Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1929-02-01 · 5 (1.2.1929) · p. Seite 74

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
5 (1.2.1929)
Date
1929-02-01
Page
Seite 74 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103083-9161667--09143-9082051
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

74 Das Jüdische Echo Nr. 5 goge eine Ansprache, in der er ausführte, er selbst habe an die Durchführbarkeit des Planes nicht glauben wollen, heute angesichts der erzielten überraschenden Erfolge müsse er zugeben, daß er Unrecht hatte. Die Siedlung Bervik ist im schönen Aufblühen begriffen. Er habe sich mit den Siedlern unterhalten und tiefe Eindrücke von diesem prächtigen Menschentyp empfangen. Der neuen Kolonie sind aus der Hinterlassenschaft des kürzlich verstorbenen Nahum Levinson 2200 Pfund zugeflossen; vier jüdische Organisationen, darunter der Keren Hajessod und die Palestine Welfare League, haben der Kolonie je 250 Pfund zugewendet. Die Rechte der Juden auf das Rahel-Grab Ein Konflikt zwischen der Jerusalemer Gemeinde und dem Distriktskommissar Keith Roach Jerusalem, 23. Januar. (JTA.) Zwischen der Jerusalemer jüdischen Gemeinde und dem Distriktskommissar von Jerusalem, Major Keith Roah, ist im Zusammenhang mit der Reparaturbedürftigkeit des Rahel-Grabmals ein Konflikt entstanden. Die Kapelle über dem Grabe bedarf dringend einer Reparatur, die die Jerusalemer jüdische Gemeinde in Angriff nehmen wollte. Keith Roach aber verweigerte die Erlaubnis zur Durchführung und begründete dies damit, daß neben den Juden auch die Moslems Rechte auf das Grab haben. Die Regierung, erklärte er, wolle selbst für die Reparatur des Grabmals Sorge tragen. Nach dieser Richtung wurde aber von den Regierungsbehörden nichts unternommen. Von jüdischer Seite wurde beim Oberkommissar, Sir John Robert Chancellor, interveniert. Der Oberkommissar befaßt sich gegenwärtig mit der Frage des Rechtes der Juden auf das Rahel-Grab. Kein Lehrerstreik in Palästina Jerusalem, 27. Januar. (JTA.) Die Zionistische Exekutive in Palästina hat sämtliche Forderungen der Lehrerschaft der hebräischen Schulen erfüllt, wodurch der eben erst begonnene Streik sein schnelles Ende gefunden hat. Der Unterricht wurde an allen Schulen bereits aufgenommen. Dr. Hantke bei Chancellor Des Oberkommissars Sympathie für den Keren Hajessod Jerusalem, 23. Januar. (JTA.) Der Oberkommissar von Palästina, Sir John Robert Chancellor, empfing im Regierungshause den Direktor des Keren Hajessod, Herrn Dr. Arthur Hantke, und den Generalsekretär des Keren Hajessod, Herrn Leo Hermann, und unterhielt sich mit ihnen eingehend über die Arbeit und die Ziele des Keren Hajessod. Der Oberkommissar gab seiner Sympathie für die Institution und die Arbeit des Keren Hajessod in wärmsten Worten Ausdruck. |l INI llllll 11 1 1 Feuilleton llllll 1 1 i ll! ii! Ill II Der Tod Mosis Von Edmond Fleg Edmond Fleg ist der Dichter der jüdischen Renaissance in ihrer stärksten und erschütterndsten Erscheinung. Das französische Assimilations- Judentum, bei dem die nationale Eigenart verdrängt und verblaßt ist, wie bei keinem anderen, dieses scheinbar so farblos gewordene Judentum fühlt plötzlich das uralte Hebräerblut dumpf und rätselhaft in sich erwachen, dunkle Wünsche, schmerzlich suchende Liebe nach vergessener Tradition, vergessener Gemeinschaft. In „L’enfant prophete“ und „Comme je devenais juif“ schildert Edmond Fleg in seiner kultivierten und zugleich aufwühlenden Art die Bewußtwerdung des Judentums. Der vorliegende Auszug ist das Schlußkapitel seiner zuietzt erschienenen Moses - Legende. Es reiht sich in seiner wie auf Goldgrund gemalten, an alte Miniaturen erinnernden Schilderung stilgerecht und doch eigenartig an die vielen Aggadoth, mit welchen die Tradition deutend und fühlend den Tod des Propheten umgab, von dem uns die Bibel in ihrer tragischen Sachlichkeit nur die knappe Tatsache mitteilt und nicht mehr. Am 6. Adar war es. Mitten am Tag rief vom Himmel herab eine Stimme: „Moses, Moses, nur einen Tag noch ist es dir beschieden, in dieser Welt zu leben.“ — „Warum ist mein Tod so nahe?“, stöhnte der Prophet. — „Hast du nicht zweimal schon darnach verlangt zu sterben?“ — „Herr, Herr, Du hast Deine Stärke am Sinai gezeigt und Deine mächtige Hand über den zehn Plagen Ägyptens; Du hast Deine Milde über dem goldenen Kalb gezeigt und Deine Liebe über dem Manna der Wüste: Laß mich noch leben, Deine Herrlichkeit zu verkünden.“ Und in dieser Nacht sprach der Prophet fünfzehnhundert Gebete. Und er schrieb die Thora ab, schrieb sie von neuem ab, auf den Rollen von Pergament, dreizehnmal. Dachte: „Die Thora ist das Leben und die Verlängerung des Lebens: auch mein Leben, vielleicht verlängert sie es.“ Aber am Morgen des 7. Adar rief die Stimme vom Himmel: „Moses, Moses, nur 6 Stunden noch ist es dir beschieden zu leben.“ Und Moses erwiderte: „Erst laß mich noch Israel segnen, dann will ich gehen, meinen Brüdern mich zu vereinen.“ Und er versammelte die Menge und sprach über sie den Segen ... Als er vollendet hatte, rief die Stimme vom Himmel: „Moses, Moses, nur vier Stunden noch ist es dir beschieden, zu leben auf dieser Welt.“ Bat der Prophet: „Herr, Herr, laß mich noch Abschied nehmen von Israel, dann will ich gehen, meinen Brüdern mich zu vereinen.“ Und er las den Stämmen die Thora, las sie ihnen ganz, gab eine Rolle an jeden der Stämme. Sprach: „Bewahrt* die Thora, damit sie euch bewahre; laßt kein Wort, laßt kein Zeichen anders werden bis ans Ende der Zeiten, damit ihr lebet bis ans Ende der Zeiten.“ Schrien alle: „Wir wollen sie bewahren bis ans Ende der Zeiten, damit sie uns bewahre.“ Und die dreizehnte Thora, die Moses abgeschrieben hatte, nahm der Erzengel Gabriel, um sie dem Himmel wiederzubringen. Dann sprach der Prophet: „Ich habe euch viele harte Worte gegeben der Thora zuliebe; verzeiht mir.“ Erwiderten alle: „Wir haben dich oft gereizt der Thora wegen, verzeihe du uns.“ — Sie verziehen ihm; er verzieh ihnen. Dann fuhr er fort: „Wenn ihr das Land Israel betretet, denket meiner Gebeine, die eurer gedenken werden. Und sprecht: Wehe, wehe, der Sohn Amrams, der vor uns herlief wie ein Streitroß, er ist in der Wüste gefallen.“ Sie klagten alle: „Moses, Moses, unser Lehrer, was tun wir noch ohne dich?“ Er antwor-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.