur Gemeindevertretung berufen werde. Darauf wurde das neue Präsidium durch Akklamation konstituiert: zum 1. Vorsitzenden wurde Herr RA. Dr. Ernst Wilmersdoerffer, zu stellvertretenden Vorsitzenden Herr JR. Dr. Max Feuchtwanger und Herr Walter Weiß einstimmig gewählt. Der neue Vorsitzende dankte der Versammlung für das ihm bewiesene Vertrauen, gelobte sein Amt mit Hingabe und Einsetzung aller Kraft unparteiisch zu führen, und gedachte der Tätigkeit seines Großvaters, der er wohl zum Teil seine Wahl zu verdanken habe und1 seines Vorgängers, des Herrn Geh. JR. Dr. Dispeker im Dienste der Gemeinde. Olgr. Dr. Neumeyer sprach dem neuen Präsidium der Gemeindevertretung die Glückwünsche des Vorstands aus. Der Vorsitzende wies sodann auf die wichtigen der Gemeindevertretung bevorstehenden Arbeiten hin. Zu neuen Mitgliedern des Gemeindevorstandes wurden an Stelle der zurückgetretenen Herren Kommerzienrat S. A. Weil und JR. Dr. Perlmutter, Frau den?“ Die Erde und der Himmel antworteten: „Er möge zuerst sich unser erbarmen; hat er nicht geschrieben: Die Erde wird sich abnützen wie ein Kleid; wie ein Rauch werden die Himmel sich verflüchtigen?“ Und die Wüste antwortete: „Jedes Ding kehrt an seinen Platz zurück. Alles war Staub, alles wird zu Staub.“ Und der Prophet stöhnte: „Wohin gehen? Wen noch anflehen? Einst war ein Pharao mein Sklave; ich befreite ein ganzes Volk von Sklaven; ich legte ihnen den Sabbath auf und das Fasten; ich bestimmte das Leben und den Tod; die Thora trug meinen Namen. Ich gebot der ganzen Welt; die Ordnung der Dinge vertauschte ich. Zum Himmel, der Wasser herniedergießt, sprach ich: „Gieße Brot hernieder — und Manna fiel. Zur Erde, welcher das Brot entsprießt, sprach ich: laß Wasser entsprießen — und Wasser stieg empor. G’tt gehorchte mir. Sprach ich: „Erhebe Dich, erhob er sich; steh still — stand er still. Ich sagte zu ihm: „Strafe — er strafte; vergib — er vergab. Was bin ich heute? Ein Greis, der bettelt und den man nicht hört.“ — „Das ist das Gesetz alles Fleisches mein Sohn“, antwortete ihm G’tt. „Du warst an der Reihe und nun wird ein anderer an die Reihe kommen. Wessen Sohn bist du? Amrams... Und Amram, wessen Sohn war er: Kohats, Und Kohat war der Sohn Levys und alle waren die Söhne Adams und alle starben wie Adam. Warum solltest du nicht sterben?“ Schluß folgt. Recha Stark und Herr JR. Dr. Emil Fränkel gewählt. Für Frau Stark tritt Frau Dr. Eßlinger in die Gemeindevertretung ein. Zu Punkt 3 der Tagesordnung: Wahl der Ausschüsse, nahm zuerst KR. Dr. Wassermann für die liberale Fraktion das Wort. Er führte aus, daß sich die liberale Fraktion mit den von der orthodoxen und zionistischen Fraktion für die Ausschußbesetzung gemachten Vorschlägen nicht einverstanden erklären könne, da ihr diese Vorschläge erst sehr spät unterbreitet worden seien und da sie den Grundsätzen, die bei der Besetzung der Ausschüsse in Zukunft angewendet werden müssen, nicht entsprächen. Diese Grundsätze, von denen der eine sogar in der neuen Gemeindeverfassung festgelegt werde, verlangten, daß auch in den Ausschüssen das Zahlenverhältnis der Fraktionen gewahrt bleibe und daß die Ausschüsse gegenüber dem bisherigen Stand nicht noch vergrößert werden dürften. Für den Augenblick schlage er vor, einige der wichtigsten und dringendsten Ausschüsse sofort zu bilden und wegen der übrigen eine Kommission einzusetzen, die der Gemeindevertretung dann endgültige Vorschläge unterbreiten soll. Da sich gegen diesen Antrag Einwände .erhoben, beschloß man zunächst zu Punkt 4 der Tagesordnung endgültig die Zusammenlegung des Ausschusses für Wohltätigkeit und Waisenstiftung mit dem sozialen Ausschuß und fuhr dann mit der Beratung und Beschlußfassung zu Punkt 3 fort. Nach den vorliegenden Vorschlägen wurden zusammengesetzt: der Wahlprüfungsaussschuß (Mitglieder: RA. Dr. Werner, Julius Bloch, JR. Dr. Heilbronner, RA. Dr. Wilmersdoerffer, JR. Dr. Feuchtwanger, RA. Dr. Siegel), der Revisionsausschuß (Mitglieder: Direktor Apfel, Eugen Loewenstamm, Isaak Wildberg, Karl Bach, Abraham Josef Maier, Treibt Turnen und Sport im Bar-Kochba

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.