Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 5 (1.2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 72 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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72 Das Jüdische Echo Nr. 5 Die Liga für das arbeitende Palästina schafft eine feste Organisation Berlin, 18. Januar. (JTA.) Der Arbeitsausschuß der Liga hat beschlossen, in den nächsten Wochen in Berlin und in ganz Deutschland eine großzügige Mitgliederwerbung durchzuführen. Die erste Aufgabe aller um die Liga gruppierten Kräfte ist die Schaffung einer festen Organisation mit Zweigstellen an allen Orten. In Berlin ist ein Ortskomitee der Liga in Bildung begriffen, welches die lokalen Arbeiten durchführen wird. Die Liga wird als ein eingetragener Verein errichtet werden. Das Statut und die Grundsätze der Liga werden bearbeitet. Mitglied des Arbeitsausschusses wurde an Stelle von Uriel Rosenblatt als Vertreter des Hechaluz Moscheli Brachmann. Hermann Bahr schwärmt für Hitler Berlin, 22. Januar. (JTA.) Der Wiener Korrespondent der „Vossischen Zeitung“, Karl Lahm, befaßt sich mit dem Wiener konservativen Blatt „Schönere Zukunft“, welches der christlich-sozialen Partei einreden will, daß ihr eine schärfere Betonung des Antisemitismus nur von Nutzen sein könnte. Diese scharf antisemitische Zeitschrift hat auch Hermann Bahr, den einstigen enthusiastischen Judenfreund, zum fleißigen Mitarbeiter. Der jetzt in München lebende, als Katholik sich hervortuende Bahr schreibt der antisemitischen Zeitung: ,,. . . Ich bin oft dem Schicksal dankbar, als Österreicher in München zu Wahlen kein Recht und jedenfalls keine Pflicht zu haben. Ich käme sonst in arge Verlegenheit .... Ich müßte hier in München, zu wählen gezwungen, nach meinem Gefühl eigentlich für den von Hitler genannten Bewerber stimmen, weil in Hitlers Reihen doch zur Zeit die beste Kraft reinster Jugend Deutschlands steht. Gerade sie darf ich aber wieder als Katholik nicht wählen, weil sie sich doch, vielleicht bloß aus einem Mißverständnis, gegen die katholische Kirche ^stellt.“ — Der Korrespondent fügt hinzu: .,Zu solchen Verwirrungen kann selbst ein schöner Kopf mit weißem Bart, wie der Hermann Bahrs, kommen!“ Sühne für die antisemitischen Ausschreitungen in Bremen Berlin, 22. Januar. (JTA.) Vor dem großen Schöffengericht in Bremen wurde am 21. Januar die Hauptverhandlung gegen die Nationalsozialisten Thelen und Genossen wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung eröffnet. Es handelt sich um die bekannten antisemitischen Überfälle im Herbst 1928. Zur Verhandlung sind sieben Fälle gestellt. Auf der Anklagebank haben Platz genommen: der 22jährige Kraftfahrer Thelen, der 23 jährige Schuhmacher Hesse, der 20jährige Lehrling Schmädecker, der 30jährige Drogist Mascli, der 19jährige Elektriker Eberlein, der 20jährige Knecht Brandt, der 10jährige Verwaltungsgehilfe Brüggemann, der 21jährige Klempner Drewnick. Der angeklagte Verwaltungsgehilfe Meyer befindet sich auf See. Der Zuhörerraum ist voll besetzt. Der Fall des Geschäftsführers Blumenthal, der am 20. August 1928 an der Sögesfraße von dem Angeklagten Meyer mit der Faust geschlagen worden ist, wurde ausgeschaltet. Thelen wurde sodann vernommen über den Überfall vom 12. September 1928 auf den Bremer brasilianischen Konsul Oscar Parahnos de Silva und seines Begleiters in der Wallstraße vor der Sögestraße. Thelen sagt aus, er und sein Begleiter Eberlein hätten angenommen, daß der Konsul, den sie nicht kannten, und sein Begleiter, die die Kameraden von Thelen und Eberlein im Vorübergehen musterten, sich über diese lustig machten. Das habe sie gereizt; deshalb seien sie hinter den beiden hergegangen, und Thelen habe, den Konsul von hinten geschlagen. Die acht Angeklagten wurden zu folgenden Gesamtstrafen verurteilt: Thelen ein Jahr Gefängnis, Hesse fünf Monate Gefängnis, Schmädecker vier Monate Gefängnis, Masch sechs Monate, Eberlein vier Monate, Brandt vier Monate, Brüggemann sechs Monate, Drewnick drei Monate. Eberlein und Brüggemann wurde Bewährungsfrist bis zum 21. Januar 1932 bewilligt. Bezüglich Thelen hat das Gericht sofortige Verhaftung wegen Fluchtverdachtes beschlossen. Ein neues Haus der Gemeinde in Frankfurt a. M. Frankfurt a. M., 18. Januar. (JTA.) Die Israelitische Gemeinde Frankfurt a. M. hat in der Escherslieimer Landstraße ein größeres Anwesen erworben, das jetzt seiner Zweckbestimmung, wahrscheinlich der Neueinrichtung des Gemeindehauses für die gesamte Verwaltung usw. zugeführt werden soll. Eine Vorlage auf Vergemeindung der Synagoge Unlerlindau wurde angekündigt, die Verhandlungen mit der Gemeindeverwaltung sind noch nicht abgeschlossen; indessen hat auch die Religionsschule ihr Einverständnis mit der Vergemeindung ihres Lehrinstituts und Synagoge erklärt und in ihrer letzten Verwaltungssitzung eine Verhandlungskommission eingesetzt. Die Ersatzwahlen zum Gemeindevorstand ergaben die Wiederwahl der ausscheidenden Mitglieder Bonwit und Dr. Warmbrunn. Nationalsozialistische Angriffe auf eine zionistische Versammlung F r a n k f u r t a. M., 23. Januar. (JTA.) Nach einer Massenkundgebung der Frankfurter Zionistischen Vereinigung im Börsensaal mit dem Thema „Juden und ihre Gegner“ wurden auf der Straße die Versammlungsteilnehmer von Nationalsozialisten angegriffen. Die Polizei trieb die Tumultanten auseinander. Bereits in der Versammlung versuchten Nationalsozialisten die Redner zu stören, die aber ruhig zu Ende sprechen konnten. An den Zusammenrottungen auf der Straße beteiligte sich auch eine Stahlhelm-Abteilung. Vier Demonstranten wurden si stiert. Der Kampf um das Legat der Lena Cohen im Bromberger Stadtrat Bromberg, 21. Januar. (JTA.) Das 100 000- Dollar-Legat der in Amerika verstorbenen Frau Lena Cohen zugunsten armer jüdischer Greise in Bromberg, das seinerzeit vom Bromberger Magistrat unter MOTORWAGEN sind in Qualität und Leistung unerreicht. Verkauf durch: loh. Winklholer & Sflhne München 50 Forstenrieder Straße 53 / Telephon 73844 Wanderer